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Vergiss mich nicht Tiernothilfe e.V.

Tierschutz ist ein wichtiges Thema, dem oft nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt wird, nicht nur in Deutschland sondern auch weltweit. Wir haben mit Tamara Krantz, Vorsitzende des Vereins „Vergiss mich nicht Tiernothilfe e.V.“ ein Interview zum Thema Tierschutz geführt. Sie war so freundlich und hat uns unsere Fragen zu ihrem Verein, den Zielen und Tätigkeiten beantwortet sowie Tipps zum Tierkauf und zur Rettung von Tieren gegeben.

1. Sie arbeiten für die Vergiss mich nicht Tiernothilfe e.V. Was genau tut Ihr Verein?

Wir haben zwei vorrangige Ziele: Zum einen wollen wir die Situation der Tiere vor Ort verbessern. Dieses Ziel versuchen wir durch Kastrationen, den Ausbau von Tierheimen und die Versorgung von Straßenhunden zu erreichen. Mit diesen Aktionen wollen wir das Bewusstsein der Menschen für den Tierschutz vor Ort schärfen. Zum anderen vermitteln wir Hunde nach Deutschland, da sie in ihrem Ursprungsland kaum oder keine Vermittlungschance haben. Wir arbeiten daran, dass sich das zum Positiven ändert, doch so lange das nicht der Fall ist, müssen wir handeln.

Bildquelle: © Vergiss mich nicht Tiernothilfe e.V. / vergissmichnicht-tiernothilfe.de

2. Was für Gedanken sollte ich mir vor einem Tierkauf machen? Was sollte ich abgeklärt haben?

Die wichtigste Frage ist immer, ob ich bereit und fähig bin einem Hund ein dauerhaftes Zuhause zu bieten. Es ist niemandem geholfen, aus spontanem Mitleid mal so auf die Schnelle ein Tier aufzunehmen und es dann genau so schnell auch wieder abzugeben, weil es nicht so läuft wie man es sich vorgestellt hat. Wir haben es mit Lebewesen zu tun, die bereits genug herumgeschubst und nicht gewollt wurden. Hunde suchen und brauchen ein stabiles sicheres Zuhause.

Wenn Adoptanten sich für einen Hund entscheiden, sollten sie zuerst die bürokratischen Rahmenbedingungen klären. Dazu gehören die Erlaubnis des Vermieters zur Hundehaltung und die Beachtung gesetzlicher Bestimmungen des jeweiligen Bundeslandes. Die eigene finanzielle Situation ist ebenfalls ausschlaggebend: Bin ich dazu in der Lage die Kosten für die Grundausstattung, Futter, Hundeschule/Hundetrainer oder anfallende Tierarztkosten zu tragen?

Adoptanten, ob Anfänger oder Profi, sollten die eigene Lebenssituation unter die Lupe nehmen: Habe ich die nötige Zeit und die erforderliche Kompetenz mich um das Tier zu kümmern, inkl. Erziehung, Training, Versorgung und Auslauf? Bin ich bereit mir Unterstützung zu holen, wenn ich in der Hundeerziehung an meine Grenzen stoße? Will ich mich für die nächsten 10 – 15 Jahre binden, meine Urlaube mit Tier (oder Tierbetreuung) planen oder an Silvester zuhause bleiben weil mein Hund z.B. Angst vor Feuerwerk hat. Es muss einem klar sein, dass ein Hund viel Freude bringt, aber auch eine lebenslange Pflicht ist. So wie jedes Familienmitglied verlangt auch ein Hund einem einiges ab. Und man muss „Hundesprache“ lernen. Denn, was im Umgang mit einem Menschen zielführend ist, bewirkt bei Hunden häufig genau das Gegenteil. Adoptanten müssen sich einstellen, umstellen und sehr viel Geduld und Disziplin mitbringen.

3. Auf was sollte man als Laie beim Tierkauf achten? Gibt es (offensichtliche) Anzeichen, die zeigen, dass das Tier gesundheitliche Probleme hat?

Offensichtliche Anzeichen erkennt jeder: Das Tier hustet, humpelt oder hat andere leicht erkennbare gesundheitliche Einschränkungen. Wer ein Tier aus dem Mittelmeerraum adoptiert, sollte unbedingt auf einen Test auf Mittelmeerkrankheiten bestehen, denn diese Erkrankungen erkennt man nicht auf den ersten Blick. Wir testen alle unsere Hunde vor der Vermittlung auf die gängigen Mittelmeerkrankheiten. Achten Sie auf Seriosität: Die erkennen Sie vor allem an der Kommunikation. Wie offen kommuniziert der Verein? Wie auskunftsfreudig sind die Verantwortlichen? Wie reagiert man auf Ihre Fragen? Gibt es einen Ansprechpartner – auch für die Zeit nach der Adoption? Liegen alle Genehmigungen seitens des Veterinäramtes vor? Bekomme ich die erforderlichen Papiere für den Hund? Ein EU-Ausweis mit gültigen Impfungen ist hier das Mindeste. Ähnliche Kriterien gelten auch für Züchter. Bei einem reinen Privatkauf sollten Sie einen Tierarzt miteinbeziehen. Überprüfen Sie den EU-Impftierausweis und – falls vorhanden – den Chip.

