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Kindergarten-Check: pädagogische Konzepte im Überblick

Ob Stubenhocker, Rabauke, Bücherwurm oder Abenteurer – jedes Kind ist einzigartig, hat individuelle Vorlieben und unterschiedliche Verhaltensweisen. Deshalb ist auch nicht jeder Kindergarten für jedes Kind gleich gut geeignet. Wir stellen Euch hier einige pädagogische Ausrichtungen mit ihren Schwerpunkten und Erziehungskonzepten vor und zeigen Euch, welche Kinder wo besonders gut aufgehoben sind und welche Argumente bei Eurem Kind eventuell auch gegen ein bestimmtes Modell sprechen. Mit dieser Entscheidungshilfe werdet Ihr sicher die ideale KiTa für Eure Kleinen finden.

Städtischer Kindergarten

Der städtische Kindergarten hat per se nicht immer dasselbe pädagogische Konzept. Hier werden je nach KiTa verschiedene Konzepte aufgegriffen: offene oder geschlossene Gruppe, ein situativer Ansatz, der sich nach den Interessen oder den Lebensbedingungen der Kinder richtet, oder eben als Gegensatz ein fester Wochenplan mit einem geregelten Tagesablauf. Fragt in dem Kindergarten in Eurer Nähe nach, welches pädagogische Modell dort praktiziert wird.

  • Pro: Ein städtischer Kindergarten ist besonders arbeitnehmerfreundlich: kurze oder gar keine Schließzeiten während der Ferien, lange Öffnungszeiten, oftmals relativ kostengünstig und zudem meist schnell erreichbar.
  • Kontra: Die Gruppen sind häufig mit bis zu 30 Kindern sehr groß. Als Eltern hat man wenig Mitspracherecht.

Kirchlicher Kindergarten

In den kirchlichen Kindergärten wird je nach KiTa entweder ein offenes Konzept (mit verschiedenen Werkstätten und Projekten) oder ein geschlossenes Konzept mit festen Gruppenräumen praktiziert. Kirchliche Inhalte, wie christliche Feste, Gebete, Kirchenlieder etc., werden in den Tagesablauf mit eingebunden. Oftmals gehören auch regelmäßige Kindergottesdienste zum Programm. In der Regel müssen die Eltern keine Mitglieder in der Kirche sein.

  • Pro: Christliche Elemente gehören zum Leben des Kindes automatisch dazu.
  • Kontra: Für Kinder überzeugter Atheisten ist diese Einrichtung meistens nicht ratsam, da die Kinder so in einen Glaubens- bzw. Interessenkonflikt geraten können.

Waldorf-Kindergarten

Das Waldorf-Konzept beruht auf einer anthroposophischen Lebenseinstellung und ist seit circa 100 Jahren auf der ganzen Welt verbreitet. Im Mittelpunkt stehen dabei die Nachahmung, die Kreativität und die Nähe zur Natur. Das Verhältnis zum Erzieher ist besonders intensiv, denn dieser dient als Vorbild der Kinder. Charakteristisch ist außerdem ein sehr fester Tages- und Wochenrhythmus.

  • Pro: Besonders fantasievolle Kinder können sich hier sehr gut entfalten. Auch Kinder, denen ein fester Tagesablauf zur Orientierung hilft, fühlen sich hier oftmals sehr wohl.
  • Kontra: Meistens sind Waldorf-Kindergärten eingetragene Vereine, in denen man Mitglied sein muss. Die Betreuungskosten sind häufig höher als in städtischen oder kirchlichen Kindergärten. Eltern sollten die anthroposophische Lebenseinstellung teilen.

Montessori-Kinderhaus

Im Montessori-Kinderhaus steht das Kind als freies und unabhängiges Wesen im Mittelpunkt. Die Kinder lernen getreu dem Motto „Hilf mir, es selbst zu tun“, selbstständig zu werden und sich frei zu entfalten. Die Erzieher sind in erster Linie nur Beobachter, die die Kinder mithilfe von geeigneten Spiel- und Arbeitsmaterialien in ihrer Selbstständigkeit fördern.

  • Pro: Kinder lernen hier, eigenständig zu handeln und zu denken. Besonders ängstliche Kinder mit wenig Selbstbewusstsein, aber auch hochbegabte Kinder sowie Kinder mit Beeinträchtigungen werden hier gefördert.
  • Kontra: Im Montessori-Kindergarten gibt es kaum Spielzeug, sondern vor allem „Arbeitsmaterialien“ – für einige Eltern und Kinder vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig. Da es im Kinderhaus keinerlei Leistungsdruck und keine Zwänge gibt, kann die spätere Umstellung auf eine staatliche Grundschule schwer fallen.

