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Checkliste: Gebrauchtes Fahrrad kaufen

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Wer sich für ein gutes, gebrauchtes Fahrrad entscheidet, kann im Vergleich zum Neukauf ordentlich sparen. Ein Fahrrad kostet nach zwei Jahren Nutzung im Durchschnitt nur noch die Hälfte seines ursprünglichen Preises, nach vier Jahren ist es üblicherweise sogar nur noch ein Viertel des Originalpreises wert. Je älter das Rad, desto genauer solltet Ihr es vor einem Kauf jedoch prüfen. Wir zeigen Euch im Folgenden, worauf es beim Gebraucht-Check ankommt.

Informationen über das Fahrrad einholen

Der Gebrauchtmarkt für Fahrräder ist riesig. Unser Ratgeber „Welches Fahrrad passt zu mir? Mountainbike, Citybike, Retro-Bike?!“ liefern Euch nützliche Tipps, welches Fahrrad für Dich das richtige ist. Doch egal ob Mountainbikes, Citybikes oder Retro-Bikes – vor allem im Internet wird eine große Auswahl an gebrauchten Fahrrädern angeboten und Ihr könnt wunderbar nach dem perfekten Schnäppchen für Euch stöbern. Sobald Ihr ein Rad gefunden habt, das für Euch in die engere Auswahl kommt, nehmt am besten Kontakt zum Verkäufer auf und holt zunächst einige wichtige Informationen ein:

  • Wie alt ist das Fahrrad?
  • Von welchem Hersteller ist das Fahrrad? Handelt es sich um ein Markenrad?
  • Wie oft und wofür wurde das Fahrrad genutzt?
  • Wo wurde das Fahrrad untergestellt? In der Garage, im Keller oder im Freien?

Die Antworten können Euch ein erstes Gefühl dafür geben, ob das Fahrrad auch tatsächlich Euren Ansprüchen und Wünschen entspricht. Ist dies der Fall, vereinbare mit dem Verkäufer einen Termin – denn fest steht: Ohne eine Probefahrt und eine genaue Begutachtung vor Ort solltet Ihr ein Fahrrad niemals kaufen. Mit unserer kostenlosen Fahrradkauf-Checkliste habt Ihr alle wichtigen Checkpunkte stets auf einen Blick zur Hand.

Herrenfahrrad
Der klassische Diamantrahmen gilt als besonders stabil und sicher
Bildquelle: © John Smith / fotolia.com

Fahrrad-Rahmen

Besondere Aufmerksamkeit gilt es dem Fahrradrahmen zu widmen. Dieser ist das Skelett des Fahrrads und hat wesentlichen Einfluss auf die Fahrsicherheit. Entscheide Dich daher bestenfalls immer für eine Rahmenform, die unter Fahrradexperten als besonders sicher und stabil gilt. Hierzu zählt z.B. der sogenannte Diamantrahmen, dessen Hinterbau die Bauform eines Dreiecks besitzt und dessen Vorderbau einem Trapez ähnelt (typischer Herrenrahmen). Für Damen, die in der Regel eher einen tieferen Durchstieg bevorzugen, ist der sogenannte Anglaise-Rahmen empfehlenswert. Bei diesem reicht das abgesenkte Oberrohr nicht nur bis zum Sattelrohr, sondern bis zur Nabe des Hinterrads.
Weiterhin solltet Ihr beim Fahrradkauf unbedingt auf eine passende Rahmenhöhe achten. Um die perfekte Höhe für Euer Fahrrad zu ermitteln, müsst Ihr zunächst Eure Schritthöhe messen. Anschließend könnt Ihr Euch anhand folgender Tabelle die für Dich optimale Rahmenhöhe errechnen:

Fahrradtyp Schritthöhe x Faktor Rahmenhöhe in
Mountainbike 0,226 Zoll
Trekkingrad 0,265 Zoll
Citybike / Rennrad 0,665 cm

Habt Ihr ein Fahrrad gefunden, dessen Rahmenform und -höhe zu Euch passt, solltet Ihr den Rahmen noch einmal etwas genauer begutachten. Gebrauchsspuren, wie kleine Kratzer im Lack, sind bei einem gebrauchten Fahrrad völlig normal. Bei Dellen, Rissen und Rost ist hingegen Vorsicht geboten. Besonders an den Schweißnähten und Verbindungsstellen sollte der Rahmen intakt und gut verarbeitet sein. Tritt an Schweißnähten oder Verbindungstellen Rost auf oder ist der Rahmen dort beschädigt, kann er während der Fahrt brechen, was unter Umständen zu schlimmen Verletzungen führt.

Reifen

Ganz gleich ob Ihr Euch ein Mountainbike, ein Rennrad oder ein Fahrrad für den Alltag zulegt – bei gebrauchten Fahrrädern solltet Ihr Euch die Räder ganz besonders gut ansehen, denn nur mit guten Reifen habt Ihr lange Freude an Eurem Fahrrad. Schaut Euch deshalb die Profile gründlich an und prüft, ob die Reifen nicht porös sind. Zudem solltet Ihrweder an den Felgen, noch an den Speichen und Pedalen Rost entdecken. Achtet unbedingt darauf, ob die Radlager intakt sind – dies erkennt Ihr daran, dass sich die Räder ganz leicht drehen lassen und nicht schleifen. Auch solltet Ihr dabei kein Knirschen oder ähnliche ungewöhnliche Geräusche hören.

