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Porzellan – alles rund ums „weiße Gold“

Ob Erbstücke, Antiquitäten oder aktuelle Exemplare im modernen Design – Porzellan gibt es in den unterschiedlichsten Farben und Formen. Wir erklären Euch, was das Besondere an diesem edlen Material ist, welche Stücke die Bezeichnung „weißes Gold“ wirklich verdienen und worauf Ihr beim Umgang mit Porzellan unbedingt achten solltet.

Ursprung und Produktion: Was ist Porzellan?

Seinen Namen verdankt das Porzellan der italienischen Bezeichnung für die tropische Meeressschneckenart Kaurischnecke – Porcellana –, deren kalkhaltiges, glänzendes Gehäuse an das edle Material erinnert. Dabei hat Porzellan keineswegs einen europäischen Ursprung, sondern wurde vielmehr in China entwickelt. Bereits 600 nach Christi wurde das erste chinesische Porzellan hergestellt, das in der Zusammensetzung die Basis für das heutige Porzellan bildet. Die wichtigsten Bestandteile sind Kaolin (eine weiße, sehr feine Tonerde), Quarz (ein wertvolles Mineral) sowie Feldspat (ein gesteinsbildendes Mineral), die vermischt, geformt und anschließend gebrannt werden. Je nachdem, in welchem Mengenverhältnis diese Inhaltsstoffe zusammengesetzt werden, entstehen verschiedene Porzellanvarianten von unterschiedlicher Qualität und Optik. Ausschlaggebend ist auch die Höhe der Brenntemperatur, denn erst durch den Brennvorgang erhält das Gemisch das charakteristische Porzellan-Design, die robuste Härte und die typische minimale Lichtdurchlässigkeit.

Elfenbein, Durable und Vitro: Welche verschiedenen Porzellanarten gibt es?

Porzellan ist nicht gleich Porzellan. Durch verschiedene Zusammensetzungen, Unterschiede hinsichtlich der Korngröße und-verteilung, der Porosität, sprich dem Verhältnis von Hohlräumen zum Gesamtvolumen, und der Brenntemperatur entstehen unterschiedliche Arten Porzellan. Zu den bekanntesten zählen unter anderem:

  • Elfenbein-Porzellan: eine spezielles Hartporzellan, dass durch den sehr heißen Brennvorgang den typischen Elfenbeinton bekommt, der übrigens auch bei hoher Qualität leicht variieren kann
  • Durable-Porzellan: ein Hartporzellan mit einem geringen Aluminiumanteil, der für einen metallischen Glanz sorgt und das Material sehr unempfindlich macht
  • Bone China Porzellan: sehr leicht und dennoch stabil ist diese Form des Hartporzellans, das mit tierischem Knochenmehl angereichert wird; dadurch bekommt es einen warmen Weißton und eine auffällige Transluzenz (Lichtdurchlässigkeit)
  • Vitro/Vitreous: gehört offiziell zum Steinzeug, wird aber aufgrund seiner Farbe und den sehr guten Gebrauchseigenschaften häufig mit Porzellan verwechselt

„Weißes Gold“: Warum ist Porzellan so wertvoll?

Es ist nicht alles Gold, was glänzt – und so ist auch nicht jeder Teller und jede Schale aus Porzellan ein begehrtes Sammlerstück. In der Regel ist Porzellan aufgrund der Zusammensetzung, der aufwendigen Herstellungsart und der langen Lebensdauer teurer als das optisch ähnliche Keramik, das statt Kaolin weniger feine Tonarten enthält, dennoch gibt es auch beim Porzellan deutliche Preisunterschiede. Welche Stücke besonders hochwertig sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab. So sind einige deutsche Hersteller, wie Meissen, Fürstenberg und Nymphenburg, bekannt für ihre hervorragende Qualität – und diese spiegelt sich auch im Preis wider. Aber auch sehr alte Stücke und Raritäten aus limitierten Produktserien haben häufig Sammlerwert und werden daher hochpreisig gehandelt.

Meissen Porzellan
Porzellan von Meissen ist bekannt für seine hervorragende Qualität. Bildquelle: © AnhTuanPhan | pixabay.com

Preisfrage: Wie erkenne ich den Wert meines Porzellans?

