Kalaydoskop

Motorboot – das müsst Ihr wissen

Sommer, Sonne, Wind und Wasser – ein Boot zu steuern zählt für viele als Inbegriff von Freiheit. Immer mehr Deutsche erfüllen sich den Traum vom eigenen Boot, wobei die Nachfrage nach Motorbooten besonders groß ist. Doch müsst Ihr Euch nicht gleich ein eigenes Boot leisten können: Bootssport ist für jedermann. Was es für Möglichkeiten gibt und was Ihr beachten müsst, verraten wir Euch hier.

Welche Motorboot-Typen gibt es?

Motorboot ist der Sammelbegriff für alle motorisierten Wasserfahrzeuge. Die Vielzahl an verschiedensten Motorbooten wird vor allem nach Rumpftyp, Bauverfahren und Antriebssystem unterschieden. Da es viele Motorbootvarianten gibt, stellen wir Euch hier nur die wichtigsten vor:

  • Schlauchboot: Am kostengünstigsten Motorboot fahren kann man wohl mit einem Schlauchboot mit Außenborder. Dies liegt nicht nur an den geringeren Anschaffungskosten – da es über einen aufblasbaren Rumpf verfügt, benötigt es im leeren Zustand wenig Platz. Das macht eine Lagerung zu Hause möglich, eine teure Winterlagerung oder ein Winterliegeplatz im Hafen sind nicht notwendig. Oft findet man Schlauchboote auch als Beiboot auf größeren Yachten.
  • RIB (Rigid Inflatable Boat): Beim RIB handelt es sich um ein Festrumpfschlauchboot, es ist ein Mix zwischen Schlauchboot und Sportboot. Da es sich bei Rettungseinsätzen bewährt hat, ist es beispielsweise bei vielen internationalen Organisationen in den Rettungsflotten integriert.
  • Bowrider-Boot: Der Bowrider verfügt über einen begehbaren Bug und berücksichtigt die Bedürfnisse von Familien-Bootsfahrern, indem der Platz auf den Innenseiten maximiert und damit ein größeres Sitzplatzangebot erreicht wird.
  • Kajütkreuzer: besitzt einen Aufbau, der als Kajüte genutzt wird. Kajüte steht für den Koch-, Wohn- und Schlafraum. Abhängig davon, wo auf dem Boot sich die Kajüte befindet, lässt sich in Mittel- und Vorder-Kajütboot unterscheiden. Kajütboote sind kleiner und weniger luxuriös als Motoryachten.
  • Motoryacht: Boote der Kategorie Motoryachten verfügen über ein Deck und Kajüten. Abhängig von Modell und Größe kann die Innenausstattung der einer Luxuswohnung gleichen, die Bezeichnung Yacht gilt ab einer Bootslänge von 10 Metern.
  • Innenausstattung Yacht
    Komfort und Eleganz sind ausschlaggebend bei der Innenausrichtung von Yachten. Bildquelle: © Thomas_Ashlock | unsplash.com

  • Hausboot: ein motorisiertes Wasserfahrzeug, das größtenteils zum Wohnen, aber auch als Fortbewegungsmittel gedacht ist. Mehr zu den schwimmenden Quartieren erfahrt Ihr in unseren Tipps zum Wohnen auf Hausbooten .
  • Daycruiser: Ein Daycruiser ist, wie der Name schon ahnen lässt, ein für Tagesausflüge ausgelegtes, schnelles Motorboot. Typisch sind ein offenes Cockpit und eine kleine Bugkabine, in der je nach Größe Kochmöglichkeiten und Toilette vorhanden sind.
  • Motorsegler: Es handelt sich um größere Yachten, bei denen auf langen Fahrten Segel parallel zum Motor eingesetzt werden können. Dies dient erhöhter Stabilität und geringerem Spritverbrauch.

Welche Motorboote darf man wo ohne Führerschein fahren?

Generell gilt Führerscheinfreiheit im See- und Binnenbereich für Motorboote bis 15 PS, insofern der Fahrer mindestens 16 Jahre alt und geistig und körperlich fit ist. Das bedeutet, dass grundsätzlich jedes Boot infrage kommt – solange es sich mit 15 PS noch navigieren lässt. Die Faustregel hierzu lautet: „Die Grenze liegt bei einer Tonne je fünf PS Motorleistung“. Also sind leichtere Boote, die mit einem 15-PS-Aggregat ausgestattet werden können, geeignet. Darunter fallen viele Schlauchboote, aber auch Boote mit hartem GFK-Kunststoffrumpf.

