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Faszinierende Krabbelwelt – Ratgeber wirbellose Tiere

Es kreucht und fleucht auf unserem Planeten. Die Welt der wirbellosen Tierarten ist riesig. Von Quallen über Kakerlaken bis hin zu Achatschnecken kommen sie in mannigfaltigen Formen in allen erdenklichen Lebensräumen vor. Was die Wirbellosen ausmacht, wie sie leben, wo sie vorkommen und wie Ihr sie als Haustiere halten könnt, haben wir für Euch zusammengefasst.

Was sind wirbellose Tiere?

Die sogenannten Invertebraten sind Tiere ohne Wirbelsäule. Obwohl Euch vermutlich zunächst direkt mehr Tiere mit Wirbelsäule einfallen als ohne, gehören die meisten (und zwar über 95 Prozent) Tierarten dieser Erde in Gruppe der Invertebraten. Darunter Insekten, Spinnentiere, Weichtiere, Würmer und sogar Schwämme.
Wichtig zu wissen ist, dass die Tiere in dieser Kategorie nicht systematisch miteinander verwandt sind. Sie gehören wissenschaftlich gesehen teilweise unterschiedlichen Klassen, Ordnungen und sogar Unterstämmen an, sie sind also verwandtschaftlich oft sehr weit auseinander.
Interessant für zukünftige Haustierbesitzer sind unter den wirbellosen Tieren vor allem Krebstiere, Weichtiere wie Schnecken und Muscheln, Spinnentiere wie Skorpione und Spinnen sowie Gliederfüßer.

Warum gibt es wirbellose Tiere?

Die ersten bekannten mehrzelligen Tierarten (Metazoa) hatten keine Wirbelsäule. Die viel kleinere Gruppe der Wirbeltiere, zu denen auch die Säugetiere und damit wir Menschen gehören, könnt Ihr ganz grob als Weiterentwicklung der Natur betrachten. Den Startschuss für die Entwicklung der Tierwelt gaben aber die bis heute am zahlreichsten vertretenen wirbellosen Lebewesen.

Welche Merkmale haben wirbellose Tiere?

Die wichtigste gemeinsame Eigenschaft ist, dass Invertebraten – wie der Name schon sagt – keine Wirbelsäule besitzen. Die meisten Lebewesen dieser Kategorie sind nur wenige Millimeter bis einige Zentimeter groß, die Ausnahme bilden Meerestiere wie Quallen, Schnurwürmer, Kraken und einige tropische Gliederfüßer. Der skelettfreie Körper der Tiere wird von einem festen Panzer, einem Mantel aus Haut oder sogar dem Wasserdruck im Meer in seiner natürlichen Form gehalten.

Octopus
Kraken gehören zu den größeren wirbellosen Tieren. Bildquelle: © Vlad Tchompalov | unsplash.com

Wie atmen wirbellose Tiere?

Um sich zu bewegen, zu wärmen, Nahrung zu verarbeiten und sogar für die Funktion der Nerven brauchen Organismen lebenswichtigen Sauerstoff. Dieser kommt in der Luft, aber auch in Gewässern vor. Unsere eigene Atmung wird uns besonders bewusst, wenn wir Sport treiben oder Treppen bis in den vierten Stock laufen müssen. Spätestens nach einem Sprint oder beim Springseilspringen schnappen auch die fitteren von Euch nach Luft. Bei diesem Vorgang nimmt der Körper Sauerstoff für lebenswichtige Stoffwechselprozesse auf und gibt überschüssiges Kohlendioxid ab. Auch die übrigen Lebewesen sind auf Atmung angewiesen. Bei wirbellosen Tieren funktioniert die Sauerstoffaufnahme jedoch anders als bei Säugetieren.
Viele Insekten, Weichtiere wie Schnecken und Tintenfische atmen über Kiemen. Durch Schaumbildung vor den Kiemen klappt diese Art der Atmung auch bei Landlebewesen. Ringelwürmer wie die Regenwürmer nehmen Sauerstoff aus der Luft über die Haut auf, die bei ihnen besonders dünn und somit durchlässig ist. Quallen haben ebenfalls eine so feine Haut, dass sie Sauerstoff direkt aus dem Wasser aufnehmen können. Weniger komplexe Organismen wie Schwämme nehmen Sauerstoff auf, indem sie Wasser durch ein verzweigtes Kanalsystem strömen lassen und ihn dabei in einzelne Zellen aufnehmen.

