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Putzmittel, Shampoo & Co.: Wie schütze ich meine Kinder vor „Giftfallen“ im Haushalt?

Kinder sind neugierig und lassen sich schnell in Versuchung führen – so ist es nicht verwunderlich, dass es sich bei 90 Prozent aller Vergiftungsfälle um Kinder unter sechs Jahren handelt. Wir geben Euch Tipps, wie Ihr Eure Kinder vor schädlichen Substanzen im Haushalt schützen könnt und was im Notfall zu tun ist.

Kleinkinder sind besonders anfällig für Vergiftungsunfälle

Tabletten im Bonbonformat, Reinigungsmittel in farbenfrohen Flaschen, fruchtig riechende Duschgels – für kleine Kinder stellen diese Dinge große Verlockungen dar, denn sie können weder lesen, noch wissen sie, dass es Substanzen gibt, deren Verzehr lebensbedrohlich sein kann. Gerade Kinder im zweiten bis vierten Lebensjahr erkunden die Welt nicht nur mit den Augen und den Händen, sondern auch mit dem Mund. Da werden Blätter, Pflanzengranulat und herumliegende Zigarettenkippen schnell zwischen die Lippen gesteckt, die kleinen rosa Pillen wie Bonbons gelutscht (nimmt Mama ja schließlich auch immer) und der Rest aus Papas Schnapsglas, das er auf dem Couchtisch stehen gelassen hat, kurzerhand gekostet. Man sollte dabei niemals die Fantasie der Kinder unterschätzen! Kinder sind kleine Forscher und Abenteurer, die sich ganz unbekümmert auf Entdeckungsreise begeben und dabei alles probieren, was sie durch appetitliche Gerüche und bunte Farben anspricht. Dazu kommt, dass sie ihre Eltern nachahmen – einer der Gründe, warum Medikamente in fast 50 Prozent aller Fälle die Ursache für Vergiftungen sind.

Kind isst einen Kuchen
Kleine Kinder sind neugierige Wesen, die gerne alles in den Mund nehmen – deswegen ist die Vergiftungsgefahr recht hoch. Bildquelle: © timkraaijvanger | pixabay.com

Mit Vorsichtsmaßnahmen Vergiftungen vermeiden

Wir können unsere Kinder nicht vor allem schützen – aber wir können die Gefahren deutlich eindämmen. Gerade bei Putzmitteln, Kosmetika, Medikamenten, Alkohol und Zigaretten ist es vergleichsweise einfach, die kleinen Kinder vor diesen „Giftfallen“ abzusichern. Unsere Vorsichtsmaßnahmen und Tipps helfen Euch dabei, Vergiftungsunfälle in Eurem Haushalt zu vermeiden.

  1. Putzmittel außer Reichweite aufbewahren: WC-Reiniger neben der Toilette, Scheuermilch an der Spüle, Waschmittel auf der Waschmaschine und Allzweckreiniger unterm Spülbecken sind potentielle und vor allem vermeidbare Gefahrenquellen, die die Kinder unnötig in Versuchung führen. Sämtliche Putzmittel sollten in einem gesicherten Schrank aufbewahrt werden – dieser kann entweder mit einem Schloss oder mit einer speziellen Kindersicherung verriegelt werden.
  2. Spezielle Reinigungsmittel kaufen: Alles, was bunt und wohlriechend ist, zieht Kinder an. Greift also beim nächsten Einkauf nicht nach dem Allzweckreiniger im poppigen Pink, sondern lieber nach einer Flasche im weniger ansprechenden Design. Achtet außerdem darauf, dass die Putzmittel so genannte Bitterstoffe (z.B. „Bitrex“) enthalten – diese sorgen nämlich für einen bitteren Geschmack, der die Kinder abschrecken soll. Richtig ätzende Mittel und Chemiebomben sollten in einem Haushalt mit kleinen Kindern möglichst vermieden werden. Besonders praktisch: Viele Reinigungsmittel haben einen Verschluss mit Kindersicherung.
  3. Medikamente nicht offen herumliegen lassen: Gerade, wenn man täglich Medikamente einnehmen muss, neigt man aus Bequemlichkeit dazu, sie auf dem Küchentisch oder dem Nachtschrank liegen zu lassen. Achtet darauf, dass ihr sie stattdessen in einem verschließbaren Arzneischrank lagert. Um eine Nachahmung vorzubeugen, solltet Ihr die Medikamente möglichst nicht vor Eurem Kind einnehmen. Wenn Euer Kind selber Medizin einnehmen muss, macht ihm klar, dass es sich nicht um Bonbons handelt und dass es sich die Tabletten niemals selber nehmen darf. Arznei für Kinder hat auf keinen Fall etwas im Kinderzimmer verloren.
  4. Aschenbecher immer ausleeren: Eigentlich versteht es sich von alleine, dass man in einer Wohnung, in der Kinder leben, nicht rauchen sollte. Und auch der Aschenbecher auf dem Balkon oder Gartentisch sollte immer sofort geleert werden. Viele Kinder finden es „cool“, ihre Eltern nachzuahmen und sich die (besonders giften) Kippen in den Mund zu stecken. Zigaretten sollten niemals offen in der Wohnung herumliegen – schon eine Zigarette kann für ein kleines Kind lebensbedrohlich sein, wenn es den Tabak hinunterschluckt. Auch Nikotinkaugummis und Kautabak müssen immer kindersicher aufbewahrt werden.
  5. Alkohol unzugänglich aufbewahren: Alkohol ist für Kinder gesundheitsgefährdend. Denkt also immer daran, die geöffneten Wein- und Bierflaschen nicht offen stehen zu lassen, wenn Ihr den Raum verlasst. Gerade Hochprozentiges sollte sicher und unzugänglich aufbewahrt werden.
  6. Mit den Kindern über Giftpflanzen sprechen: Die oberste Regel lautet: Aus der Natur wird ohne Rücksprache mit den Eltern nichts gegessen. Habt Ihr Beerensträucher oder Gemüsebeete im Garten, zeigt den Kindern ganz genau, von welchen Sträuchern sie naschen dürfen. Am sichersten ist es natürlich, wenn man gar keine giftigen Pflanzen im Haus und im Garten einpflanzt.
  7. Chemikalien in Gartenschuppen und Garage sicher lagern: Farben, Terpentin, Grillanzünder, Frostschutzmittel und Co. werden häufig in einem Regal im Gartenschuppen oder in der Garage aufbewahrt – das können sie auch gerne, allerdings immer so, dass den Kinder der Zugang verwehrt ist. Lagert diese Substanzen also entweder im obersten Regal, in Oberschränken oder in einem verschließbaren Schrank.
  8. Giftige Substanzen nicht in Flaschen und Dosen umfüllen: Ihr solltet Putzmittel, Seifen und Essigessenz etc. niemals in Behälter von Lebensmitteln umfüllen. Gerade, wenn man in den Urlaub fährt und nur kleine Mengen mitnehmen möchte, neigt man dazu, sich ein bisschen Spülmittel in eine kleine Flasche und etwas Waschpulver in eine Plastikdose abzufüllen. Eure Kinder können nicht wissen, dass das Spülmittel kein Saft und das Waschmittel kein Brausepulver ist – also bitte immer in der Originalverpackung aufbewahren.
Aschenbecher mit Zigaretten
Um für die Sicherheit Eurer Kinder sorgen, solltet Ihr diverse Vorsichtsmaßnahmen ergreifen – beispielsweise solltet Ihr Aschenbecher immer entleeren. Bildquelle: © Hans | pixabay.com