Jedoch gilt die Führerscheinfreiheit nicht überall, es gibt einige Ausnahmen:

  • Die 15-PS-Grenze gilt nicht (bzw. mit Einschränkungen) auf dem Rhein, dem Bodensee, Landesgewässern oder auf Teilen der Spree-Oder-Wasserstraße
  • Auf dem Rhein dürfen nur Motorboote bis 5 PS, auf dem Bodensee Motorboote bis 6 PS führerscheinfrei geführt werden
  • Auf bestimmten Binnengewässern (Teile der Müritz und der Saar) könnt Ihr Motorboote über die Führerscheinfreigrenze von 15 PS hinaus mithilfe einer Charterbescheinigung führen. Mehr zum Charterschein lest Ihr in unserem Ratgeber zu Bootsferien führerscheinfrei.
  • Motorboote bis 5 PS dürfen im Seebereich auch von Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren geführt werden
Schlauchboot
Viele Schlauchboote sind geeignet für das führerscheinlose Fahren. Bildquelle: © 2204574 | pixabay.com

Dennoch empfehlen wir Euch als Einsteiger in den Wassersport, die zunächst erste Erfahrungen machen wollen, freiwillig einen praxisorientierten Einsteigerkurs zu belegen. Wollt Ihr Motorboote von mehr als 15 PS führen beziehungsweise Motoryachten mieten, die nicht unter die Charterscheinregelung fallen, könnt Ihr Euer Wissen mithilfe eines Sportbootführerscheins erweitern.

Welches Motorboot eignet sich für Einsteiger?

Der Einstieg in den Bootssport ist nicht schwer. Im Vergleich zum Segeln ist das Führen eines Motorboots schneller und einfacher zu erlernen. Die Grundmanöver gelingen mit ein wenig Übung schon nach wenigen Versuchen, habt Ihr Euch vorher gut informiert, tut das den Rest. Aufgrund des Wasserwiderstands reagiert ein Boot im Gegensatz zum Auto erst mit einigen Sekunden Verzögerung beim Lenken und auch mit dem Seegang müsst Ihr erst Erfahrung sammeln. Welche Motorboote sind besonders geeignet für den Einstieg?

  • Schlauchboot: Mit den führerscheinfreien 15 PS könnt Ihr bis zu 40 km/h schnell fahren. Zudem sind Schlauchboote sehr robust, wodurch Anfängerfehler wie Rempler beim Anlegen nicht schlimm sind.
  • Bowrider: Benötigt man mehr Platz an Bord, sind auch Bowrider mit Sitzplätzen im offenen Bug gut geeignet, da es sich um leicht zu bedienende, sichere Boote handelt. Beim Best of Boats Award 2017 befanden sich in der Kategorie „Best for Beginners” auf den ersten vier Plätzen Bowrider: Die AMT 175 BR, Faster 625 CC, Finnmaster Husky R5 und die Sea Ray SPX 230.

Welche Zusatzkosten sind zu beachten?

Wollt Ihr schließlich ein Motorboot kaufen, ist es mit den reinen Anschaffungskosten nicht getan. Ihr könnt ein Motorboot gebraucht kaufen, was die Anschaffungskosten mindert, Ihr solltet jedoch nicht vergessen, vorher auch die Unterhaltskosten zu kalkulieren.
Zu den Unterhaltskostenpunkten gehören folgende Kriterien:

  • Versicherung
  • Kraftstoff, Öl, Betriebsstoffe, Rettungsmittel
  • Liegeplatzgebühren
  • Reparatur- und Wartungsarbeiten

Dabei sind noch nicht mit eingerechnet: Abschreibung, evtl. Kurtaxe, Visum,..
Wie hoch die Unterhaltskosten tatsächlich sind, kann stark variieren je nach Ort des Liegeplatzes, Versicherungsform etc. Grob lassen sich die Ausgaben jedoch mit der Zehn-Prozent-Faustregel berechnen: Die jährlichen Unterhaltskosten betragen ungefähr zehn Prozent der Anschaffungskosten. Mit Anschaffungskosten ist dabei der Neupreis des Bootes gemeint, auch wenn Ihr ein Motorboot gebraucht kauft, müsst Ihr mit zehn Prozent des Neupreises rechnen.

Wo kann man in NRW Motorboot fahren?

  • Rhein: Den Charme des Rheins von Bord aus erleben und den Blick auf vorbeiziehende Burgen und Schlösser genießen – der Rhein ist einer der stärkst befahrenen Wasserstraßen der Welt. Jedoch ist Motorbootfahren auf dem Rhein nicht billig, die Kosten für einen Liegeplatz sind hoch, vorausgesetzt man findet überhaupt einen. Es bietet sich daher an, ein Boot zu chartern.
  • Ruhr: Das grüne Ruhrtal hat landschaftlich viel zu bieten – ausgehend von der Mündung in den Rhein bis zum Ruhr-Kilometer 41,6 (Zornige Ameise, Essen-Rellinghausen) darf die Ruhr mit Motorbooten befahren werden.
  • strong>Möhnesee(nur mit Elektromotor): Besitzt Ihr ein Boot mit Elektromotor, könnt Ihr die Idylle einer der größten Stauseen Deutschlands am Rande des Sauerlands vom Wasser aus genießen. Auch für Angler ist der See geeignet.

Ebenfalls bietet sich ein Ausflug ins benachbarte Holland an, um dort die Maas-Seen zu erkunden. Im Maas-Seengebiet, einem großen zusammenhängenden Netzwerk aus großen und kleinen Seen nicht weit von Aachen, kommt man auf schönen Fahrrouten von einem See zum anderen.

Mehr Informationen zu verschiedensten Themen um Boote findet Ihr auch in unseren Boot-Ratgeber.

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