Bildquelle: © Vergiss mich nicht Tiernothilfe e.V. / vergissmichnicht-tiernothilfe.de

4. Woran erkenne ich einen seriösen Züchter?

Der Züchter sollte Mitglied in einem Zuchtverband sein. Seriöse Züchter arbeiten transparent. D.h. Sie können die „Zuchtanlage“ besuchen und finden diese sauber vor. Welpen und Elterntiere sind in gutem Zustand, gesund und ohne Angst. Man erhält offizielle Papiere zum Welpen und kann die Papiere der Elterntiere einsehen. Man wird vom Züchter intensiv beraten und auch selber unter die Lupe genommen. Käufer bekommen Welpen erst ab einem vertretbaren Alter ab 12 Wochen. Entsprechend bezahlen muss man das ganze natürlich auch. Für offizielle Zuchten etwa zwischen 800–1.500€, je nach Beliebtheit und Angebot der Rasse.

5. Ab welchem Alter kann ich problemlos Jungtiere von ihrer Mutter trennen? Was für Risiken birgt eine zu frühe Trennung?

Optimal sind 12 bis 16 Wochen. Eine zu frühe Trennung verursacht psychische Störungen und führt zu einem neurotischen Sozialverhalten im Umgang mit Menschen und anderen Tieren.

6. Ich möchte ein Tier „retten”. Was würden Sie mir empfehlen?

Fragen Sie sich zuerst, welches Tier Sie wie retten können und wollen. Es gibt ja unzählige Wege Tiere zu retten. Sie können spenden, adoptieren oder Pflegestelle werden. Nachdem Sie sich entschieden haben, suchen Sie am besten einen Verein, der seriös erscheint, kompetent berät und bei der Auswahl des richtigen Hundes hilft. Hier sollte auf alle Fälle die Einschätzung Ihrer Erfahrungen und Fähigkeiten Thema sein. Vor allem bei der Adoption eines Hundes aus dem Ausland, können Sie davon ausgehen, dass Sie mit Überraschungen zu rechnen haben, mit denen nicht jeder umgehen kann. Wer z.B. wenig Erfahrung mitbringt und kleine Kinder hat, sollte keinen Hund aufnehmen, über den kaum etwas bekannt ist. Wer bereits Erfahrung mit traumatisierten Hunden hat und vor einem hohen Trainingsaufwand nicht zurückschreckt, kann ein tolles Zuhause sein.

Bildquelle: © Vergiss mich nicht Tiernothilfe e.V. / vergissmichnicht-tiernothilfe.de

7. Sind Tiere aus dem Ausland, beispielsweise aus Spanien, denn überhaupt “sicher”?

Jeder Hund seinen eigenen Charakter mit den dazugehörigen physischen und psychischen Grenzen, die zu einem gewissen Punkt akzeptiert werden müssen. Nicht jeder Hund findet große Menschengruppen toll, nicht jeder Hund liebt kleine Kinder. Den meisten Hunden kann man allerdings beibringen, mit diesen Situationen umzugehen, auch wenn sie diese nie wirklich lieben werden. Üblicherweise können Vereine mit der Hilfe von guten spanischen Partnerorganisationen auch schon vieles über einen Hund sagen und auf vorhandene Traumata oder Ängste hinweisen. Eine Garantie gibt es nicht, die Dankbarkeit eines Tierschutzhundes ist jedoch mit nichts vergleichbar und unbezahlbar.

8. Welche Informationen zum Tier sollte eine seriöse Anzeige beinhalten?

Basisinformationen sollten unbedingt vorhanden sein. Dazu gehören Alter (ggfs. Schätzung), Gesundheits- und Impfstatus, Größe und die Verträglichkeit mit Kindern, Katzen und anderen Hunden. Darüber hinaus geben seriöse Vereine eine erste charakterliche Einschätzung ab und nennen alle bereits bekannten Schwierigkeiten, die auftreten oder auftreten könnten.

9. Was sollte ich bei der Tierhaltung beachten? Gibt es “No Gos”?

Was man unserer Meinung nach einem Hund auf keinen Fall antun sollte, sind Gewalt in jeder Form oder Zwingerhaltung. Wir achten darauf, dass die Hunde, die wir vermitteln, nicht einen Großteil des Tages alleine eingesperrt in einer Wohnung verbringen müssen. Hund und Halter müssen zusammen passen. Ein ängstlicher Hund und fünf kleine, laute, verspielte Kinder wären für uns z.B. ein „No-Go“.

10. Gibt es Kriterien die Interessenten erfüllen müssen, um ein Tier zu adoptieren?

Wir versuchen in unseren Vorgesprächen herauszufinden, ob der Adoptant wirklich dazu bereit ist, für das Tier emotional und finanziell bis ans Ende seiner Tage zu sorgen. Will er oder sie Zeit in Erziehung, Training und Eingewöhnung investieren ohne beim ersten Problem aufzugeben. Hat er Verständnis für Tiere, die teilweise jahrelang im Tierheim waren oder aus der Tötung kommen. Hat er Geduld für einen Hund, der scheu und ängstlich ist und Probleme während der Eingewöhnung hat. Optimalerweise sollten die Lebensumstände zu Hund und Halter passen.

11. Etwas, was Sie für sehr wichtig halten und uns gerne sagen möchten.

Tierschutz kennt keine Ländergrenzen. Jeder Hund wünscht sich ein warmes, weiches Plätzchen, ein freundliches „Gute Nacht“ und ein tätscheln auf dem Kopf zum Einschlafen. Daran arbeiten wir 😉

Bildquelle: © Vergiss mich nicht Tiernothilfe e.V. / vergissmichnicht-tiernothilfe.de

Wir danken Tamara Krantz und dem Verein für das tolle Interview und wünschen viel Erfolg für die weitere, so wichtige, Arbeit. Besucht den Verein auch auf Facebook.

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