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Lernspielzeug: Abzocke oder pädagogisch sinnvoll?

Viele Spielzeughersteller werben mit sogenanntem Lernspielzeug – Spielzeug, das die Fähigkeiten der Kinder fördert, ihnen Wissen vermittelt und ihre Entwicklung vorantreibt. Doch wie effektiv sind diese Spielsachen wirklich? Für welches Alter sind sie sinnvoll und worauf sollte man achten?

Spielen ist Lernen

Kinder lieben Spielzeug. Und Spielen ist wichtig für Kinder, denn neben dem Spaßfaktor bedeutet Spielen immer auch Lernen. Sei es, ob man Sozialverhalten beim Barbiespielen lernt, Fingerfertigkeit beim Türmchenbau oder strategisches Denken bei „Mensch ärgere dich nicht“. Neben dem „gewöhnlichen“ Spielzeug gibt es sogenanntes Lern- und Motorikspielzeug, das den Anspruch hat, die motorischen und die kognitiven Fähigkeiten der Kinder auf spielerische Art zu fördern und zu schulen. Die Nachfrage nach diesen Spielsachen mit Lerneffekt ist in den letzten Jahren besonders angestiegen, denn immer mehr Eltern möchten ihre Kinder möglichst früh fördern und so bestmöglich auf das Leben vorbereiten. Die Spielzeughersteller gehen auf diese Entwicklung ein und so ist die Auswahl an pädagogisch sinnvollen Spielsachen sehr groß und reicht vom Spieltrapez für Babys über Lauflernwagen für Kleinkinder bis hin zu Lerncomputern und audiodigitalen Büchern für Schulkinder.

Wann ist ein Spielzeug „pädagogisch wertvoll“?

Nicht jedes Spielzeug, das blinkt, bunt ist und Geräusche macht, ist automatisch ein Lernspielzeug. Ganz im Gegenteil: Spielsachen, die quasi alleine funktionieren und deshalb im Grunde gar nicht bespielt werden müssen, fördern auch nicht die Entwicklung des Kindes. Die Definition von Lernspielzeug sagt aus, dass es Kinder zum Lernen animieren, ihnen Wissen vermitteln und ihre Fertigkeiten und Fähigkeiten fördern und fordern soll. So kann Lernspielzeug zum Beispiel

  • den Forscherdrang wecken,
  • die Feinmotorik schulen,
  • den Bewegungsdrang stärken,
  • das logische und das räumliche Denken fördern,
  • die Lust am Lesen vermehren,
  • das Interesse an Kunst und Musik steigern,
  • die Phantasie beflügeln und
  • die Sprachentwicklung beschleunigen.

Wichtig ist, dass das Lernen auf spielerische Weise geschieht und die Kinder Freude an den Spielsachen haben. Dabei sollte man immer die Fähigkeiten und Interessen des Kindes und vor allem auch das Alter und den Entwicklungsstand berücksichtigen. Die Kids haben nämlich vor allem dann lange Spaß an einem Lernspielzeug, wenn es sie weder über- noch unterfordert.

Baby
Schon für die ganz Kleinen ist Lernspielzeug erhältlich. Bildquelle: © PublicDomainPictures | pixabay.com

Welches Lernspielzeug eignet sich für Babys?

Soll man Babys schon fördern oder überfordert man die Kleinen damit? Das hängt ganz davon ab, für welche Art der Förderung man sich entscheidet. Wer seinen Säugling jeden Tag zu einem Kurs für Frühförderung bringt, übertreibt es vermutlich ein wenig und stresst nicht nur sich selber, sondern auch das Baby. Der bewusste Einsatz von Lernspielzeug hingegen ist absolut ratsam, denn kleine Kinder sind besonders neugierig auf sich und ihre Umwelt und lernen Tag für Tag neue Dinge kennen. Sie möchten die Welt um sich herum mit allen Sinnen erforschen, alles befühlen, bestaunen und Neues erlernen. Mit altersgerechtem Motorikspielzeug kann man sie dazu animieren, aktiv zu werden. Ob mit einem Greifring, einer Rassel oder einem Spieltrapez – bereits Säuglinge können dazu motiviert werden, ihre Hände zu bewegen, zu greifen und ihren Blick auf bestimmte Dinge zu fokussieren. Je älter die Babys werden, desto stärker wird ihr Bewegungsdrang. Alle Spielsachen, die sie dazu animieren, zu robben, zu krabbeln, zu sitzen oder zu laufen, sind jetzt genau richtig für ihre Entwicklung. Geeignet sind zum Beispiel Bälle, Spielmatten und Fahrzeuge, wie Bobby Cars etc., aber auch Lauflernhilfen, wie Lauflernwagen oder Lauftiere, die an einer Stange oder einer Schnur geschoben bzw. gezogen werden. Besonders beliebt sind in diesem Alter Spieltische, Motorikwürfel und Musiktische mit unterschiedlichen Spiel- und Soundfunktionen, die den Kindern Lust am Entdecken machen und die Feinmotorik sowie das Hören schulen. Da Babys dazu neigen, alles in ihren Mund zu stecken, dürfen die Spielsachen nicht zu klein sein und sie dürfen keine scharfen Kanten haben. Ratsam ist es außerdem, aus hygienischen Gründen darauf zu achten, dass die Spielsachen regelmäßig gereinigt werden können.

Lego bauen
Bauklötze sind bei Kleinkindern besonders beliebt. Bildquelle: © FeeLoona | pixabay.com

Welches Motorik- und Lernspielzeug ist für Kleinkinder empfehlenswert?

