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Hausboot nach dem Winter flott machen – Checkliste

Die lange Winterpause ist vorüber und mit den ersten warmen Sonnenstrahlen gibt es für jeden Bootsbesitzer nur noch eines: Endlich wieder hinaus aufs Wasser! Damit Ihr sicher und entspannt mit Eurem Hausboot die schönste Zeit des Jahres genießen könnt, bedarf es einiger Vorbereitungs- und Wartungsarbeiten. Dafür haben wir eine Checkliste zusammengestellt, die Euch helfen soll, den Überblick zu behalten und nichts zu vergessen.

Vorbereitung der Bootsinspektion

Bereitet Euch auf Eure private Bootsinspektion vor. In der Bedienungsanleitung bzw. im Handbuch Eures Hausbootes findet Ihr Informationen über das richtige Verbrauchsmaterial wie Fette, Öle, Filter oder Ähnliches. Wenn Ihr kein Handbuch besitzt, könnt Ihr im Internet danach recherchieren, Euren Bootshändler fragen, oder vor dem Kauf der Materialien einen Bootsmechaniker kontaktieren. Dies solltet Ihr im Übrigen auch tun, falls beim Check-up größere Probleme auftreten und Ihr Euch bei irgendwelchen Arbeiten unsicher seid. Befindet sich eine Gasanlage an Bord, bedarf sie der regelmäßigen Wartung durch einen Fachmann!

Punkt 1 – Die Batterie

Hausboot im Winter
Bevor Ihr Euer Boot nach dem Winter zu Wasser lässt, bedarf es einiger Vorbereitung. Bildquelle: © artyangel | pixabay.com

Bevor Ihr die Batterie testet, kalkuliert, ob die Kapazität für getauschte oder neu hinzugekommene Geräte noch ausreicht. Vielleicht benötigt Ihr von vornherein einen höher dimensionierten Stromspeicher. Schaut Euch dann die Batterie genau an. Wenn sie Risse hat, entsorgt Ihr sie sofort. Vorsicht! Batteriesäure könnte ausgelaufen sein. Ist die Batterie äußerlich intakt, füllt destilliertes Wasser auf. Trocknet die Batterieoberfläche und prüft nun die Anschlüsse. Alle Kabel, Verbindungen und Halterungen müssen scheuerfrei und isoliert sein. Reinigt die Batterieklemmen von Korrosion und schmiert sie mit etwas Polfett oder Vaseline ein. Setzt die Klemmen wieder auf, achtet dabei auf die korrekte Polung. Schließt die Batterie ans Ladegerät an. Ist sie völlig entladen bzw. hält die Ladung nicht (trocken), muss sie ebenfalls ausgetauscht werden.
Tipp: Ein Batterie-Tester leistet Euch während der Saison oder bei einer künftigen Prüfung gute Dienste.

Punkt 2 – Der Diesel- oder Benzintank

Prüft alle Absperrventile auf Gangbarkeit und Sauberkeit. Entlüftet die Leitungen und ersetzt den Kraftstofftankfilter. Falls Ihr den Filter vor der Winterpause erneuert habt, kontrolliert ihn nach Rissen oder Schäden. Sicher wurde im Herbst der Tank befüllt, um Feuchtigkeitsansammlung zu vermeiden. Wurden Kraftstoffadditive hinzugegeben? Wenn nicht, lasst den Tank zur Vorsicht ab und betankt ihn erneut.

Punkt 3 – Motor und Generator

Wechselt das Motorenöl. Greift auf handelsübliche Mischungen zurück, die der Motorenhersteller empfiehlt. Reinigt den Ölfilter oder tauscht den Einmalfilter samt Dichtungsring aus. Schaut Euch auch den Luftfilter an und ersetzt ihn gegebenenfalls. Inspiziert die Kraftstoffleitungen auf Brüchigkeit oder Risse.
Kontrolliert, dass die Belüftungsschlitze am Motor und Generator frei und die Schlauchschellen und Schrauben fest verschraubt sind. Überprüft die Keilriemen auf Abnutzung, Einrisse und die richtige Tension. Wenn nötig, tauscht sie aus. Der Zündverteiler am Motor könnte in den Wintermonaten Korrosionsschäden davongetragen haben. Entfernt die Verteilerkappe, säubert sie gründlich und bringt alle Anschlüsse wieder korrekt an. Solltet Ihr das Kühlwasser im letzten Jahr abgelassen haben, untersucht die Schläuche nach Rissen. Ist alles in Ordnung, reinigt das Sieb und befüllt das System erneut.