Reggio-Kindergarten

Erziehung wird beim Reggio-Ansatz als Gemeinschaftsaufgabe angesehen. Die wissbegierigen Kinder wollen etwas erforschen oder bauen und werden dabei von Erziehern, Eltern aber auch Experten (wie Handwerker, Bäcker etc.) unterstützt und begleitet. Statt fester Gruppenräume gibt es verschiedene „Werkstätten“, in denen Projekte wie Basteln, Bewegung, Spiele oder Lernaufgaben angeboten werden, für die sich das Kind dann frei entschieden kann. Es gibt nur wenige Zwänge, denn es wird viel Wert auf demokratische Entscheidungen gelegt. Viele Elemente der Reggio-Pädagogik finden sich heute auch in städtischen Kindergärten.

  • Pro: Besonders Kinder, die wissbegierig sind und gerne forschen und werkeln, fühlen sich hier wohl und werden gefördert. Durch die vielseitigen Angebote kommt keine Langweile auf.
  • Kontra: Ängstliche Kinder sind von dem offenen Konzept anfangs manchmal überfordert. Es wird in der Regel viel Elternmitarbeit gewünscht.

Freinet-Kindergarten

Im Freinet-Kindergarten wird die Selbstbestimmung des Kindes groß geschrieben. Während einer morgendlichen „Konferenz“ wird gemeinsam der weitere Tagesablauf bestimmt. In verschiedenen Werkstätten, bei Experimenten, Projekten, Ausflügen und kreativen Angeboten wird das selbstständige Lernen gefördert und gefordert und Interessen werden geweckt und ausgebaut. Dabei wird den Kleinen schon sehr viel zugetraut.

  • Pro: Die Kinder lernen, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen, was das Selbstvertrauen enorm stärkt. Kreativität und Wissbegierde werden gefördert.
  • Kontra: Ängstliche Kinder können von dem selbstständigen Handeln, das von ihnen gewünscht wird, überfordert sein. Häufig geht es sehr laut und lebendig in diesen Kindergärten zu, was ruhigere Kinder anstrengen kann.

Waldkindergarten

Jeden Tag in der Natur sein – für viele Kinder ein Traum. In diesem Kindergarten unter freiem Himmel wird im Wald gespielt, geforscht und getobt – und zwar mit allem, was die Natur zu bieten hat. Nur bei extremen Wetterverhältnissen (und manchmal zu den Mahlzeiten) kann man sich in eine Hütte, ein Zelt oder einen Bauwagen zurückziehen, ansonsten ist man bei Wind und Wetter draußen.

  • Pro: Die Kinder sind sehr viel an der frischen Luft und lernen die Natur kennen und respektieren.
  • Kontra: Die Umstellung auf die Grundschule fällt einigen Kindern schwer. Viele Waldkindergärten basieren auf einer Elterninitiative und fordern viel Mitarbeit der Eltern.

Integrative Kindergärten

In integrativen Kindergärten oder Kindergartengruppen spielen, reden und toben alle Kinder gemeinsam miteinander – Kinder mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen und solche ohne Beeinträchtigungen. Ziel ist es, dass die Kinder mit- und voneinander lernen.

  • Pro: In diesen Kindergärten wird Toleranz groß geschrieben und das soziale Verhalten aller Kinder enorm gefördert. Besonders positiv ist auch der sehr gute Betreuungsschlüssel von 1 Betreuer auf 5 Kinder.
  • Kontra: Die KiTa-Plätze sind aufgrund ihrer Knappheit stark begehrt. Außerdem sind die Betreuungskosten häufig etwas höher als in anderen Kindergärten.

Welche Faktoren spielen bei der Kindergarten-Wahl noch eine Rolle?

Konzept hin oder her – neben dem pädagogischen Schwerpunkt in einem Kindergarten ist es am allerwichtigsten, dass sich Eure Kinder dort wohlfühlen. Und das hängt in großem Maße auch von den Erzieherinnen und Erziehern sowie den Räumlichkeiten ab. Sind Euch die Betreuer sympathisch? Sind die Zimmer einladend gestaltet? Gehört zu der Einrichtung ein attraktives Außengelände? Gibt es gleichaltrige, vielleicht sogar befreundete Kinder in der Gruppe? All diese Faktoren spielen bei der Entscheidung ebenso eine Rolle wie die Betreuungszeiten, die KiTa-Gebühren und die Entfernung zum Kindergarten. Hört auf Euer Bauchgefühl und wählt dann den Kindergarten aus, der Euch am meisten zusagt und am besten zu Eurem Erziehungsstil passt.

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