Kalaydoskop

Die richtige Reitbekleidung – sicher und funktionell zugleich

Wer ein neues Hobby ausprobieren oder eine neue Sportart erlernen möchte, benötigt meist auch eine spezielle Ausrüstung. Insbesondere im Reitsport ist eine gewisse Grundausstattung für Eure Sicherheit unabdingbar. Was Ihr am besten bei Eurer ersten Longenstunde tragt, welche Anschaffungen Ihr nach weiteren Reitstunden in Erwägung ziehen solltet und welche Reitbekleidung sich im Laufe Eurer Reiterkarriere sonst noch bezahlt macht, erfahrt Ihr hier.

Auch, wer sich kein eigenes Pferd kaufen, sondern in einer Reitschule auf einem Schulpferd seinem Hobby nachgehen möchte, wird schnell feststellen, dass Reiten zu den eher weniger günstigen Sportarten gehört. Neben zu bezahlenden Reitstunden und einer eventuellen Mitgliedschaft im Reitverein, schlägt auch die Ausrüstung zu Buche. Dabei variieren die Preise für Reitsportartikel sehr, doch zum Glück müssen es nicht immer die großen Marken sein.

Gerade wenn Ihr noch Reitanfänger und Euch vielleicht noch nicht ganz sicher seid, ob der Reitsport das Richtige für Euch ist, braucht Ihr nicht direkt viel Geld für teure Reitbekleidung in die Hand zu nehmen. Die meisten Reitsportgeschäfte bieten auch Produkte von preiswerten Herstellern an, die als Erstausrüstung ebenso treue Dienste leisten. Gute Schnäppchen könnt Ihr außerdem machen, wenn Ihr Euch erst einmal nach gebrauchter Reitbekleidung umseht.

Passende Ausrüstung für die ersten Longenstunden

Ein losgelassener, ausbalancierte Sitz ist das A und O des Reitens. Erst wer ihn beherrscht, kann wirkungsvolle Hilfen geben und sich seinem Pferd verständlich machen. Aus diesem Grund werden Reitanfänger in der ersten Zeit an die Longe genommen, wo sie den Grundsitz in allen drei Gangarten erlernen. Für diese Longenstunden müsst Ihr allerdings noch nicht voll ausgestattet sein.

Am Wichtigsten ist, dass Euer Kopf im Falle eines Sturzes gut geschützt ist. Für den Anfang tut es hier auch ein vernünftig sitzender Fahrradhelm. Wenn Ihr Euch aber bald sicher seid, mit dem Reiten weiter machen zu wollen, ist ein vernünftiger Reithelm obligatorisch. Auch festes Schuhwerk ist ein bedeutender Sicherheitsaspekt. Achtet darauf, dass die Sohle möglichst rutschfest ist, die Schuhe über Euren Knöchel gehen und einen kleinen, breiten Absatz haben, damit Ihr nicht durch den Steigbügel rutschen und Euch verhaken könnt, was sehr gefährlich werden kann. Ansonsten solltet Ihr eine bequeme, eng anliegende Hose wie z.B. eine Leggins oder eine Hose mit hohem Stretch-Anteil tragen – Jeans mit markanten Innennähten sind hingegen weniger geeignet, da Ihr Euch hiermit leicht die Innenseite der Schenkel aufreiben könnt. Nicht zuletzt beachtet, dass Eure Kleidung nicht zu weit sein darf, damit sie beim Reiten nicht flattert.

Reitanfänger
Für die ersten Reitstunden muss noch nicht direkt die volle Ausrüstung angeschafft werden. Bildquelle: © liaoxh1981 | pixabay.com

Notwendige Erstausstattung für Reitanfänger

Wer einmal mit dem Pferdefieber infiziert wurde, sollte sich im weiteren Verlauf speziell fürs Reiten gedachte Ausrüstung zulegen. Als Grundausstattung an Reitbekleidung benötigt Ihr:

Reithelm

In vernünftigen Reitschulen ist es ohnehin Pflicht, aber auch zu Eurer eigenen Sicherheit solltet Ihr beim Reiten stets einen Reithelm tragen. Bei einem Sturz vom Pferd kann Euch dieser vor schlimmeren Folgen bewahren. Und ganz gleich wie lieb Euer Sportpartner auch ist, ob Ihr Fortgeschrittener oder Anfänger seid – irgendwann erwischt es jeden Reiter einmal. Im Übrigen solltet Ihr einen Reithelm nach einem schwereren Sturz möglichst gegen ein neues Modell ersetzen, da er sonst nicht mehr optimal schützt.