Hausboot auf Fluss
Damit Ihr problemlos fahren könnt, solltet Ihr die Kraftstoffleitungen auf Brüche und Risse überprüfen. Bildquelle: © alleppeyhouseboatclub | pixabay.com

Punkt 4 – Die Bilge

Kontrolliert die Bilge auf Wasserschäden, Staunässe, Rost, Schimmel und Säureschäden durch Batterien. Solltet Ihr einen Benzinmotor besitzen, testet auch die Funktion des Bilgenlüfters. Zudem gilt es die Bilgenpumpe einer Prüfung zu unterziehen.
Tipp: Es ist immer ratsam, eine zweite Pumpe als Reserve an Bord zu haben.

Punkt 5 – Seewasserventile und Schläuche

Prüft die Schläuche und Filter an den Seewasserventilen auf Risse, Verformungen und festen Sitz. Achtet darauf, dass jedes Ventil gangbar ist. Vergesst nicht, sie alle zu schließen! Wenn Euer Hausboot zu Wasser gelassen wird, überprüft zeitgleich, ob die Ventile dicht sind. Später könnt Ihr die Ventile, die Ihr benötigt, wieder öffnen.

Punkt 6 – Die Schiffsschraube, das Ruder und der Anker

Kontrolliert die Schiffsschraube auf Deformierung, Beulen und Rostfraß. Dreht an der Schraube, sie muss sich leicht und gleichmäßig bewegen lassen. Bei der Ruderanlage ist es ratsam, über die vorhandenen Fettnippel neues Fett zu geben. Dazu nehmt Ihr eine Fettpresse. Prüft danach das Ruder auf Leichtgängigkeit. Ihr solltet ebenfalls die Ankerwinde auf ihre Funktion überprüfen. Achtet beim Anker und herausgelassener Ankerkette auf Korrosion und behebt die Schäden. Sofern Ihr einen Reserve Anker besitzt, kontrolliert diesen gleichfalls. Ist die Länge der Kette ausreichend?

Punkt 7 – Der Trinkwassertank

Bestimmt habt Ihr Euren Trinkwassertank im Herbst entleert und Tank, Leitungen, Hähne und Auffüllschlauch gereinigt. Wenn nicht, solltet Ihr es jetzt tun. Es ist ratsam, einen Filter in die Trinkwasserleitung einzubauen oder, falls Ihr schon einen habt, ihn zu reinigen. Spült den Tank nach der Säuberung gründlich durch, bevor Ihr ihn mit frischem Wasser auffüllt.

Punkt 8 – Unter Deck

Prüft die Scharniere und Verschlüsse der Luken und sonstigen Türen auf Gängigkeit. Wenn die Polsterung in den Wintermonaten Feuchtigkeit angezogen hat, trocknet sie und lasst sie gut durchlüften. Haltet in allen Räumen Ausschau nach Schimmelbildung. Entfernt ihn, sorgt für ausreichende Belüftung und kontrolliert die Stellen intervallmäßig. Testet auch Beleuchtung, Elektrogeräte und Wasserarmaturen auf ihre Funktion.

Hausboot Innenaustatttung
Auch die Fenster und Deckluken des Boothauses sollten kontrolliert werden. Bildquelle: © ravishahi | pixabay.com

Punkt 9 – Das Bootsdeck

Kontrolliert die Deckluken und Fenster. Müssen Dichtungen, Haltegriffe oder Scharniere erneuert werden?
Begutachtet die Reling auf Stabilität. Wie ist der Zustand der Klampen und Ankerleinen? Habt Ihr genügend Taue? Ist der Bootshaken griffbereit und sind alle Fender mit Luft gefüllt? Prüft auch die Badeleiter und wenn vorhanden die Badeverlängerung am Heck. Während Euer Boot an Land ist, bietet es sich an, Verdecke und Planen zu reinigen.

Punkt 10 – Fahrstand, Bootselektronik

Ist der Steuerstand intakt? Kontrolliert das Steuerrad und Steuerpult.
Prüft die elektrischen Verbindungen auf Korrosion und Kabelbrüche. Danach schaut Ihr Euch die elektronischen Geräte an und absolviert einige Testläufe. Verfügen alle Instrumente über das aktuellste Software Update? Denkt daran, dass sämtliche Geräte ausreichend spritzwassergeschützt sind.
Kümmert Euch ebenfalls um den Zustand von Antennen, Kompass, Fernglas, Barometer, Signalgeber, Radarreflektoren, Positionslichtern und der sonstigen Beleuchtung. Für freie Sicht sorgen unverbrauchte Scheibenwischer (falls vorhanden) und gründlich gereinigte Scheiben. Vorsicht! Durch chemische Reinigungsmittel werden Plexiglasflächen spröde und matt.