Im Kleinkindalter werden Kinder nicht nur zu Abenteurern und Forschern, sondern auch zu begeisterten Baumeistern. Spitzenreiter bei den beliebtesten Lernspielsachen für Kleinkinder sind deshalb seit Jahrzehnten Bauklötze – ob aus Holz oder aus Plastik, zum Beispiel von Lego® Duplo. Beim Türmchenbau wird die Feinmotorik der Kleinen gefördert und auch die Phantasie beflügelt – schließlich müssen die Kinder sich überlegen, ob sie lieber einen Turm, eine Mauer oder eine ganze Stadt erbauen wollen. Auch Puzzles sind in diesem Alter hoch im Kurs und fördern das logische Denken, die Konzentrationsfähigkeit und die Augen-Hand-Koordination. Die ersten Gesellschaftsspiele wie Memory, Domino oder die Spieleklassiker „Obstgarten“ und „Tempo, kleine Schnecke“ können nun gespielt werden und nicht nur Sozialkompetenzen fördern, sondern auch Wissen, wie Farben und Zahlen, vermitteln, Konzentration und Ausdauer schulen – und natürlich jede Menge Spaß bringen. Ebenso beliebt und lehrreich wie Gesellschaftsspiele sind im Kleinkindalter Kugel- und Murmelbahnen sowie Steckspiele.

Wie fördere ich Vorschul- und Schulkinder auf spielerische Art und Weise?

Kinder im Vorschulalter sind wissbegierig und freuen sich meist schon auf die baldige Einschulung. Sind sie dann erst einmal in der Schule, lernen sie in der Regel schnell und voller Eifer. Deshalb ist dieses Alter ideal, um ihnen mit Lernspielzeug das Wissen spielend einfach zu vermitteln. Die meisten Kinder in diesem Alter sind schon sehr geschickt und fingerfertig, aber auch ausdauernd. Logisches Denken, die räumliche Vorstellungskraft und das Interesse an Mathematik, Sprache und Musik sind häufig sehr ausgeprägt. Vor allem wollen Kinder in diesem Alter vieles selbstständig erledigen. Bei kreativen Kindern sind deshalb Geschicklichkeitsaufgaben wie Fädelspiele, Bügelperlen und Stickrahmen sehr beliebt, während sportliche Kinder ihre Motorik mit Inlineskates, Diabolos und Pedalos etc. verfeinern. Auch das Interesse an Medien steigt im Schulalter. Lerncomputer und audiodigitale Bücher, Spiele und Puzzles, zum Beispiel von Ravensburger Tiptoi®, sind deshalb eine gute Möglichkeit, die Freude am Lernen, Lesen, Rechnen und an der Schule zu wecken.

Worauf sollte ich beim Kauf von Lernspielzeug achten?

Zum einen sollte das Motto immer „Qualität statt Quantität“ lauten. Zu viele Spielsachen im Kinderzimmer sorgen schnell für Reizüberflutung und Überforderung. Zudem fällt es den Kindern bei einer zu großen Auswahl schwer, sich für eine Sache zu entscheiden und sich dann auch darauf zu konzentrieren. Zum anderen sollte immer Lernspielzeug ausgewählt werden, was die Kinder weder über- noch unterfordert. So sind Kleinkinder beispielsweise von Babyspielzeug schnell gelangweilt, weil es sie unterfordert, hingegen aber von Gesellschaftspielen, die eigentlich für Grundschüler konzipiert wurden, frustriert und überfordert, weil sie die Regeln noch nicht vollständig verstehen. Deshalb ist es wichtig, den Kindern Lernspielzeug zur Verfügung zu stellen, das ihrem Entwicklungsstand entspricht. Dabei ist auch darauf zu achten, dass die Spielsachen altersgerecht und handlich sind. Ob die Spielsachen aus Holz oder aus Kunststoff sind, ist dabei in erster Linie Geschmackssache. Für beide Materialien gibt es ein großes Angebot an qualitativ hochwertigem Spielzeug. Während einige Hersteller wie zum Beispiel HABA, Eichhorn, Goki, Hess und Grimms vor allem Holzspielzeug in ihrem Sortiment haben, spezialisieren sich Marken wie Mattel Fisherprice, Simba Toys, Lego und Vtech auf Kinderspielzeug aus Kunststoff. Entscheidend ist es, Wert auf eine gute Qualität und eine saubere Verarbeitung zu legen, damit die Kinder lange etwas von den Spielsachen haben und sich nicht daran verletzen.

Gemeinsam mit den Kindern spielen

Bei Lernspielzeug handelt es sich – abgesehen von Gesellschaftsspielen – häufig um Spielsachen, die alleine bespielt werden können. Ein gutes Lernspielzeug schafft es, für lange Zeit spannend zu bleiben und die Kinder immer wieder zum Spielen zu motivieren. Trotzdem sollten Eltern sich die Zeit nehmen, die Kinder beim Spielen (und Lernen) zu unterstützen, ihnen das Spielzeug zu erklären und ihnen gegebenenfalls Hilfestellung zu geben. Denn auch wenn Lernspielzeug die Entwicklung des Kindes fördert, so kann es doch nicht die intensive Beschäftigung der Eltern mit ihrem Nachwuchs ersetzen. Diese ist und bleibt für die gesunde Entwicklung eines Kindes am allerwichtigsten.


In unserem Ratgeber findet Ihr Informationen dazu, welches Kinderspielzeug für welche Entwicklungsstufe geeignet ist. Außerdem stellen wir Euch in unserem Spielzeug-Guide die Vor- und Nachteile von Holz- und Plastikspielzeug vor.

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