Anzeichen für Vergiftungen

Die gute Nachricht vorneweg: Kleine Kinder sind zwar manchmal unbeaufsichtigt, in der Regel aber immer nur für kurze Zeit. Sollte es also einmal zu einer Vergiftung kommen, werdet Ihr vermutlich rechtzeitig bemerken, dass mit Euren Kind etwas nicht stimmt. Typische Anzeichen für Vergiftungen sind Rötungen und Schwellungen im Mundbereich, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen sowie Kopfschmerzen, Müdigkeit und allgemeines Unwohlsein. Im schlimmsten Fall kann es auch zu Atem- oder Herz-Kreislauf-Problemen sowie zu Bewusstlosigkeit kommen. Erschwerend kommt allerdings hinzu, dass die Symptome manchmal deutlich zeitverzögert auftreten. Vor allem, wenn die Kinder noch zu klein sind, um von sich aus zu schildern, wann sie wo etwas gegessen oder getrunken haben, wird es dann schwer, die Ursache noch ausfindig zu machen. Untersucht die Wohnung dennoch gründlich nach Anzeichen. Vielleicht findet Ihr angeknabberte Pflanzenblätter, herumliegende Medikamente oder geöffnete Flaschen von Putzmitteln etc.

Was kann man bei einer Vergiftung machen?

Als allererstes solltet Ihr gucken, ob Euer Kind noch Reste der Substanz oder zum Beispiel giftige Pflanzenfasern im Mund hat und diese sofort entfernen. Anschließend ist es empfehlenswert, einen Notarzt unter der 112 anzurufen. Bewahrt Ruhe und gebt am Telefon ausführlich Auskunft darüber, dass es sich um ein Kind handelt und wie alt und wie schwer es ist. Nennt die Symptome und – falls Ihr es wisst – auch die Ursache für die Vergiftung. Möglicherweise gibt man Euch schon erste Tipps, wie Ihr Eurem Kind bis zur Ankunft des Arztes helfen könnt. Es ist immer vorteilhaft, den Grund für die Vergiftung zu kennen, denn dann kann man besser darauf reagieren. In den meisten Vergiftungsfällen hilft es beispielsweise, viel stilles Wasser (auf keinen Fall Milch oder kohlensäurehaltige Getränke) zu trinken – hat Euer Kind allerdings Shampoo oder Duschgel geschluckt, ist die Aufnahme von Flüssigkeit fatal, denn dadurch wird die Schaumbildung weiter angekurbelt, was zu Atemstörungen führen kann. Ist eine ätzende Flüssigkeit auf die Haut oder gar ins Auge gekommen, muss man die betroffene Körperpartie sofort gründlich mit reichlich Wasser abspülen. Viele denken fälschlicherweise, dass es förderlich ist, das Kind zum Erbrechen zu bringen. Das stimmt jedoch nicht, denn das kann gerade bei säurehaltigen Flüssigkeiten auch schädigend sein. Muss sich Euer Kind allerdings von alleine übergeben, dann ist das eine natürliche Reaktion des Körpers, die in Ordnung ist. Nachdem Ihr den Notarzt informiert habt, könnt Ihr bei der Giftnotrufzentrale anrufen und dort die Ursache und/oder die Symptome durchgeben. Man wird dort versuchen, Euch ein Gegenmittel/eine Gegenmaßnahme zu nennen bzw. gemeinsam mit Euch anhand der Krankheitszeichen die Ursache herauszufinden.

Wichtige Telefonnummern im Notfall

Notruf112
Giftnotzentralen
Baden-Württemberg0761-19240
Bayern089-19240
Brandenburg/Berlin030-19240
Bremen/Hamburg/Niedersachsen/Schleswig-Holstein0551-19240
Hessen/Rheinland-Pfalz06131-19240
Mecklenburg-Vorpommern/Sachsen/Sachsen-Anhalt/Thüringen0361-730730
Saarland06841-19240

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