Punkt 11 – Beiboot und Außenborder

Pumpt das Beiboot auf. Prüft das Ventil auf Beschädigung und vergewissert Euch, dass die Kappe nicht verloren gegangen ist. Untersucht das Gewebe auf Kratzer, Abschürfungen oder kleine Löcher. Kontrolliert auch die Nähte. Kontrolliert dann noch den Außenborder, denn auch wenn Ihr Euren Motor im Herbst gereinigt und gewartet habt, solltet Ihr den Schaft und die Schraube auf Schäden überprüfen. Ist die Lenkung beweglich? Bei hydraulischen Lenkungen und Powertrimm müsst Ihr den Ölstand messen. Entfernt das alte Fett von beweglichen Teilen und fettet nach. Die Umhüllung der Seilzugsteuerung darf keine Knicke, Risse oder Korrosion aufweisen. Kontrolliert den Gummibalg/Muffe. Findet Ihr verschlissene, trockene und rissige Stellen, ersetzt Ihr ihn vorsichtshalber. Tipp: Startet niemals den Motor, wenn er nicht im Wasser ist. Nur wenige Sekunden genügen, um den Gummi-Impeller der Wasserpumpe zu beschädigen.

Punkt 12 – Der Bootsrumpf

Reinigt den Rumpf oberhalb der Wasserlinie, bestreicht ihn mit Wachs (im Bootshandel erhältlich) und poliert es gut ein. So schützt Ihr den Lack vor UV-Strahlen sowie anderen Umwelteinflüssen. Kontrolliert das Unterwasserschiff nach Beschädigungen, Rissen und Osmose (bei CFK – Booten). Sind die Opferanoden an den Metallteilen verschlissen, tauscht Ihr sie aus. Behandelt das Unterwasserschiff außerdem mit Antifouling, einem Schutzanstrich, der extrem wichtig ist! Ihr müsst den Schutzanstrich zweimalig, ohne Zwischenschliff, auftragen. Achtung, wenn Ihr ein Echolot besitzt, überstreicht auf keinen Fall den Sensor. Bei Booten, die den Winter über auf dem Wasser verbracht haben, muss der Unterboden gründlich gereinigt werden, bevor er mit Antifouling behandelt werden kann. Nachdem der zweite Anstrich getrocknet ist, lasst Euer Hausboot zu Wasser. UV-Strahlen schaden dem Antifouling und es verliert seine Wirkung.
Prüft beim Einkranen oder Einslippen unverzüglich die Seewasserventile, den Rumpf, die Bilge und die Bordtoilette auf eintretendes Wasser. So kann, falls nötig, sofort das Schiff wieder nach oben gehoben werden.

Punkt 13 – Die Sicherheits- und Havarieausrüstung

Die Sicherheits- und Havarieausrüstung ist von großer Bedeutung. Überprüft daher die Bordapotheke auf Vollständigkeit und das Verfallsdatum der Medikamente. Schaut außerdem nach, ob die geforderte Anzahl an ABC Feuerlöschern mit gültiger Prüffrist an Bord ist. Auch das Wartungsdatum Eurer Rettungsinsel solltet Ihr kontrollieren und nachsehen, ob sich ausreichend Rettungswesten mit Signalpfeife auf dem Boot befinden. Für Kinder gibt es ohnmachtssichere Westen. Die pyrotechnischen Signalmittel sollten natürlich noch zugelassen sein und der Fachkundenachweis vorliegen. Auch solltet Ihr das Vorhandensein von Ersatzteilen für wichtige Bootsteile, Werkzeug, Reparaturanleitungen, Reserve Kraftstoff, Öl und wetterfeste Kleidung prüfen. Stellt Euch dann zu guter Letzt noch folgende wichtige Fragen: Besitzt Ihr die wesentlichsten Signalflaggen für Manövrierunfähigkeit, Ankern etc.? Habt Ihr genügend spritzwassergeschützte Handlampen? Sind alle nötigen Ladegeräte, Akkus und Ersatzbatterien an Bord? Könnt Ihr alle Fragen mit “ja” beantworten, steht dem Start der neuen Saison nichts mehr im Wege.

Füllt also den Kühlschrank und Vorratsschrank auf und haltet alle wichtigen Bootspapiere parat – dann dürft Ihr endlich den Motor starten und mit Eurem Hausboot auf Reisen gehen. Wenn Ihr Euer Hausboot zu Wasser gelassen habt, und den Motor das erste Mal startet, beobachtet folgendes: Ist das Startverhalten normal und läuft er rund? Sind Motor, Einspritzpumpe und Kühlsystem dicht? Ist das nicht der Fall, nehmt die Hilfe eines erfahrenen Mechanikers in Anspruch.

Wir wünschen Euch viel Vergnügen und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel.

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