Probefahrt Fahrrad
Der Lenker sollte immer voll funktionsfähig sein
Bildquelle: © kaboompics / pixabay.com

Lenker

Ein intakter Lenker ist geradezu überlebenswichtig, denn wenn dieser während der Fahrt bricht, könnt Ihr Euch schwer verletzen. Prüfe den Lenker daher ausgiebig auf Dellen und Rost. Achte auch darauf, ob die Lenkung leichtgängig funktioniert. Drehe hierzu den Lenker nach links und rechts – wenn Ihr einen Widerstand spürt, ist die Lenkung nicht optimal eingestellt. Sofern Ihr die Einstellung der Lenkung nicht verändern könnt, ohne dass sich der Widerstand löst, solltet Ihr sicherheitshalber von dem Kauf Abstand nehmen – die Lenkung ist eventuell defekt. Dasselbe gilt für den Steuersatz: Wenn dieser bei ruckartigem Drehen nach links und rechts knirscht und Ihr dies nicht durch ein Justieren der Steuersatzverbindung abstellen könnt, könnte ein Defekt vorliegen. Letztlich solltet Ihr in puncto Lenker auch die Lenkgriffe einer genauen Begutachtung unterziehen. Sie sollten bestenfalls aus hautfreundlichen und griffigen Materialien bestehen, so dass Ihr beim Schwitzen nicht den Halt verliert.

Bremsen

Gut funktionierende Bremsen stellen für Eure Sicherheit das A und O dar. Deshalb solltet Ihrschon vor einer Probefahrt den Zustand der Bremsleitungen überprüfen. Bei Rissen, Rost und zu hohem Verschleiß raten wir Euch von einem Kauf ab. Achte auch darauf, dass die Bremsblöcke noch mindestens 1 mm Profil besitzen. Haben die Bremsen Eure erste Bestandsaufnahme bestanden, könnt Ihr eine Probefahrt durchführen. Hierbei ist es wichtig, dass das Rad beim Bremsen nicht zur Seite zieht oder gar quietscht. Die Bremshebel sollten beide beim gleichen Druckpunkt funktionieren und dürfen sich nicht gänzlich durchdrücken lassen. Wenn sich eine Seite durchdrücken lässt oder der Druckpunkt auf einer Seite eher erreicht ist als auf der anderen, kann das im Straßenverkehr sehr gefährlich sein.

Gangschaltung

Wenn Ihr Euch ein Rad mit mehreren Gängen anschaut, solltet Ihr selbstverständlich auch prüfen, ob diese Gänge alle funktionieren. Teste bei einer Probefahrt alle Gänge durch. Dabei sollte sich jeder Gang problemlos einlegen und wechseln lassen. Dieser Vorgang sollte sehr geräuscharm vonstatten gehen, lediglich bei der Kettenschaltung macht der Gangwechsel Geräusche. Grundsätzlich sollte der Verschleiß der Ritzel überall gleich sein. Normalerweise wird besonders das erste Ritzel stark beansprucht und ist abgenutzter als die anderen. Vergleiche deshalb besonders den Abnutzungsgrad des ersten und zweiten Ritzels. Ebenfalls solltet Ihr schauen, ob sich an den Schaltzügen kein Rost festgesetzt hat.

Fahrrad reparieren
Vor einem Fahrradkauf sollte man einige Dinge beachten
Bildquelle: © VadimGuzhva / fotolia.com

Kurbel und Kette

Die Kurbel verbindet das Pedal und die Kette miteinander. Sie sollte keine ungewöhnlichen Geräusche machen und leichtfüßig funktionieren. Auch solltet Ihr prüfen, ob sich dort Rost angesetzt hat. Ohne Kette funktioniert Euer Rad nicht, deshalb solltet Ihr auch diese auf Herz und Nieren prüfen. Grundsätzlich sollte die Kette auch bei einem gebrauchten Fahrrad sauber und gut geschmiert worden sein. Einzelne Kettenglieder dürfen nicht zu weit abstehen, denn dann ist die Kette ausgeleiert und neigt dazu, häufig abzuspringen. Ihr solltet die Kette zwar einfach hin- und herbiegen können, dennoch sollte der Spielraum nicht mehr als 2 mm betragen. Bei einer Probefahrt könnt Ihr beim Kurvenfahren prüfen, ob die Kette intakt ist – dies ist der Fall, wenn sie nicht vom Kettenblatt springt.

Beleuchtung und Federung

Prüfe weiterhin, ob die Federung keine sichtbaren Roststellen oder Risse aufweist. Wenn Ihr eine Probefahrt machst, solltet Ihr die Federung ruhig testen und genau darauf achten, ob es auffällige Geräusche gibt oder es knackt. Dann könnte sie nämlich angebrochen sein. Beachte außerdem, dass Ihr das Fahrrad nur nutzen könnt, wenn es auch in puncto Beleuchtung eine funktionsfähige Ausstattung besitzt. Wenn der Vorbesitzer kein festgebautes Licht genutzt hat, sondern Akkus oder batteriebetriebene Beleuchtung, könnt Ihr diese vielleicht ebenfalls erwerben oder den Preis etwas drücken. Neben der Lichtanlage an sich sollte Euer Fahrrad übrigens auch über Reflektoren in den Radspeichen verfügen.

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