Kalaydoskop

Grünes Schrebergartenglück – Ratgeber Kleingarten

Der Garten, das eigene kleine Stück Grün, selbst angebautes Gemüse und ein Platz zum Erholen. Ein Traum, der dank Schrebergartenvereinen auch für Großstadtbewohner wahr werden kann. Welche Hürden Euch auf dem Weg zum eigenen Kleingarten begegnen, was ein solcher Garten kostet und was Ihr als Neulinge beachten müsst, haben wir hier für Euch zusammengestellt.

Was ist ein Kleingarten?

Ob man das Stückchen Land Garten, Schrebergarten, Laube oder Parzelle nennt, gemeint ist immer der Kleingarten. Diese Art Gärten sind abgeteilte Stücke Gartenland in einer Gartenkolonie, die meist als Verein organisiert ist. In Deutschland richtet sich ihre Organisation und Bewirtschaftung nach dem Bundeskleingartengesetz. Die einzelnen Mitglieder einer Kleingartenanlage pachten Ihr jeweiliges zugeteiltes Land und nutzen es zum Gärtnern und zur Erholung.
Übrigens haben die kleinen Nutzgärten nicht nur Vorteile für die Hobbygärtner, auch die Allgemeinheit profitiert durch das grünere Stadtbild, die luftfilternde Funktion der Pflanzen und die Frischluftschneise in der Stadt durch unbebautes Land.

Welche Kosten verursacht ein Kleingarten?

Generell müsst Ihr bei Übernahme eines Gartens mit einmaligen und laufenden Kosten rechnen. Wer einen Schrebergarten übernimmt, zahlt zunächst nicht etwa einen Kaufpreis für das Grundstück, sondern eine Ablöse an die Vorbesitzer. Diese setzt sich zusammen aus dem Wert der Laube, der Ausstattung, der Bepflanzung und dem Allgemeinzustand. Je nach Region und Grad des Ausbaus fallen einige Hundert bis hin zu 10.000 Euro an.
Das Laubengrundstück selbst pachtet Ihr vom Kleingartenverein, dem Ihr außerdem beitreten müsst. Die Pacht beträgt 300 bis 500 Euro im Jahr. Daneben fallen noch Mitgliedsbeiträge für den Verein sowie Nebenkosten für die Nutzung des Vereinsheims, Wasser, Strom und Versicherungen an.
Anders sieht es bei freien Garten- oder Freizeitgrundstücken aus. Diese könnt Ihr pachten, mieten oder sogar kaufen. Die Preise orientieren sich an den regional üblichen Immobilienpreisen.

Pflanzen in der Parzelle – was muss, was darf, was ist verboten?

Von Gurke bis Stachelbeere – bei der Auswahl der Nutzpflanzen haben Schrebergärtner nahezu freie Wahl. Sträucher und Obstbäume, die sehr hoch werden können, sollten jedoch so gepflanzt werden, dass sie die Nachbarn in der Parzelle nebenan nicht stören. Verboten sind meist Waldbäume, Bäume, die über vier Meter hoch werden sowie oft auch Walnussbäume.
Hecken dürfen innerhalb der Anlage bis zu 1,25 Meter hoch sein. Wenn sie als Abgrenzung zum Außenbereich wie etwa zu Bahngleisen oder einer Straße dienen, darf die Begrenzung höher wachsen.
Ein Drittel der Fläche eines Kleingartens muss mit Nutzpflanzen zur Selbstversorgung, also Pflanzen, die der Lebensmittelgewinnung dienen, bepflanzt werden.
In unseren Ratgebern Gemüse anbauen und Gartenbeet anlegen geben wir Tipps und Informationen damit der Eigenanbau von Obst und Gemüse auch gelingt.

Was gibt es Schöneres, als sich sein Essen aus selbst angebautem zuzubereiten. Bildquelle: © ernschie | pixabay.com

Welche Toilette im Kleingarten?

Was die kleinen und großen Geschäfte von Kleingärtnern angeht, gibt es wenig Spielraum. Nach Bundeskleingartengesetz darf im Schrebergarten kein Abwasser anfallen. Zu Abwasser zählt Wasser, das mit Spül- oder Reinigungsmittel, Fäkalien oder Speiseresten vermischt ist. Auch versickern lassen dürft Ihr solches Wasser auf dem Gartengrundstück auf keinen Fall. Da Klos mit Wasserspülung sowie Chemietoiletten nicht in Frage kommen, empfehlen sich Trenn- oder Komposttoiletten. Bei diesen Trockentoiletten befindet sich ein Auffangbehälter unter dem Klo, nach jedem Toilettengang werden Sägespäne oder Rindenmulch eingestreut. Die anfallenden Fäkalien werden kompostiert.
Wer sich den Aufwand ersparen möchte, kann außerdem die sanitären Anlagen im Vereinsheim nutzen, da diese meist an das öffentliche Kanalsystem angeschlossen sind.

