Kalaydoskop

Arbeiten mit Holz – einfach mal loslegen!

Gehört Ihr zur Spezies Mensch, die bei jeder handwerklichen Sache direkt im Bekanntenkreis nach Hilfe fragt oder gleich den Fachmann engagiert? Teilt sich für Euch die Menschheit im Wesentlichen in die handwerklich Begabten (wo immer die das herhaben mögen) und in die hilflosen Laien mit den berühmten zwei linken Händen? Scheint Euch das Thema „Handwerkeln“ ein Buch mit sieben Siegeln zu sein, Geheimwissen, total schwierig und kompliziert? Mit rätselhaften Fachbegriffen wie Gehrung, Fase, Spaxschrauben und Hohlraumdübeln? Dann sind die nächsten Zeilen für Euch! Denn der Autor dieser Zeilen, kein Schreinerssohn oder besonders talentiert, hat sich bis in seine Zwanziger genauso gefühlt wie oben beschrieben – bis er das Handwerken für sich entdeckt hat.

Achtung: Die folgenden Ausführungen sind schonungslos subjektiv, und sicherlich kann man so manches auch ganz anders sehen. Doch wenn ich dem einen oder anderen die Berührungsängste nehmen kann und vielleicht auch einen guten Tipp für den Start, ist schon viel gewonnen! Es sind bewusst auch Ratschläge dabei, wo mancher Profi sagt: Aber das ist doch selbstverständlich. Doch genau diese Attitüde der „Wissenden“ macht es für den Laien oft so schwer, überhaupt anzufangen oder hindert ihn daran, „dumme“ Fragen zu stellen.

Selbst ist der Mann – oder die Frau!

Tatsächlich sprechen viele Gründe dafür, sich handwerkliche Fähigkeiten anzueignen. Zum einen spart man sich das Geld für so manchen Fachmann. Zum anderen kommt man heraus aus einer „gelernten Hilflosigkeit“, was sich durchaus positiv auf das Selbstbewusstsein auswirkt. Tatsächlich kann ein Prozess in Gang kommen, dass man sich schrittweise immer mehr und größere Herausforderungen zutraut, auch in ganz anderen Bereichen. Im Kopf setzt sich fest: „Yes, I can!“. Und es kann sehr gut sein, dass Ihr – wie ich – echt Freude daran gewinnt, Dinge selber zu konstruieren, ob als Geschenk oder Möbelstück-Unikat. Wie stolz bin ich auf meine Werke! Dass darüber jeder Schreinerlehrling nur müde lächeln würde, ist mir dabei komplett egal! Später ein paar Do-it-Yourself-Ideen für den Start. Tatsächlich preisen auch viele Experten die positiven Effekte auf Seele und Geist, ruhig und fokussiert mit den Händen zu arbeiten – außerhalb der digitalen (Schein-)Welt von Handy, Computer & Co.

Hab ich das Talent zum Handwerker?

Ob Ihr zum Handwerksgenie geboren seid, spielt für den Anfang erst einmal keine Rolle. Jeder fängt klein an. Das Sprichwort ist wahr: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Womit sollte man starten? Mit den Basics. Wie lernt man? Durch Imitation und durch Ausprobieren. Wie wird man besser? Durch regelmäßiges Üben. Ganz automatisch (denn der Mensch und das Gehirn ist wirklich erstaunlich lernfähig!). Wie schon gesagt: Der Anfang ist für alle gleich. Die Frage nach einer besonderen Begabung bestimmt höchstens, wie weit Ihr „bringen könnt“ – aber auch hier werden Euer Interesse, Fleiß und hartnäckiges Dranbleiben weitaus wichtiger sein. Also, mal etwas pathetisch formuliert: Glaubt an Euch, dass Ihr es schaffen werdet – und gebt nicht zu schnell auf! Ihr habt laufen gelernt, das Schreiben, den Umgang mit Messer und Gabel – die Handwerks-Basics sind oft nicht wirklich anspruchsvoller. Ein guter Einstieg ist übrigens die Selbstmontage von IKEA-Möbeln – wenn es nicht gerade die vier Meter breite Schrankfront ist.