Für einen Laien ist es nicht so leicht, den Wert eines Porzellanstücks einzuschätzen, zumal sich Porzellan und Keramik nicht immer auf den ersten Blick voneinander unterscheiden. Bei alten Erbstücken, die eventuell schon einen kleinen Sprung oder eine Bruchstelle haben, erkennt man echtes Porzellan daran, dass es auch innen weiß ist. Darüber hinaus ist Porzellan immer mit einem bestimmten Markenzeichen versehen, das Rückschlüsse auf den Hersteller, die Serie oder mitunter auch auf das Herstellungsjahr zulässt. Hat man den Hersteller identifiziert, kann man den Wert direkt beim Unternehmen anfragen, denn viele der bereits genannten Produzenten, aber auch andere wie Rosenthal, Villeroy & Boch und Kahla produzieren seit Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten dieselben Serien. Eine andere Möglichkeit ist es, mithilfe von Online-Datenbanken und -Sammlerbörsen oder durch einen Profi den Wert zu bestimmen. Natürlich beeinflusst der Zustand, das Alter und die Herkunft des Porzellans den Preis, aber gerade bei besonderen Stücken kann sich der Wert im Laufe der Zeit steigern, sodass Experten Porzellan sogar als sichere Geldanlage betrachten.

Krone, Schwert & Co.: Welche Porzellanmarken sind besonders wertvoll?

Wenn Ihr Porzellan mit diesem Markenzeichen findet, könnte es sich um kleine Schätze handeln:

  • zwei gekreuzte Schwerter: Meissen
  • Wappen mit Krone: Nymphenburg
  • blaues „F“: Fürstenberg
  • Zepter: KPM (Königliche Porzellan Manufaktur)
  • Löwe bzw. Initialen HR: Hutschenreuther (heute Rosenthal)

Aber auch Porzellan mit dem Schriftzug bzw. Logo von Villeroy & Boch und Kahla hat seinen Wert. Vielleicht findet Ihr sogar altes chinesisches Porzellan, das Ihr an den entsprechenden chinesischen Schriftzeichen erkennen könnt. Bedenkt allerdings, dass es sich dabei immer auch um Fälschungen handeln kann.

Pflege & Reparatur: Was muss ich beim Umgang mit Porzellan beachten?

Echtes Porzellan ist stabil und haltbar und darf beispielsweise im Schonwaschgang auch in den Geschirrspüler. Dennoch ist es ratsam, gerade wertvolle, ältere Stücke behutsam mit der Hand abzuwaschen, damit das Dekor nicht beschädigt wird. In die Mikrowelle solltet Ihr Porzellan lieber nicht stellen, denn meistens befinden sich mikrofeine Risse in der Oberfläche. Durch diese dringt Wasser ins Porzellan, das Wasser und somit auch das Porzellan werden stark erhitzt und die Risse dadurch größer. Das gleiche passiert übrigens bei minderwertigem Porzellan auch im Backofen. Hochwertiges, unbeschädigtes Porzellan ist jedoch feuerfest und kann auch hohe Temperaturen von 200° C mühelos aushalten. Strom leitet Porzellan übrigens nicht, weshalb das Material auch als Isolator verwendet wird. Apropos Risse: Sollte Euer Lieblingsteller einmal einen Sprung bekommen oder zerbrechen, kann ein Spezialkleber für Porzellan Abhilfe schaffen – oder Ihr bringt ihn direkt zu einem Experten, denn es gibt Fachleute, die sich speziell der Reparatur von Keramik und Porzellan widmen. Ist ein Porzellanstück doch einmal unwiderruflich zerstört, könnt Ihr das gute Stück in der Restmülltonne entsorgen.

Mythen rund ums Porzellan: Bringt zerbrochenes Porzellan Glück?

Jeder weiß, dass man am Polterabend mit Porzellan „poltert“. Aber warum eigentlich? Grund dafür ist das alte Sprichwort „Scherben bringen Glück“. Da mit Scherben ursprünglich alte Tongefäße und Schalen für Lebensmittel gemeint waren, die Besitz und Reichtum demonstrierten, nimmt man Porzellan statt Glas und vertreibt mit dem lauten Gepolter böse Geister.

Do it Yourself: Porzellanmalerei und andere Bastel-Ideen

Nicht jedes Porzellan ist so wertvoll, dass man es nur zu besonderen Anlässen aus der Vitrine holen darf. Auf Flohmärkten oder auf kalaydo.de findet Ihr neben wahren Schmuckstücken auch Alltagsgeschirr zu günstigen Preisen. Wenn das Porzellan noch unversehrt ist, könnt Ihr es mit witzigen Sprüchen und bunten Mustern auf individuelle Weise verschönern. Verwendet dafür spezielle Porzellanstifte und- farben aus dem Bastelladen und achtet darauf, dass die Oberflächen sauber und trocken sind. Nach dem Bemalen wird die Farbe im Backofen eingebrannt. Darüber hinaus könnt Ihr aus altem Porzellan auch hippe Etageren im Vintage-Look herstellen, alte Tassen in Kerzenständer umfunktionieren oder aus einem großen Teller eine Wanduhr basteln. Hier verraten wir, wie Ihr Porzellan upcyclen und Porzellan selber bemalen könnt.

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