Achtet beim Kauf eines Reithelms darauf, dass er der aktuellen Norm entspricht. Dies erkennt Ihr daran, dass der Helm eine CE-Kennzeichnung (Europäische Richtlinie für persönliche Schutzausrüstung) trägt. Reithelme mit dieser Kennzeichnung müssen bestimmte Standards erfüllen, etwa einen Sturz aus einer bestimmten Höhe unbeschadet überstehen, um für den Handel zugelassen zu werden. Das TÜV/GS-Siegel garantiert Euch zusätzliche Sicherheit. Zudem solltet Ihr Euch für ein Modell mit 3-Punkt- oder noch besser 4-Punkt-Befestigung entscheiden, damit Euer Reithelm auch in der Bewegung sicher am Kopf sitzt.

Nehmt Euch bei der Wahl des neuen Reithelms Zeit und probiert nach Möglichkeit verschiedene Modelle an. Messt zunächst Euren Kopfumfang an der breitesten Stelle der Stirn, um eine Orientierungshilfe für die Größenwahl zu erhalten. Der Helm ist zu groß, wenn er sich deutlich verschieben lässt und in die Stirn rutscht. Zu klein ist er hingegen, wenn er ein unangenehmes Druckgefühl hinterlässt, zu weit nach hinten rutscht und die Riemen am Ohr einschneiden. Optimalerweise sollte er Euren Kopf an Stirn und Hinterkopf gleichmäßig umschließen und sich nicht nur wie aufgesetzt anfühlen, der Kinnriemen sollte anliegen, aber nicht quetschen und die weiteren Riemen das Ohr wie ein Dreieck umschließen.

Neben dem Sicherheitsaspekt sorgen praktische Extras, wie extrem leichtes und zugleich stabiles Material, Belüftungslöcher und weiche Polsterungen für mehr Komfort. Viele Reithelme verfügen heute auch über ein Rädchen, das es ermöglicht, innerhalb zweier Kopfgrößen stufenlos zu verstellen.

Reiterin mit Reithelm
Einen passenden Helm sollte jeder Reiter besitzen – ob Anfänger oder Profi. Bildquelle: © JACLOU-DL | pixabay.com

Reithose

Eine gut sitzende Reithose sorgt zum einen dafür, dass Ihr Eure Beine und den Hintern nicht wundreitet, zum anderen gibt sie Euch auch einen besseren Halt im Sattel. Ihr könnt hier zwischen Knie- und Vollbesatz wählen, was bedeutet, dass die Reithose entweder nur an der Innenseite von Knie und Waden oder aber komplett an der gesamten Sitzfläche extra verstärkt ist. Der Besatz ist am häufigsten aus Kunstleder oder speziellen Kunstfasern gefertigt, wobei es letztere mittlerweile in verschiedensten Mustern gibt.

Eure Reithose sollte körpernah geschnitten sein und möglichst wenig Falten werfen. Baumwollreithosen gemischt mit Elastan oder ähnlichen Kunstfaserstoffen sind angenehm zu tragen und versprechen gute Bewegungsfreiheit.

Reitstiefel

Reitstiefel erlauben einen besseren Halt in den Steigbügeln und verhindern durch ihren kleinen Absatz ein Durchrutschen. Daneben schützen sie Eure Füße auch im weiteren Umgang mit dem Pferd besser als Turnschuhe vor den Hufen. Für Kinder, die noch viel wachsen, und Reitanfänger empfehlen sich günstige Gummireitstiefel. Fortgeschrittene Reiter, die definitiv beim Reitsport bleiben, sollten sich überlegen in Lederreitstiefel zu investieren. Sie bieten ein deutlich besseres Reitgefühl, da sie in Schuhgröße, Wadenweite und Schafthöhe genau an Eure Beine angepasst werden können. Je nach Vorliebe könnt Ihr hier zwischen weicheren und härteren Lederarten wählen.

Eine praktische Alternative zu Reitstiefeln sind Reitstiefeletten. Das sind feste Reitschuhe, die über den Knöchel gehen. Sie können auch so im Stallalltag bequem getragen und zum Reiten einfach mit Chaps kombiniert werden. Äußerst beliebt ist ebenfalls die Kombination aus Stiefeletten und Stiefelschäften, die optisch kaum einen Unterschied zu richtigen Reitstiefeln darstellen. Deswegen dürfen sie auch – im Gegensatz zu Chaps – auf offiziellen Reitturnieren getragen werden.

Reitstiefel
Lederreitstiefel können genau ausgemessen werden, sodass sie fast wie eine zweite Haut sitzen. Bildquelle: © Sarah Bedu | unsplash.com

Reithandschuhe

Reithandschuhe schützen Euch vor Blasen an den Händen und erlauben es gleichzeitig durch ihre Rutschfestigkeit, dass Ihr die Zügel sicher im Griff habt und sie Euch nicht in der Bewegung oder beim Schwitzen durch die Finger gleiten. Materialien wie Leder oder Polyester sind strapazierfähig und gepaart mit elastischen Fasern bieten sie genügend Spielraum für feine Zügelhilfen. Die Nähte sind hier so platziert, dass sie nicht scheuern und die Stellen, durch die die Zügel geführt werden, sind noch einmal extra verstärkt. Für die kalte Jahreszeit gibt es sogar speziell gefütterte Winterreithandschuhe.