Warum häuten sich wirbellose Tiere?

Im Gegensatz zu Säugern, Reptilien, Amphibien, Vögeln und Fischen haben wirbellose Tiere kein mitwachsendes Skelett aus einzelnen Knochen und beweglichen inneren Gelenken. Viele dieser Lebewesen verändern daher im Laufe ihres Entwicklungsprozesses mehrmals die Form, beispielsweise von der Larve zum Schmetterling. Bei Arten mit fester Außenhülle oder Panzer kommt es vor, dass sie sich häuten, sobald die alte Haut zu klein für das Tier wird. Berühmt dafür sind zum Beispiel Spinnen. Diese häuten sich, bis sie ausgewachsen sind, Vogelspinnen-Weibchen wachsen sogar ihr ganzes Leben weiter und häuten sich etwa einmal im Jahr.

Spinne
Die meisten Spinnen häuten sich bis sie ausgewachsen sind. Bildquelle: © Wynand Uys | unsplash.com

Welche Nahrung mögen wirbellose Tiere?

So vielfältig wie die Arten in der Klasse der Invertebraten ist auch der Speiseplan. Während eine Blattlaus Pflanzensaft saugt, verzehrt eine Vogelspinne genüsslich große Insekten, oder auch mal eine kleine Maus und die Seesterne filtern das Meerwasser nach verwertbarem Plankton.
Weichtiere im Wasser nehmen Algen, Plankton und kleine Krebse als Nahrung auf, manche Exemplare fressen auch Fisch sowie größere Meerestiere. Die meisten Krebstiere mögen Plankton und Algen.
Welche Nahrung Schnecken an Land bevorzugen weiß jeder, der einmal Salat im Garten angebaut hat. Arten hierzulande lieben zarte Blätter und Pflanzen, jedoch gibt es auch Raubschnecken und Aasfresser innerhalb dieser Tierklasse.
Bei den Spinnentieren, einer Klasse, die von den Milben über Webspinnen bis hin zu den Skorpionen reicht, sind die Grundnahrungsmittel schon eingeschränkter. Die meisten verspeisen, je nach Größe, gerne Insekten, Schnecken oder kleine Wirbeltiere.
Futter für wirbellose Haustiere:

  • Besonders genügsam bei der Terrarienhaltung sind Tausendfüßler. Viele Arten kommen mit leicht verrottetem Laub, Holz und ein paar Früchten als Futter aus.
  • Tropische Schaben mögen Obst, Gemüse und Fischfutter.
  • Afrikanische Käferarten wie der Kongo-Rosenkäfer fressen gern exotisches Obst und Blütenpollen.
  • Mantiden und Phasmiden nehmen je nach Art Blätter von Beerensträuchern sowie von Laubbäumen gut an.
  • Wasserschnecken (beispielsweise Turmdeckelschnecken) im Aquarium machen sich über Futterreste und abgestorbene Pflanzenteile her. Bei einer zu großen Population müssen allerdings auch mal die Wasserpflanzen dran glauben.
Rosenkäfer
Insekten wie Rosenkäfer erfreuen sich an Obst und Blütenpollen. Bildquelle: © Schwoaze | unsplash.com

Welche wirbellosen Tiere gibt es?

