Kalaydoskop

Bootsferien führerscheinfrei – wichtige Hinweise und Tipps

Ihr möchtet die schönste Zeit im Jahr, Eure Ferien, als Freizeitkapitän auf einem Boot verbringen? Mit einem Charterschein wird Euer Traum auch ohne eigenen Sportbootführerschein wahr.

Was ist ein Charterschein?

Ein Charterschein ist die Bescheinigung über eine, mindestens 3 Stunden dauernde, theoretische und praktische Schulung zur Bedienung eines Bootes sowie dem Verkehrsverhalten auf Gewässern und Wasserstraßen. Die Einweisung wird nach einem festgelegten Protokoll (Sportbootvermietungs-Verordnung) abgearbeitet und ist kostenpflichtig.

Woher bekommt Ihr einen Charterschein?

Die gesamte Schulung und Ausstellung der Bescheinigung erfolgt durch das Charterunternehmen, bei dem Ihr Euer Boot chartert. Hier erwerbt Ihr auch die wichtigsten Kenntnisse zu Eurem gemieteten Boot. Die Bescheinigung gilt jedoch nur für das gecharterte Boot, den gebuchten Zeitraum und die in ihr benannten Binnengewässer, Flüsse oder Kanäle.

Unser Tipp: Achtet darauf, dass Euch der Bootsvermieter die Revierinformationen und Wasserkarten aushändigt. Das ist vorgeschrieben. Kapitäns- und Bordhandbücher zum Nachlesen sollten ebenfalls an Bord sein. Wenn Ihr während der theoretischen oder praktischen Schulung etwas nicht genau versteht, fragt nach!

Welche Vorschriften müsst Ihr mit einem Charterschein einhalten?

Alle wichtigen Informationen findet Ihr in der Sportbootvermietungs-Verordnung (BinSch-SportbootVermV). Die wichtigsten Punkte, die Ihr beachten solltet, sind Folgende:

  • Bootslänge maximal 15 m
  • Höchstgeschwindigkeit 12 km/h
  • je nach Bootszeugnis höchstens 2-12 Personen an Bord
  • alle Personen müssen Rettungswesten tragen
  • generelles Fahrverbot bei Nacht und unsichtigem Wetter
  • Fahrverbot ab Windstärke 4
  • fahren nur in festgelegten Fahrwassern
  • Durchfahrt nur in der bezeichneten Fahrrinne
Motorboot
Mit Charterschein auf dem Boot – ganz ohne Sportbootführerschein. Bildquelle: © Hellen Sergeyeva | fotolia.com

Für welche Gebiete werden Charterbescheinigungen ausgestellt?

Mit nur einem Charterschein könnt Ihr die folgenden miteinander verbundenen Reviere befahren:

  • die Müritz mit allen Seen
  • die Mecklenburgischen Großseen
  • die Kleinseenplatte einschließlich Rheinsberg
  • die Obere-Havel-Wasserstraße von Neustrelitz bis Liebenwalde
  • die Müritz-Elde-Wasserstraße von Plau am See bis zur Elbe
  • den Wasserweg nach Schwerin – Schweriner See

Weitere Wasserstraßen und Gewässer sind:

  • Spree-Oder-Wasserstraße, Teile der Dahme, Rüdersdorfer Gewässer, Potsdamer Havel, Untere Havel Wasserstraße
  • Havel-Oder-Wasserstraße, Werbeliner Gewässer, Müritz-Havel Wasserstraße
  • Kummerower See, Teile der Peene
  • Teile der Saale, Lahn und Saar
  • Stör-Wasserstraße und weitere Wasserstraßen
  • Bodensee

In folgenden Ländern könnt Ihr ebenfalls in bestimmten Regionen mit einem Charterschein fahren:

  • Polen
  • Holland
  • Belgien
  • Frankreich
  • Italien
  • Portugal
  • Irland
  • Schottland
  • England

Einige Hinweise zum Fahren mit einem Charterboot

Wie weit könnt Ihr an einem Tag fahren?

Bei einem Bootsurlaub fährt man täglich ca. 5 Stunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt auf einigen Wasserstraßen bei 9 km/h und an Schleusen kann es zu Wartezeiten kommen.

Die erste Schleuse ist in Sicht?

Das Schleusen erklärt Euch Euer Bootsvermieter bei der Schulung.
Ansonsten gilt: Ruhe bewahren, es ist nicht schwer. Eigentlich sind Schleusen eine willkommene Reiseunterbrechung. In den Kapitänshandbüchern oder Bordbüchern ist der Schleusenvorgang detailliert beschrieben. Das Schleusen ist kostenfrei, die Schleusenwärter nehmen aber gerne ein kleines „Trinkgeld“ an. Geöffnet sind die Schleusen meist bis kurz vor 20 Uhr, während der Sommerferien auch länger.

Schleuse
Ferien auf dem Hausboot – unterwegs in der Schleuse. Bildquelle: © Kapa65 | pixabay.com

Welche Plätze eignen sich zum Anlegen und übernachten?

Nahezu flächendeckend sind Häfen und Anleger vorhanden. Sie sind in den Wasserkarten eingezeichnet. In ruhigen Gewässern und geschützten Buchten könnt Ihr auch ankern, untersagt ist es allerdings in der Fahrrinne und in Kanälen.

Das Tanken von Treibstoff und Wasser

Solltet Ihr Treibstoff nachtanken müssen, findet Ihr in den Bordbüchern Auskünfte zu Tankstellen auf den Wasserstraßen. Trinkwasser könnt Ihr in fast allen Häfen nachtanken.

Euer größtes Hobby ist Angeln?

Mit einer gültigen Angelkarte oder einer Angellizenz könnt Ihr ganz entspannt von Eurem Hausboot aus angeln.

Wo dürft Ihr baden?

Dort wo kein direktes Badeverbot ausgesprochen ist, dürft Ihr von Eurem Boot aus ins Wasser springen und das kühle Nass genießen.

Wie sieht es mit einer kleinen Grillparty aus?

Fragt am besten vor Reiseantritt Euer Charterunternehmen, denn wenn es nicht ausdrücklich erlaubt ist, ist auf Charterbooten das Grillen verboten. An Land dürft Ihr grillen, wenn es die dortigen Vorschriften erlauben.

Was müsst Ihr bei einem Maschinenschaden oder Unfall tun?

Setzt Euch sofort mit Eurem Charterunternehmen in Verbindung, um die nötigen Informationen zu erhalten. Bei einer Panne kann Euch ein Mechaniker weiterhelfen und bei einem Unfall mit Beteiligten müsst Ihr, wie bei einem Autounfall, ein Unfallprotokoll ausfüllen. Dieses befindet sich in den Schiffsunterlagen. Es ist ratsam, Namen und Adressen von Zeugen festzuhalten und Beweisfotos zu sichern.

Wir wünschen Euch viel Spaß bei Euren Bootsferien – und keine Angst, es ist genauso unkompliziert wie Autofahren, dazu beruhigend und einfach nur schön.
Mehr Informationen zu verschiedensten Themen um Boote findet Ihr auch in unseren Boot-Ratgeber.

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