Weitere Reitbekleidung für fortgeschrittene Reiter

Neben der Grundausstattung gibt es noch weitere Reitsportartikel, die durchaus empfehlenswert sind:

Sicherheitsweste

Sicherheitswesten sind bei Geländeprüfungen in der Vielseitigkeit seit vielen Jahren Pflicht. Seitdem haben sie sich allerdings auch immer mehr in anderen Bereichen des Reitsports etabliert. Sie eignen sich speziell für Reitanfänger und Kinder, indem sie noch einmal zusätzliche Sicherheit verleihen. Besonders beliebt sind Sicherheitswesten aber ebenso bei Springreitern und für Ausritte, da hier die Gefahr eines Sturzes deutlich erhöht ist.

Sicherheitswesten bieten dabei Schutz für den gesamten Torso, also Brustkorb, Schulterbereich und Wirbelsäule, Rückenprotektoren sind nur auf die empfindliche Wirbelsäule spezialisiert. Da schwere Reitverletzungen meist an Kopf oder Oberkörper vorkommen, kann eine solche Weste in punkto Sicherheit eine gute Ergänzung zum Reithelm darstellen. Früher hat man mit einer Sicherheitsweste noch etwas an Tragekomfort eingebüßt, mittlerweile sind sie aber deutlich weiterentwickelt worden und viel leichter, flexibler und atmungsaktiver, sodass sie beim Reiten kaum mehr zu spüren sind.

Wollt Ihr eine Sicherheitsweste kaufen, achtet auf die Prüfnorm EN 13158. Diese Norm kennzeichnet Sicherheitswesten mit einem Level von 1 bis 3, wobei 3 den größtmöglichen Schutz bietet.

Sicherheitsweste beim Springen
Statistisch gesehen ist die Gefahr eines Sturzes beim Springen am größten. Eine Sicherheitsweste leistet hier gute Dienste. Bildquelle: © markusspiske | pixabay.com

Hilfsmittel: Gerte und Sporen

Neben den Gewichts-, Schenkel- und Zügelhilfen, kann es manchmal sinnvoll sein, seine reiterlichen Hilfen durch zusätzliche Hilfsmittel wie Gerte oder Sporen zu ergänzen. Bedenkt hier bitte immer, dass diese lediglich zur Verfeinerung Eurer Schenkelhilfen eingesetzt werden sollten und nicht, um das Pferd zu bestrafen.

Durch zu häufigen und unverhältnismäßigen Einsatz von Gerte und Sporen können Pferde leicht abstumpfen, was zur Folge hat, dass diese Hilfsmittel immer mehr genutzt werden müssen. Die Gerte sollte allerdings nur in Verbindung mit dem treibenden Schenkel Verwendung finden, beispielsweise wenn das Pferd diesen ignoriert, doch sobald das Pferd die entsprechende Reaktion zeigt, muss der Druck wieder herausgenommen werden.

Sporen sollten generell erst verwendet werden, wenn ein gewisses reiterliches Niveau vorhanden ist. Der Reitersitz muss so weit gefestigt sein, dass der Schenkel in allen Gangarten ruhig anliegt und die Sporen ganz gezielt an der richtigen Stelle eingesetzt werden können. Nur so kann an Feinheiten in der Dressur gearbeitet werden.

Turnierbekleidung

Wer an Reitturnieren teilnehmen möchte, kommt über kurz oder lang nicht daran vorbei, sich eine eigene Turnierbekleidung in schwarz-weiß anzuschaffen. Dabei ist schwarz-weiß relativ, heute sind auch gedeckte Farben wie blau, braun oder grau gestattet. Vorgeschrieben ist auf jeden Fall eine weiße (bzw. cremefarbene) Reithose, ein Turnierjacket, Reitstiefel und Reithelm (bzw. Zylinder in den höheren Dressurklassen) sowie für Damen eine Turnierbluse und für Herren ein Turnierhemd mit weißem Stehkragen. Turniershirts bestechen durch mehr Tragekomfort und erfreuen sich deshalb zunehmender Beliebtheit. Das Turnieroutfit kann durch Haarnetze, Plastronnadeln oder eine Turnierkrawatte erweitert werden. Weitere Tipps fürs Turnierreiten gibt Euch unser Ratgeber Perfekt vorbereitet fürs Turnier – klassische Reitdisziplinen.

Turnierkleidung
Auf Reitturnieren ist eine bestimmte Turnierkleidung Pflicht. Bildquelle: © Sarah Bedu | unsplash.com

Hinterlasse einen Kommentar