Während man Säugetiere oder gar Reptilien oder Amphibien in der Natur erst regelrecht suchen muss, begegnen einem die Wirbellosen, wenn man nur das Fenster öffnet – und eigentlich ist nicht einmal das nötig. Von der surrenden Wespe über die Stechmücke bis hin zur Milbe im Kopfkissen, sie alle gehören zu den wirbellosen Arten. Invertebraten besiedeln auf dem gesamten Planeten alle Lebensräume, kommen an Land und im Wasser vor und nehmen alle nur erdenklichen Formen an.
Auch als Haustiere sind die Wirbellosen beliebt. Darunter Spinnen, Schnecken, Schaben und Krebstiere.

Welches wirbellose Tier wird am ältesten?

Die langlebigsten Wirbellosen werden einer Tiergruppe zugerechnet, von der einige Menschen gar nicht wissen, dass es sich überhaupt um Tiere handelt. Die Korallen. Diese Meeresbewohner gehören zu den Nesseltieren, darunter viele verschiedene Tierfamilien. Die ältesten sind die Tiefseekorallen, die bis zu 4000 Jahre alt werden können. Die Wassertiere wachsen extrem langsam, wodurch sie durch Umweltverschmutzung und Klimawandel besonders belastet werden.

Korallen
Einige Korallen können ein Alter von 4000 Jahren erreichen. Bildquelle: © Crystal Gard | unsplash.com

Wie überwintern wirbellose Tiere?

In der freien Natur hängt die Art der Überwinterung der Invertebraten ganz von den Bedingungen in ihrem Lebensraum ab. Bienen in unseren Breiten bilden zum Beispiel eine Wintertraube im Stock, in der sie eng zusammenrücken und sich gegenseitig warmhalten. Schaben in unseren Wäldern legen zum Beispiel Eipakete ab, aus denen die Nymphen erst im nächsten Frühjahr schlüpfen. Tiere aus tropischen Regionen oder der Tiefsee dagegen kennen gar keinen Zyklus der Jahreszeiten.

Welche Bedeutung haben wirbellose Tiere für den Menschen?

Ein paar Krebse, Quallen und Käfer haben mit unserem Leben als Menschen kaum etwas zu tun, oder? Vielleicht Zecken, Spinnen und Stechmücken, indem sie uns Angst machen oder mit juckenden Stichen auf die Nerven gehen. Doch so einfach ist es nicht, tatsächlich haben wirbellose Tiere einen riesigen Einfluss auf unser Leben.
Zunächst sind die Wirbellosen wichtiges Glied der Nahrungskette, an deren Spitze wir stehen. Winzige Krebstiere im Meer dienen beispielsweise Fischen als Nahrung, die wichtiger Bestandteil unseres Speiseplans sind und auch größeren Raubfischen als Nahrungsquelle dienen. Beispielsweise ernährt sich der atlantische Hering in bestimmten Entwicklungsstufen zunächst von tierischem Plankton, später von Krebstieren. Der Hering dient dann Thunfischen und Makrelen als Futter und schmeckt auch Robben, Walen und uns Menschen gut.
Auch als Bestäuber in der Natur und für unsere Nahrungspflanzen spielen wirbellose Tierarten eine wichtige Rolle. Sie sorgen dafür, dass wir genug zu Essen haben, können als Schädlinge aber auch wirtschaftliche Schäden und Hungerkatastrophen verursachen. All unsere Nahrungsquellen hängen von einem dichten, sensiblen Gefüge in Ökosystemen ab, in denen Invertebraten wichtige Bestandteile bilden.
Nicht zuletzt lieben viele Menschen ihre speziellen wirbellosen Haustiere. Das können Vogelspinnen sein, afrikanische Riesenschnecken, Schaben oder Krebse. Halten könnt Ihr diese in der Wohnung in Aquarien oder Terrarien, die Fütterung ist meist kostengünstig und einfach.

Walhai
Wirbellose Tiere sind ein wichtiger Bestandteil der Nahrungskette, sowohl für Tiere wie auch für Menschen. Bildquelle: © Jake Gaviola | unsplash.com

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