Ideen für den Start

Was man ja praktisch immer gebrauchen kann – und vergleichsweise einfach zu fertigen – sind Regale, Hocker oder auch Tische. Auch eine simple Schuhablage ist ein netter Start. Im Garten lassen sich nette Hütten errichten, Zäune oder Boxen für die Mülltonnen. Im Baumarkt bekommt Ihr alles, was Ihr braucht. Im Zuschnitt könnt Ihr Euch alles für wenig Geld auf Eure Wunschmaße zuschneiden lassen. Holzplatten, etwa für einen Tisch, solltet Ihr abschleifen, wenn sie noch „sägerau“ sein sollten statt glattgehobelt. Zum Schleifen gibt es entsprechende Werkzeuge, aber sehr gut funktioniert auch einfaches Schleifpapier: Mit grob gekörnten Papier anfangen und dann immer feiner werden. Sinnvoll ist auch Einölen mit den entsprechenden Holzschutzprodukten (z.B. von OSMO). Auch das sogenannte „Beizen“ ist nicht schwierig. So lassen sich attraktive Holzfarben auf ein vorher eher unansehnliches Holz aufbringen.
Ein simples Konstruktionsprinzip ist die Verbindung von verschiedenen Holzbestandteilen mit Eisenwinkeln. Diese haben Löcher für Schrauben und lassen so z.B. Regalboden mit den Außenwänden verbinden. Ebenso einfach: Löcher bohren in die zu verbindenden Teile und dann Holzdübel – das sind kleine Holzstifte – hineinstecken und verbinden.

Wie präzise muss es sein?

Eine Hemmschwelle für mich war der Gedanke, dass immer alles mit chirurgischer Präzision gefertigt werden muss. Mag das im Einzelfall auch zutreffen – etwa bei der Türenmontage – so habe ich doch die Erfahrung gemacht, dass viele Konstruktionen durchaus gutmütig kleinere Abweichungen verzeihen. Klar sollte man sich angewöhnen, so präzise wie möglich zu arbeiten, doch dies sollte nicht in Stress ausarten. Macht am Anfang am besten nur Projekte, die Euren Fähigkeiten entsprechen. Denn – Riesenüberraschung – auch Präzision lernt man durch Üben und Erfahrung.

Maßband abmessen
Abmessen ist wichtig, aber man sollte sich nicht davon abschrecken lassen. Learning by doing! Bildquelle: © andreas160578 | pixabay.com

Imitieren und Ausprobieren

Zweifelsohne solltet Ihr am Anfang viel lernen durch „Abgucken“. Gute YouTube-Tutorials für Anfänger machen vieles anschaulich (z.B. mal „Holzwerken für Anfänger“ eingeben in der Suche). Aber dann traut Euch auch, das Gelernte zu übertragen und eigene Ideen zu haben!

Hurra! Erfolg!

Unser Gehirn reagiert positiv auf Glücks- bzw. Erfolgsmomente und sucht danach, diese zu wiederholen. Bereitet uns etwas ein gutes Gefühl, werden wir nach einem „nächsten Mal“ streben. Deshalb sind auch beim Werkeln diese kleinen Erfolgserlebnisse wichtig. Fangt also lieber klein an, als Euch direkt zu überfordern und dann frustriert zu sein. Aber oft gilt es, sein Gehirn „umzuprogrammieren“, das heißt, die negativen Erlebnisse von „ich kann das einfach nicht, das ist einfach nicht meine Gabe“ zu ersetzen bzw. zu „überspeichern“.

Hurra! Misserfolg!

