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Der Korkboden – das verkannte Multitalent

Der klassische Teppichboden ist nicht jedermanns Sache und eignet sich auch nicht für jeden Raum gleichermaßen. Mindestens in Flur, Küche oder Esszimmer muss man damit gut aufpassen, möchte man (bleibende!) Flecken vermeiden. Ob Rotwein, das heruntergefallene Marmeladenbrot, oder aber – im Wohnungsflur – die dreckigen Winterschuhe: Um sich hier Stress und Umstände zu ersparen, setzt man lieber auf eine Teppich-Alternative, einen sogenannten nicht-textilen Bodenbelag, wie zum Beispiel Kork!

Die meisten der Varianten kennt Ihr natürlich: das elegante Echtholzparkett, den praktischen Laminatboden, oder auch das aktuell extrem beliebte Vinyl. Und natürlich Steinfliesen. In Gewerbebereichen oder öffentlichen Gebäuden gibt es noch den strapazierfähigen Linoleumboden, den man sich natürlich auch zuhause verlegen kann. Doch neben den genannten Bodenbelägen gibt es noch eine Bodensorte, die hinter diesen zu Unrecht ein Schattendasein führt: den Korkboden! Alles, was Ihr sonst noch so über die verschiedenen Bodenbeläge wissen müsst, findet Ihr in unserem Ratgeber: Der Guide für Bodenbeläge.

Echtes Hightech aus der Natur – Kork!

Kork wird aus der Rinde der Korkeiche gewonnen. Diese kann etwa alle neun Jahre geschält werden – die Korkeiche selber muss dabei nicht der Säge zum Opfer fallen! Somit handelt es sich bei Kork um einen ökologisch wertvollen, nachwachsenden Rohstoff. Die Korkeiche wird bis zu 300 Jahre alt, und absorbiert in ihrem Leben große Mengen an schädlichem Kohlendioxid! Das Faszinierende bei Kork: Es ist durchsetzt mit Millionen winzigster Luftbläschen, was diesem erstaunliche Fähigkeiten verleiht. Zuerst einmal wird Kork durch diese Bläschen sehr elastisch und weich, ist aber trotzdem vergleichsweise dauerhaft. Deshalb wird Kork auch als Verschluss von Weinflaschen genutzt, oder auch bei den Sohlen von Birkenstocksandalen. (Übrigens werden die Reste bei der Produktion von Weinkorken zweitverwertet u.a. für Korkparkett). Ein weiterer Effekt dieses Aufbaus: Kork wird dadurch zu einem natürlichen Dämmstoff, sprich: es lässt nicht so einfach Wärme entweichen. Auch Schall wird gedämmt! Damit haben wir nun mindestens drei geniale Eigenschaften für einen Bodenbelag: erstens weich, zweitens warm, und drittens: echte Natur und ökologisch wertvoll (zu 100 % recyclebar!).

Korkeiche
Die Hauptanbaugebiete von Kork liegen im Süden von Portugal und Spanien. Bildquelle: © Simon | pixabay.com

Barfuß- und kinderfreundlich

Bekanntermaßen ist barfußlaufen gesund für den Rücken und den gesamten Bewegungsapparat. Für Menschen mit Gelenkproblemen wird es sogar empfohlen. Aber: auf einem kalten Boden, etwa kühlen Fliesen, macht das einfach keinen Spaß! Deshalb ist Kork der perfekte Bodenbelag für alle Wohnbereiche, in denen man gerne barfuß unterwegs ist. Das kann das Schlafzimmer sein, aber auch das Badezimmer! Warmes Kork statt kalter Fliesen nach dem Duschen im Winter: Kling verlockend, oder? (Hier gilt es allerdings, auf die richtige Korkvariante zu achten. Kork selber ist zwar unempfindlich gegen Feuchtigkeit, doch wenn es z.B. auf einer wasserempfindlichen HDF-Trägerplatte aufgebracht ist, muss man besonders auf die entsprechende Versiegelung achten. Kork für das Badezimmer geeignet? Hier streiten die Experten – deshalb gut beraten lassen!)
Auch das Kinderzimmer eignet sich ganz klassisch für den Korkboden. Kinder sitzen und spielen nun mal gerne auf dem Boden, und so ist Kork eine hervorragende Variante, auch, weil es eine hohe Wohngesundheit vorweisen kann. Und wer beim Toben hinfällt, landet vergleichsweise weich.
Im Vergleich dazu ist etwa Laminat nicht der geborene Kinderzimmerboden. Laminat ist besonders kalt, da es Wärme leitet statt sie zu dämmen – und hart ist Laminat auch. Dies wirkt sich übrigens auch auf den Schall aus, was die Tobereien im Kinderzimmer lauter macht als bei anderen Bodenbelägen. Vinyl ist weicher und wärmer, auch Parkett ist wärmer – doch Kork übertrifft alle in dieser Hinsicht.

Wie robust ist ein Korkboden?

