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Für optimalen Durchblick: Ratgeber Fernglas

Ob in der Natur, auf See, bei der Jagd oder, um den Nachthimmel zu betrachten, – für alle, die gerne ihre Umgebung beobachten, gehören Ferngläser zu den wichtigsten Ausrüstungsgegenständen. Wir haben die praktischen Begleiter für Hobby, Reisen und Beruf für Euch einmal genauer angeschaut. Welche Modelle für welche Zwecke geeignet sind und was Ihr beim Kauf beachten solltet, erfahrt Ihr hier.

Wann und von wem wurde das Fernglas erfunden?

Die Ursprünge des binokularen Fernstechers mit zwei Guckrohren liegen im monokularen Fernrohr, das Ihr sicher aus Piraten- und Historienfilmen kennt. Dieses wurde zu Anfang des 17. Jahrhunderts erfunden und bildet die Basis für die später entwickelten Ferngläser.
Die ersten Fernrohre wurden von verschiedenen Persönlichkeiten konzipiert und weiter verbessert. 1608 erfand der Brillenmacher Hans Lipperhey aus den Niederlanden seine Fernrohr-Variante, die später von Galileo Galilei weiterentwickelt wurde und daher auch Galilei-Fernrohr genannt wird. Die vermutlich von Johannes Kepler zum ersten Mal beschriebene Ausführung, auf der die heutigen Ferngläser und Teleskope basieren, wurde 1613 zum ersten Mal gebaut. Nach dem Galilei-Prinzip funktionieren auch die im 19. Jahrhundert auftauchenden Theater-Gläser oder Operngläser.
Eines der ersten modernen Prismen-Fernglas-Modelle mit zwei Sichtrohren baute die Firma Carl Zeiss, 1893 meldete sie in Jena Patent darauf an. 1905 folgte eine Patentanmeldung auf eine andere Bauweise von M. Hensoldt & Söhne in Wetzlar.

Wie funktioniert ein Fernglas?

Ein Fernglas, auch Optik genannt, ist ein meist tragbares Hilfsmittel, um entfernte Objekte vergrößert betrachten zu können. Die optische Vergrößerung erfolgt durch in den Guckrohren eingebettete Linsen. Da diese das Bild aufgrund des Strahlenganges der eingehenden Lichtstrahlen auf dem Kopf und gespiegelt zeigen, sind in der Optik Prismen eingebaut, die die Darstellung für das menschliche Auge wieder richtig herum erscheinen lassen.

Was bedeuten die Zahlenangaben?

Die Nummern an Ferngläsern sagen etwas über die Vergrößerungsleistung und die Größe der Linsen aus. Die erste genannte Zahl ist die Kennzahl und gibt an, wie hoch die Vergrößerung der Abbildung ist. Die zweite Zahlenangabe gibt den Durchmesser des Objektivs und der Linsen an.
Beispiel: Eine Optik mit den Zahlen 8 x 42 bietet eine achtfache Vergrößerung und einen Objektivdurchmesser von 42 Millimetern.

Welche Fernglasarten gibt es?

Generell unterscheidet die Fachwelt zwei verschiedene Kategorien von Ferngläsern. Solche mit Dachkantprismen und die Bauweise mit Porroprismen.
Bei Optiken mit Dachkantprismen werden die Prismen in einer geraden Linie hintereinander verbaut. Für das vereinfachte Funktionsprinzip werden wenige Bauteile benötigt, was es ermöglicht wasser- und staubdichte Ausführungen zu entwickeln. Die Produktion dieser Variante erfordert höchste Präzision, um sehr gute Qualitäten zu erreichen. Bei günstigen Modellen kann es deshalb vorkommen, dass die Bildqualität nicht ganz zufriedenstellend ist. Insgesamt ist das Dachkant-Fernglas schmal und kompakt.
Optiken mit Dachkantprismen eignen sich beispielsweise für alle Aktivitäten, bei denen Ihr aufs Packmaß und Gewicht des Fernglases achten müsst.
Modelle mit Porroprismen fallen etwas größer und breiter aus als die Pendants in Dachkant-Bauweise, da Okular und Objektivlinse leicht versetzt voneinander angeordnet werden, die Linsen sitzen also nicht auf gleicher Linie. Viele bewegliche Teile und eine insgesamt höhere Anzahl an Bauteilen machen Porroprismen-Optiken anfälliger für Störungen durch Wasser und Staub. Die Produktion dieser Fernstecher ist simpler, dadurch gibt es auch im niedrigen bis mittleren Preisbereich Modelle mit guter Bildqualität.
Optiken mit Porroprismen sind empfehlenswert für alle, die ein scharfes, gutes Bild zum günstigen Preis wünschen und dafür Abstriche bei Packmaß und Gewicht machen können und wollen.

Fernglas in Hand
Es gibt verschiedenste Ausführungen von Ferngläsern je nach Verwendungszweck. Bildquelle: © NICK SELIVERSTOV | unsplash.com

Welches Fernglas ist für welchen Zweck geeignet?

In der Welt der Optiken gibt es eine riesige Auswahl an verschiedensten Modellen in unterschiedlichen Bauweisen und in Preisstufen von unter 50 Euro bis in die Tausende. Einige Varianten sind dabei sehr universell einsetzbar und eignen sich für Hobby-Ornithologen genauso wie fürs Pferderennen oder Naturbeobachtungen. Andere Ferngläser sind ganz speziell für ein gewisses Einsatzgebiet gemacht. Darunter beispielsweise solche für die Jagd, für die Sicht bei Nacht und in der Dämmerung oder Nautik-Ferngläser.

