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Ganzjahresreifen – wann lohnt sich der Kauf?

Ganzjahresreifen oder auch Allwetterreifen werden immer beliebter. Laut Umfragen wollte 2017 schon fast jeder dritte Autofahrer mit ihnen auf den halbjährlichen Reifenwechsel verzichten. Aber was leisten Ganzjahresreifen eigentlich und wann sind sie sinnvoll? Wir klären Unterschiede sowie Vor- und Nachteile zu herkömmlichen Sommer- bzw. Winterreifen und liefern praktische Tipps zum Kauf von gebrauchten Ganzjahresreifen.

Was sind Ganzjahres- bzw. Allwetterreifen überhaupt?

Allwetterreifen sind die Allrounder unter den Reifengummis. Diese Pneus kommen mit trockenen ebenso wie mit nassen oder verschneiten Straßen gleichermaßen zurecht. Ihre Gummizusammensetzung ist auf eine breite Temperaturspanne ausgelegt und funktioniert bei plus 30 Grad noch genauso wie bei minus zehn Grad. Das Profil solcher Ganzjahresreifen enthält ein paar für Winterreifen charakteristische Lamellen zwecks optimalem Grip auf Schnee und Eis, zeigt aber ebenso die groben Profileinschnitte typischer Sommerreifen, mit denen diese Gummis auf trockenen oder auch sehr nassen Fahrbahnen souverän überzeugen können.

Ganzjahres- oder Allwetterreifen bilden somit immer einen Kompromiss. Sie versuchen allen Erfordernissen, die an spezielle Saisonreifen gestellt werden, gerecht zu werden. Allerdings erreichen sie bei Reifentests in keiner Disziplin die Performancewerte der individuell auf die Jahreszeit abgestimmten Reifen. Das ist aber wenig verwunderlich, denn zu gegensätzlich sind die Aufgabenstellungen der unterschiedlichen Saisonreifen. Sommerreifen sollen dem Untergrund möglichst wenig Widerstand bieten, um kraftstoffeffizient zu arbeiten, während Winterreifen genau diesen Widerstand oder Kontakt für optimale Fahrsicherheit auf rutschigen und glatten Straßen benötigen.

Im Winter sind die Anforderungen, die ein Reifen bei Fahrverhalten und Fahrsicherheit erfüllen muss, immer höher. So richten die Hersteller von Allwetterreifen ihre Gummis in Profil und Gummimischung auch primär an dieser Jahreszeit aus. Ein Ganzjahres- oder Allwetterreifen tendiert durch seine Eigenschaften deswegen immer stärker zum Winterreifen als zum Sommerreifen. Daher kommt auch die gängige Zusatzbezeichnung M+S.

M+S – Was können solche Reifen?

M+S steht für Matsch und Schnee. Da es sich hier aber nur um einen abgespeckten Winterreifen handelt, eignet sich der M+S-Reifen auch nur für leicht winterliche Straßenverhältnisse. Wer in einer eher schneearmen, flachen Region lebt und dort überwiegend auf den Hauptstraßen fährt, wo bei eventuellem Schneefall auch zügig geräumt wird, für den kann der M+S-Reifen eine gute Wahl sein. Winterliche Bergregionen sind für M+S-Reifen hingegen eine eher schwierige Herausforderung.

Mit diesen Reifen spart Ihr einen zweiten Reifensatz, die entsprechenden Felgen, den Wechselaufwand und unter Umständen noch die Kosten einer Einlagerung der jeweils nicht benötigten Reifen. Auf der anderen Seite müsst Ihr – Sommer wie Winter – immer etwas schlechtere Fahreigenschaften Eurer Reifen gegenüber einem speziellen Saisonmodell akzeptieren. Das Gummi von Allwetterreifen tendiert zu einer weichen Zusammensetzung, um bei niedrigen Temperaturen nicht zu sehr zu verhärten und weiterhin Flexibilität zu gewährleisten. Damit sind M+S-Reifen allerdings genau wie Winterreifen bei Fahrten im Sommer sehr anfällig für erhöhten Verschleiß, weil sie sich zu stark aufheizen.

Gerade als Vielfahrer müsst Ihr Eure Reifen dann umso schneller gegen einen neuen Satz austauschen. M+S-Reifen lohnen sich deswegen allein dann wirklich, wenn Ihr nur eine mäßige Jahreskilometerleistung absolviert. Ihre Wirkung auf den Benzinverbrauch ist zumindest im Sommer ebenfalls ungünstig im Vergleich zum Sommerreifen. Zwar zeigen sich neue allwettertaugliche Reifenmodelle mit immer weniger Rollwiderstand, trotzdem bleibt der Kraftstoffverbrauch mit M+S-Reifen noch ein paar Prozentpunkte über dem mit Sommerreifen. Seid Ihr viele Kilometer mit dem Auto unterwegs, summiert sich das schnell.