Sinnvoll und empfehlenswert – Versicherung für Kleingärten

Ob zu Hause oder auf dem Gartengrundstück, Unglücksfälle können ganz schön teuer werden. Genau wie das Eigenheim oder das Auto lassen sich auch Schrebergärten gegen Schäden durch Brand, Einbruch oder extreme Wetterlagen versichern.
Für diese Fälle empfehlen sich Versicherungen für Kleingärtner:

  • Schäden durch Sturm, Hagel oder Blitzschlag
  • Brand
  • Glasbruch
  • Einbruch
  • Unfälle

Tipp: Viele Kleingartenvereine oder auch Regionalverbände konnten für Ihre Mitglieder Gruppentarife aushandeln. Fragt beim Beitritt zum Verein mal nach.

Wer darf einen Kleingarten pachten?

Wer eine Parzelle im Kleingartenverein pachten möchte, muss dort ordentliches Mitglied sein. In Großstädten und Metropolregionen müsst Ihr Euch bei den Vereinen auf eine Warteliste setzen lassen, um eines der begehrten Grundstücke zu ergattern. In dünner besiedelten Gebieten dagegen gibt es sogar Leerstände und Interessenten bekommen schnell eine Parzelle zugeteilt.

Was beachten beim Kauf eines Schrebergartens?

  • Mit der Ablöse an den Vorbesitzer kauft Ihr nicht den Garten selbst, sondern die darauf befindliche Ausstattung, die Bepflanzung und die eventuell vorhandene Laube.
  • Wer sich nicht auskennt, sollte den Wert des Gartens von einem Gutachter oder erfahrenen Vereinsmitgliedern schätzen lassen. Der Preis für die Übernahme ist aber trotzdem immer frei verhandelbar.
  • Die Pacht für einen Kleingarten erfolgt unbefristet, Ihr könnt zum Ende eines Pachtjahres kündigen. Die Entscheidung für den Garten ist also eher langfristig zu sehen.
  • Der Kleingartenverein kann Euch nicht ohne triftigen Grund kündigen. Gibt es aber einen Grund, erfolgt die Kündigung ebenfalls zum Ende eines Pachtjahres. In diesem Fall habt Ihr Anspruch auf eine Entschädigung für das Inventar des Gartengrundstücks.
  • Die Mitgliedschaft im Kleingarten erfordert auch gemeinschaftliche Arbeitsstunden zur Pflege der gesamten Anlage oder Organisation von Vereinsveranstaltungen.

Was braucht man?

  • Gartengeräte
  • Laube oder Gartenhaus zur Unterbringung der Ausrüstung
  • Saatgut oder Pflanzen
  • Dünger
  • Wasserschlauch oder Gießkannen

Wer den Garten auch als Erholungsraum nutzt, braucht zudem Gartenmöbel, vielleicht einen Grill und einen kleinen Kühlschrank oder eine Kühlbox, um Lebensmittel und Getränke zu kühlen.

Besser entspannt es sich im Kleingarten mit den bequemen Gartenmöbeln. Bildquelle: © PhotoMIX-Company | pixabay.com

Regel-Dschungel Gartenverein – was ist erlaubt

Im Kleingarten dürft Ihr eine Gartenlaube mit einer maximalen Grundfläche von 24 Quadratmetern errichten. Im Kleingartengesetz ist gelegentliches Übernachten in diesem Häuschen nicht explizit verboten. Wenn also Eure Vereinssatzung dies nicht ausschließt, ist es erlaubt, ab und zu mal eine Nacht in der Laube zu verbringen. Nur dauerhaft einziehen dürft Ihr nicht.
Bei einem Pachtvertrag hab Ihr grundsätzlich das Recht, die Erträge, die Ihr aus dem Grundstück und Eurer Arbeit zieht, selbst zu nutzen. Das heißt, Ihr dürft beispielsweise die Äpfel, die dort an Eurem Apfelbaum wachsen, selbst essen oder verarbeiten. Bei einem Mietvertrag wäre dies nicht grundsätzlich so.
Wer sich ein freies Gartengrundstück außerhalb einer Kleingartenanlage pachtet, muss sich nicht an die Vorgaben des Kleingartengesetzes oder eines Vereins halten. Hier gelten dann die Regelungen des gültigen Bebauungsplans oder Nutzungsplans der Stadt oder Gemeinde.