Wer an das Kork seiner Pinnwand denkt, und wie leicht sich dort Löcher „hineinknibbeln“ lassen, stellt sich sicherlich die Frage, wie robust ein Korkboden ist – etwa, um ihn in Küche oder stärker frequentierten Wohnbereichen einzusetzen, oder auch im Kinderzimmer. Tatsächlich erweist sich Kork als äußerst robust, wobei es durchaus auch Unterschiede gibt je nach Hersteller. Wir empfehlen bewährte Markenqualität, ausgezeichnet mit dem Kork-Logo des deutschen Kork-Verbandes!. Preisunterschiede bei den verschiedenen Korkböden haben oft durchaus ihre Berechtigung – es ist nicht nur so, dass man für die „Marke“ mehr bezahlt (die sieht man dem Boden ja eh nicht an). Qualitätskriterium ist etwa die Dicke der Korkschicht, welche natürlich Weichheit und Elastizität bestimmt. Je nach Ausführung gibt es noch spezialbeschichtete Korkböden, die sich durch extreme Robustheit auszeichnen.

Pinwand Kork
Ein Korkboden hat mit einer Pinwand aus Kork in puncto Widerstandfähigkeit nichts zu tun. Bildquelle: © Arcaion | pixabay.com

Überzeugende Eigenschaften, aber … was ist mit der Optik?

Zweifelsohne hat Kork vor allem wegen seiner Optik nicht den besten Ruf. In früheren Zeiten gab es Kork vor allem in seiner Naturfarbe, einem Goldbraun (positiv betrachtet) oder „Pinnwand-Braun“ (weniger wohlwollend formuliert). Aus diesem Grund haben die Hersteller von Korkböden reagiert und bieten verschiedene Dekorvarianten, die nahezu jeden Geschmack treffen können. Von elegantem Cremeweiß bis zu herb-markanten Mokka- und Nugattönen reicht die Spanne. Die Dekore bieten faszinierende Naturstrukturen, mal mehr, mal weniger lebhaft und auffallend.
Und dennoch sagen viele: „OK, Kork, tolle Eigenschaften, aber ich hätte doch gerne einen anderen Look“. Auch hierfür gibt es mittlerweile interessante Varianten! So wird auf eine Kork-Mittellage noch ein hochwertiges Dekor aufgebracht, welches zum Beispiel authentische Holzdekore wiedergeben kann oder aber auch einen exklusiven dunklen Schieferboden „noire“.

Exklusiv anders

Um ehrlich zu sein … nichts gegen einen Korkboden mit Holzdekor, aber muss sich ein Korkboden wirklich kaschieren? Nicht nur, dass es einfach tolle Dekore gibt, angenehm fürs Auge, ohne langweilig zu sein – als Individualist hat man auch die Möglichkeit, etwas „anderes“ zu verlegen als etwa den klassischen Parkettboden. Ein toller Korkboden ist immer noch ein Hingucker, und muss sich bei der Wertigkeit auch nicht wirklich vor einem Parkettboden verstecken. Beide werden aus edlen Rohmaterialien gewonnen und punkten durch Natürlichkeit und Authentizität. Vielleicht schaut Ihr Euch mal einen Korkboden an, in der Ausstellung eines Fachhändlers oder auch beim gutsortieren Holzfachhandel. Im Zweifelsfall gibt es Mustertafeln mit verschiedenen Korkdekoren, welche man bei sich zuhause testen kann.

Kork: Ausführungen und Eignung mit Fußbodenheizung

Kork gibt es in verschiedenen Varianten. Die gängigsten sind Korkfertigparkett und Korkfliesen zum Verkleben. Korkfliesen besitzen eine elastische Korkschicht bzw. ein Korkfurnier, welches naturbelassen, geölt oder lackiert bzw. vorversiegelt ist. Sie werden vollflächig verklebt auf einem ebenen Untergrund.
Besonders einfach ist die Verlegung von Korkfertigparkett. Hier ist die Korkoberfläche z.B. auf eine HDF-Trägerplatte aufgebracht. Die einzelnen Korkdielen lassen sich so einfach wie Laminat ineinanderklicken und auch ohne Verklebung „schwimmend“ verlegen. Praktisch: Korkböden mit integrierter Trittschalldämmung, welche diesen noch leiser machen!
Was die Eignung mit einer Fußbodenheizung betrifft: Die Schlaufüchse unter Euch haben vielleicht gedacht: Moment, wenn Kork ein Dämmmaterial ist, ist es dann eine gute Idee, diesen über eine Fußbodenheizung zu verlegen? Lässt er denn dann überhaupt ausreichend die Wärme durch? Tatsächlich wäre dies gut beobachtet, und beim Korkbodenkauf gilt es in diesem Fall, auf das entsprechende Siegel zu achten, welches ihm die Eignung mit einer Fußbodenheizung bescheinigt. Wenn der Wärmedurchlasswiderstand bzw. U-Wert niedrig genug ist (z.B. 0,1 W/m²K), ist ein Korkboden mit FBH ein echtes Dream Team! (Genau genommen mit einer Warmwasser-Fußbodenheizung, eine elektrische Fußbodenheizung ist wegen der schnellen und höheren Wärmeentwicklung nicht empfehlenswert!).
Konnten wir Euch diesen Bodenbelag ein wenig schmackhaft machen? Gebt ihm doch einmal eine Chance, wenn Ihr das nächste Mal nachdenkt über einen neuen Boden! Falls wir Euch noch nicht ganz überzeugen konnten, haben wir auch die populären Varianten Laminat, Vinyl und Designböden für Euch genauer unter die Lupe genommen.

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