Unabhängig von der Kilometerleistung entstehen mit Ganzjahres- oder Allwetterreifen in den Sommermonaten auch Nachteile bei Fahrverhalten und Fahrsicherheit. Grund dafür ist wieder die winterspezifische Gummimischung, die bei hohen Temperaturen keine optimalen Eigenschaften mehr zeigen kann. Das Fahrverhalten fällt dann etwas schwammiger aus und der Bremsweg verlängert sich um den einen oder anderen Meter. Bei einem Kleinwagen, den Ihr nur in der Stadt oder auf kurzen Überlandfahrten bewegt, macht sich das kaum bemerkbar und kann vernachlässigt werden. Für einen leistungsstarken Wagen, den Ihr auch entsprechend fahrt, sind M+S-Reifen daher aber nicht immer eine gute Wahl.

Reifenwechsel
Mit Ganzjahresreifen spart Ihr Euch den lästigen halbjährlichen Reifenwechsel. Bildquelle: © HutchRock | pixabay.com

Neue gesetzliche Regelungen für Ganzjahres-, Allwetter- oder M+S-Reifen

In Deutschland existiert zwar keine zeitgebundene Winterreifenpflicht, Ihr seid aber gesetzlich angehalten situativ, also bei winterlichen Straßenverhältnissen, nur mit der passenden Bereifung zu fahren. Unter passender Bereifung verstand der Gesetzgeber bis Ende 2017 selbstverständlich den vollwertigen Winterreifen und auch einen M+S-Reifen. Zukünftig gelten die Ganzjahresreifen aber nicht mehr als adäquate Bereifung bei Eis und Schnee.

Diese geänderte Gesetzeslage hat weniger mit der tatsächlichen Wintereignung von Ganzjahresgummis zu tun. Sie ist eher eine Reaktion auf die zunehmend inflationäre Deklaration von Reifen als M+S-Reifen, da diese keine bestimmten Qualitätsmerkmale erfüllen müssen. Gerade Billig-Hersteller aus Asien fielen dabei häufig negativ auf und brachten selbst reine Sommerreifen mit der M+S-Kennzeichnung in den Umlauf. Ein anderes Label – das Alpine-Symbol – darf dagegen nur abgebildet werden, wenn der Reifen mit Erfolg einen standardisierten Wintertest erfolgreich bestanden hat. Dieses Alpine-Symbol zeigt eine Schneeflocke umrahmt von einer Berg-Silhouette und kennzeichnet damit die einzigen Reifen, die seit Jahresbeginn 2018 noch im Winter erlaubt sind.

Nach dem 01. Januar 2018 produzierte M+S-Reifen dürfen damit zukünftig genau wie Sommerreifen bei verschneiten Straßen nicht mehr gefahren werden, wenn Ihr kein Bußgeld und Punkte im Verkehrszentralregister oder – schlimmer noch – erhebliche versicherungstechnische Nachteile bei einem Unfall riskieren wollt. Wann ein Reifen hergestellt wurde, erkennt Ihr übrigens an der DOT-Nummer, die Ihr auf jeder Reifenwand findet. Deren letzte vier Ziffern geben zuerst die Kalenderwoche und dann die Jahreszahl der Herstellung an. Sämtliche Reifen, die bis zum 31. Dezember 2017 die Fabriken der Hersteller verlassen haben, dürfen aber weiterhin verkauft und auch im Winter gefahren werden. Dies garantiert eine Übergangsfrist, die erst im September 2024 ausläuft.

Winterreifen statt Sommerreifen
Nach der Übergangsfrist dürfen ab September 2024 bei Schnee und Eis auch wirklich nur noch mit dem Alpine-Symbol gekennzeichnete Winterreifen gefahren werden. Bildquelle: © Pixaline | pixabay.com

Worauf Ihr beim Kauf achten müsst

Wie bei jedem Saisonreifen dürft Ihr Allwetterreifen natürlich auch nur in der für Euer Fahrzeug zugelassenen Reifengröße montieren. Die Reifengröße wird seit 1978 nach einem einheitlichen System angegeben und sieht dann zum Beispiel so aus: 175/70 R14. Hier habt Ihr eine Reifenbreite von 175 Millimeter für eine 14-Zoll-Felge mit einem Höhen-Breiten-Verhältnis von 70 Prozent.

Mit dieser Angabe startet Ihr Euren Reifenkauf. Sie steht auf Eurem aktuellen Reifen gut ablesbar an der Reifenwand. Möchtet Ihr bei dieser Gelegenheit auf eine andere Reifengröße umsteigen, verrät Euch die Betriebsanleitung des Wagens oder der alte Fahrzeugschein weitere erlaubte Reifendimensionen Eures Wagens. Hat dieser bereits die neuere Zulassungsbescheinigung Teil I, steht dort nur noch eine einzige Angabe zur Reifengröße. Jeder Reifenhändler oder Online-Reifenshop bietet Euch aber auch die Möglichkeit, nach Fabrikat und Modell passende Reifengrößen auszuwählen. Das EU-Label gibt Euch dann weiteren Aufschluss zu den individuellen Eigenschaften des jeweiligen Gummis.