  • Taschen- und Kompakt-Ferngläser eignen sich hervorragend für Reisen, Naturbeobachtungen, Ornithologie oder das Theater.
  • Nautik-Ferngläser sind mit einer Gasfüllung und abgedichteter Bauweise dagegen geschützt, dass Wasser eindringt. Viele Modelle verfügen zudem über Zusatzfunktionen wie einen Kompass. Ideal sind diese Optiken für Schifffahrt, Wassersport sowie Naturbeobachtungen am und auf dem Wasser.
  • Astronomie-Ferngläser sind lichtstark und liefern gleichzeitig ein scharfes Bild bei Dunkelheit und Dämmerung. Dafür sorgt ein großer Objektivdurchmesser, meist sind Porroprismen verbaut.

Welches Fernglas ist für Kinder geeignet?

Damit die Pänz viel Spaß an Tierbeobachtungen und den ersten Erfahrungen mit Ferngläsern haben, gibt es spezielle Kindermodelle. Sie bieten einen kleineren, justierbaren Pupillenabstand, sind meist gegen Schläge und Stürze gepolstert und günstig in der Anschaffung.

Wie reinigt man ein Fernglas?

Die Linse der Optik reinigt Ihr am besten mit einem trockenen, sauberen Mikrofasertuch. Haucht dazu die Linse an und entfernt Staub oder Fingerabdrücke mit kreisförmigen Bewegungen und leichtem Druck. Nicht geeignet sind Reinigungspulver aus Fernglas-Sets. Den Fernglaskorpus reinigt Ihr am besten mit einem Reinigungspinsel und einem Mikrofasertuch, festgesetzter Staub lässt sich auch mit Luftdruck wegpusten.

Fernglas auf Tisch
Welches Fernglas Ihr benötigt, hängt von Euren Bedürfnissen ab. Bildquelle: © stevepb | pixabay.com

Welches Fernglas ist das größte der Welt?

Die größten und schwersten mobilen Ferngläser sind Großfeldstecher, die vor allem vom Militär genutzt werden. Sogenannte Großferngläser sind zudem auch in der Astronomie oder zur Naturbeobachtung beliebt.
Sehr viel größer als jeder tragbare Fernstecher ist jedoch das Large Binocular Telescope (LBT) auf dem Mount Graham im Bundesstaat Arizona in den USA. Mit dem 600 Tonnen schweren Astronomie-Fernglas lassen sich weit entfernte Systeme der Milchstraße scharf und störungsfrei beobachten.

Welches Fernglas ist das schärfste?

Die beste optische Leistung bringen Ferngläser ohne Zoom, also mit fester Vergrößerung. Um in der Praxis trotzdem viel Flexibilität zu bieten, stellen einige Fabrikate daher Gläser mit Umschaltmechanismus her, die zwei feststehende Vergrößerungsstufen ermöglichen.
Bei Optiken mit Dachkantprismen liefern teure, hochwertige Ausführungen von namhaften Herstellern die klarsten Bilder, besonders scharfe Ferngläser mit Porroprismen sind etwas günstiger.

Welches Fernglas ist das beste?

Welche Optik die beste ist, hängt sehr vom jeweiligen Verwendungszweck ab. So kann ein Fernglas, das besonders gut für die Jagd geeignet ist, beim Segeln versagen oder zu groß für Wanderungen oder Reisen sein. Generell sind hochpreisige Modelle von namhaften Herstellern meist qualitativ hochwertig und bieten in ihrem jeweiligen Anwendungsbereich verlässliche Abbildungsqualitäten.

Welches Fernglas ist das Teuerste?

Ideal für Jäger: Das Modell „Victory RF 54“ von Zeiss besitzt nicht nur einen integrierten Entfernungsmesser zum anvisierten Objekt, sondern hat auch noch einen eingebauten Ballistikrechner. Über Bluetooth könnt Ihr das Luxusfernglas außerdem mit der passenden Smartphone-App verbinden, die bei der Jagd Tipps aufgrund von aktuellen Umwelteinflüssen wie Luftdruck und Temperatur gibt. Ebenfalls in der App könnt Ihr Eure persönlichen Ballistikdaten eingeben und diese so auf das Fernglas übertragen. Die Optik der Spitzenklasse bekommt Ihr für schlappe 3300 Euro.

Welches Fernglas ist das Leichteste?

Fernglasmodelle mit besonders niedrigem Gewicht sind zum Beispiel Reiseferngläser. Sie sind nicht nur leicht, sondern überzeugen zudem durch ein geringes Packmaß. Hochwertige Modelle, die Ihr universell einsetzen und dabei eine gute Bildqualität erwarten könnt, wiegen etwa 160 bis 250 Gramm.
Das „Safari Ultra Sharp 10 x 22“ von Steiner bietet hervorragende Abbildungsqualität bei nur 228 Gramm Gewicht. Erhältlich ist es ab 110 Euro.

Welches Fernglas ist das hellste?

Wie hell das Bild dem Betrachter erscheint, hängt bei einer Optik unter anderem von der Austrittspupille ab. Dabei handelt es sich um den hellen Bildpunkt, der auf der Okularseite des Fernglases auf das Auge trifft. Je größer die Austrittspupille, desto besser ausgeleuchtet sieht das Bild aus. Dies beeinflusst zum Beispiel die Sicht bei Dämmerung. Errechnen könnt Ihr die Größe, indem Ihr den Objektiv-Durchmesser durch die Vergrößerung dividiert.
Zusätzliche Angaben über die Fähigkeit eines Fernglases in Dämmerung und Dunkelheit für ein helles, klares Bild zu sorgen machen die Dämmerungszahl und die Lichtstärke. Je höher diese Zahlen, desto besser sind Detailgrad und Helligkeit der Abbildung.

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