Was ist verboten?

  • In der Kleingartenlaube dürft Ihr nicht dauerhaft wohnen.
  • Gewerblich nutzen dürft Ihr eine Kleingartenparzelle nicht, dazu gehört auch der Verkauf der dort erzeugten Produkte.
  • Ein Kleingarten muss laut Gesetz abwasserfrei bewirtschaftet werden, das heißt, Toiletten mit Wasserspülung oder Waschbecken mit Abfluss dürft Ihr dort nicht installieren.
  • Chemietoiletten sind zwar gesetzlich im Schrebergarten nicht verboten, doch in vielen Satzungen der Vereine untersagt.
  • Waldbäume dürfen nicht gepflanzt werden.
  • In den meisten Gartenanlagen ist es nicht möglich, einen Pool aufzustellen.
  • Ein Großteil der Vereine hat außerdem Regelungen zur Mittagsruhe, die Nachtruhezeiten richten sich nach der umliegenden Gemeinde und beginnen daher oft um 22 Uhr.

Wie Kleingarten anlegen?

Wie genau Ihr Euer grünes Idyll gestaltet, bleibt Euch – bis auf einige Vorgaben natürlich – selbst überlassen. Generell ist es ratsam, sich zu überlegen, ob Ihr den Garten mehr zur Erholung in der Freizeit, mehr als Nutzgarten oder zu gleichen Anteilen aus beidem bewirtschaften wollt. Alle, die mehr Wert auf einen hübschen Freizeitgarten legen, sollten bei der Planung berücksichtigen, dass ein Drittel der Fläche für Nutzpflanzen zur Eigenversorgung reserviert werden muss.
Folgende Gestaltungselemente lassen sich im neuen Garten einplanen:

  • Beete
  • Kübelpflanzen
  • Rasenflächen
  • Gartenwege
  • Gartenhaus und Gewächshaus
  • Terrasse
  • Kräuterspirale
  • Obstbäume
  • Hecken
  • Teich (Vorgaben beachten)

Hohe Sträucher oder Obstbäume müsst Ihr mit genügend Abstand zu den Nachbarn anpflanzen und regelmäßig prüfen, ob ausladende Äste oder herabfallendes Obst die Nachbargärtner stören könnten.

Ein beliebtes Element bei der Gartengestaltung ist der Teich, zu diesem gibt es im Kleingartenverein jedoch Vorgaben zu beachten. Bildquelle: © Tappancs_823722 | pixabay.com

Wie viel Arbeit macht ein Kleingarten?

Viele Einsteiger unterschätzen den Aufwand, der für einen gepflegten Schrebergarten nötig ist. Während der Vegetationsperiode reicht es nicht, nur am Wochenende ein wenig im Garten zu werkeln, dann sind auch ein paar zusätzliche Stunden pro Woche nötig, um alles in einem gepflegten, ansehnlichen Zustand zu halten. Einen wichtigen Vorteil hat die Gartenarbeit unter der Woche jedoch: Ihr könnt an freien Tagen mehr Eurer Freizeit mit süßem Nichtstun in der grünen Oase genießen.

Wie muss ein Kleingarten übergeben werden?

Rein theoretisch muss ein Kleingartenpächter vor der Übergabe des Objekts an den Nachfolger Bepflanzung und Laube entfernen. In der Praxis übernehmen jedoch die neuen Pächter die Bebauung und oft auch die Pflanzen, dafür erhält der vorherige Besitzer einen vorher vereinbarten Abstand. Dieser wird sehr oft auch unter Einbeziehung des Vereinsvorstands oder eines Gutachters ermittelt.
Wie muss ein Kleingarten aussehen?
Für ihre zahlreichen Regeln und Vorgaben sind Laubenkolonien berühmt berüchtigt. Dafür sorgen nicht nur die Vereinssatzungen, sondern auch das Bundeskleingartengesetz. Dieses besagt zum Beispiel, dass ein Drittel der Bepflanzung aus Nutzpflanzen zur Selbstversorgung, also Obststräucher und -bäume, Gemüse, Kräuter, Kartoffeln und sonstige Nahrungspflanzen, bestehen muss.
In den Vereinssatzungen ist außerdem festgelegt, dass der Kleingarten nicht so vernachlässigt werden darf, dass er verwildert. Dies könnte eine fristlose Kündigung des Pachtvertrags zur Folge haben.

Hinterlasse einen Kommentar