Welche Informationen zeigt das EU-Reifenlabel?

Das EU-Reifenlabel hängt seit Ende 2012 an jedem neuen Reifen im Handel. Mit dieser verbindlichen Auszeichnung wollte die EU-Kommission Verbrauchern einen kleinen Leitfaden für mehr Transparenz beim Reifenkauf an die Hand geben. Das Label enthält dafür Informationen zum Kraftstoffverbrauch, den Haftungseigenschaften bei Nässe und der Geräuschentwicklung eines Reifens.

Kraftstoffeffizienz und Nasshaftung bewertet das Label in Kategorien von A bis G, wobei A die Bestmarke bildet. Die Geräuschentwicklung eines Reifens orientiert sich dagegen am geltenden EU-Grenzwert für Lärmemissionen bei Reifen. Ein Reifen, der diese erfüllt, erhält drei schwarze Schallwellen im EU-Reifenlabel. Weniger schwarze Schallwellen-Symbole kennzeichnen entsprechend leisere Reifen.

Für Euch persönlich sind aber wohl der Kraftstoffverbrauch und die Haftungseigenschaften die wichtigsten Informationen aus dem EU-Reifenlabel. Hier geht es um Euren Geldbeutel und Eure Sicherheit. So kosten einerseits Pkw-Reifen der Label-Klassen F oder G deutlich mehr als 0,1 Liter zusätzlichen Kraftstoff pro 100 Kilometer. Andererseits machen schlechte Bewertungen bei den Tests zur Nasshaftung dann bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h einen um fünf oder mehr Meter verlängerten Bremsweg aus. Das EU-Reifenlabel zeigt dabei immer wieder, dass Preis oder Fabrikat keinesfalls automatisch auf die Qualität eines Reifens schließen lassen. Häufiger erscheinen Gummis von renommierten Markenherstellern, die hier schlecht abschneiden, oder umgekehrt günstige Reifen von eher unbekannten Firmen, die mit einer guten Bewertung im EU-Reifenlabel überzeugen können.

Ganzjahresreifen Profil
Wichtig beim Gebrauchtkauf: ein Blick aufs Profil. Ganzjahresreifen sollten immer auch die für Winterreifen charakteristischen feinen Lamellen enthalten. Bildquelle: © Ajdapereira | pixabay.com

Ganzjahresreifen gebraucht kaufen – günstige Alternative beim Reifenkauf?

Bei uns findet Ihr viele Angebote für gebrauchte Reifen, worunter natürlich auch Ganzjahresreifen vertreten sind. Für den Gebrauchtkauf von Ganzjahresreifen spricht in jedem Fall ein erheblicher Preisvorteil, der leicht die Hälfte oder mehr vom Neupreis betragen kann. Allerdings gibt es auch einiges zu beachten, wenn Ihr Allwetterreifen gebraucht kaufen möchtet.

Zunächst solltet Ihr den Allgemeinzustand der Reifen gründlich prüfen. Weisen die Gummis Beschädigungen wie Einschnitte, Risse oder Abschürfungen auf? Handelt es sich um oberflächliche Schäden oder können diese eventuell die Reifenstruktur beschädigt haben? Gerade bei Reifen ist es oft selbst für Fachleute schwierig, mit dem bloßen Auge ein abschließendes Urteil zu einer schadhaften Stelle zu treffen. Eventuell können durch sie weitere Beeinträchtigungen des Gummis ausgelöst worden sein, die nur ein technisches Gerät analysieren kann.

Gibt es an dieser Stelle nichts zu beanstanden, kontrolliert Ihr im nächsten Schritt das Reifenprofil. Fabrikneu beträgt die Profiltiefe je nach Modell zwischen sieben und neun Millimeter. Unter vier Millimeter Restprofil lassen vor allem die Wintereigenschaften des Reifens zunehmend nach. Da Ihr Euren Allwetterreifen sehr wahrscheinlich das ganze Jahr über fahren werdet und dementsprechend ein ganzjähriger Verschleiß entsteht, darf das Profil des Gebrauchtreifens nicht zu knapp über der Vier-Millimeter-Grenze liegen. Ansonsten wird bald der nächste Reifenkauf fällig. Der wird ebenso schnell unausweichlich, wenn Ihr Ganzjahresreifen kauft, die vielleicht schon sieben bis acht Jahre alt sind oder keine fachgerechte – kühle, dunkle und trockene – Einlagerung erfahren haben. Worauf Ihr sonst noch bei Autoreifen achten müsst, verraten Euch unsere 10 wichtigsten Punkte beim Reifenkauf.

Seid Ihr noch unsicher, ob es nun eine Ganzjahresreifen sein soll oder Ihr doch lieber im Wechsel mit Sommer- und Winterreifen unterwegs seid, findet Ihr weitere Informationen zum Kauf von gebrauchten Winterreifen und der Beurteilung der Qualität von gebrauchten Sommerreifen in unseren Ratgebern.

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