Keine Frage: Es kann ganz schön frustrierend sein, wenn Euer Vorhaben gnadenlos floppt. Doch das ist ganz normal – und vor allem dann fruchtbar, wenn man daraus lernt! So macht Ihr Eure eigenen wertvollen Erfahrungen zu Materialien und Werkzeugen. Ah, lieber dickere und längere Schrauben nehmen. Die Löcher vorbohren: könnte ein Plan sein. OK – den Akkuschrauber nicht grundsätzlich auf höchste Stufe stellen (beliebter Irrglaube: viel hilft viel?!). Hmm, hätte ich diese Holztischplatte doch lieber geölt – diese Flecken gehen ja gar nicht mehr raus. Und beim Festziehen der Schrauben gilt: Nach ganz fest, kommt ganz ab.
Der positive Umgang mit Fehlern oder Versagen – in jedem Lebensbereich! – wird schlussendlich unseren Erfolg bestimmen. (Fast) kein Misserfolg ist fatal oder dramatisch, es ist nur selten „alles aus“. Und wer hat es schon irgendwo an die Spitze geschafft ohne Fehler, Niederlagen, Versagen?!

Sinnvolle Werkzeuge – die Basisausrüstung

Vielleicht leiht Ihr Euch für die ersten Versuche Werkzeug von Freunden, Nachbarn oder Verwandten. Kommt Ihr nach zwei, drei Malen auf den Geschmack, lohnt es sich, sich die entsprechenden Werkzeuge zuzulegen. Ich persönlich bin ja ein Fan von „guten“ Werkzeugen – aber das ist natürlich immer auch eine Budgetfrage. Doch mindestens ein solider Standard sollte es sein, denn schlechte Werkzeuge können echt nerven. Am Anfang tut es sicherlich ein einfacher Schraubenzieher, am besten einer, bei dem man die Aufsätze („Bits“) austauchen kann. Doch mehr Spaß und Befriedigung bringt ein guter Akkuschrauber. Damit lassen sich neben dem Schrauben auch viele Löcher bohren – würde ich eher für den Start empfehlen als eine Bohrmaschine. Bei letzterer würde ich eher sparen als beim Akkuschrauber. Für das Arbeiten mit Holz braucht Ihr spezielle Holzbohrer.
Sinnvoll und kostengünstig sind Kästen mit Standard-Schrauben in verschiedenen Längen und Breiten. Zollstock, Hammer und Bleistift ist auch absolutes Basis Equipment. Perspektivisch auch eine Wasserwaage. Oder eine elektrische Stichsäge. Aber sicherlich ist es sinnvoll, nach und nach dazuzukaufen, und seinen „Werkzeugpark“ nach und nach zu erweitern! Interessant sind Multitools, welche sich mit verschiedenen Aufsätzen bestücken lassen zum Sägen, Schleifen, Polieren und Schneiden etc.!

Akkuschrauber Schrauben
Der Akkuschrauber ist ein wahres Multitalent und erspart viel Arbeit und Schweiß. Bildquelle: © Myriams-Fotos | pixabay.com

Das beste Werkzeug ist kostenlos: gesunder Menschenverstand

Tatsächlich ist das Handwerken keine Raketenwissenschaft, und es müssen keine magischen Formeln genau eingehalten werden, damit es wunderbarerweise funktioniert. Sehr schnell werdet Ihr merken, dass Arbeitsschritte einfach logisch sind – und könnt die Logik selber anwenden! Je bewusster Ihr Eure Erfahrungen verarbeitet – auch und gerade bei Misserfolgen, siehe oben! – desto eigenständiger werdet Ihr und seid nicht mehr auf das x-te YouTube-Tutorial angewiesen. Was mir Spaß gemacht hat, war z.B. einfach mal in die Holzabteilung vom Baumarkt zu gehen, zu schauen, was es da so an Materialien gibt, um dann zu überlegen, was ich daraus bauen könnte und wie ich es anstelle! Resultat war dann ein hübsches kleines Bücherregal für meine Tochter.

Zuletzt: Safety first!

„Sicherheit geht vor!“ Bei allem Ermutigen, einfach mal loszulegen: Seid dennoch vorsichtig und nehmt Sicherheitshinweise, vor allem bei elektrischen Werkzeugen, ernst! Denkt jeden Arbeitsschritt durch und überlegt, ob ein Risiko besteht. Eine gute Mischung aus Selbstvertrauen und Besonnenheit ist wichtig. Und vor allem: viel Spaß!

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