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Schnullerfee, Radikalentzug oder auf die sanfte Tour: Wie gewöhne ich meinem Kind den Schnuller ab?

Aller Abschied fällt schwer – und deshalb ist es gar nicht so einfach, das Kind vom Schnuller zu trennen. Wir verraten Euch Tipps und Tricks, wie Ihr die Schnuller-Entwöhnung möglichst schnell und stressfrei hinter Euch bringen könnt.

Schnuller: ja oder nein?

Einige Babys wollen gar keinen, andere können überhaupt nicht ohne und wiederum andere brauchen ihn nur als Einschlafhilfe: den Schnuller. Der Einsatz der Nuckel wird seit jeher stark diskutiert. Viele Eltern begrüßen ihn, da er das natürliche Saugbedürfnis des Babys befriedigt, in brenzligen Situationen als Tröster zur Beruhigung dient und oftmals einfach eine praktische Lösung darstellt. Andere Eltern wiederum möchten, dass ihre Kinder ohne Schnuller auskommen, weil sie die Abgewöhnung fürchten und Sorge haben, dass sich der Schnuller negativ auf das Sprachverhalten und die Kieferstellung auswirkt. Ob Euer Kind einen Schnuller bekommt oder nicht, ist ganz alleine Euch überlassen und hängt vom Bedürfnis Eures Kindes ab. Dennoch ist es keine Frage, dass sich jedes Kind irgendwann vom Schnuller trennen sollte. Empfehlenswert ist es, den Schnuller rund um den 2. Geburtstag abzugewöhnen. Zu diesem Zeitpunkt ist das natürliche Saugbedürfnis weitestgehend gestillt, Kinder sind dazu in der Lage, sich anders zu trösten und etwaige Verformungen am Gaumen oder an den Zähnen bilden sich meistens noch von alleine zurück.

Ein günstiger Zeitpunkt für die Schnuller-Entwöhnung

Den meisten Kindern fällt es nicht so leicht, sich vom Schnuller zu trennen. Ihr solltet deshalb eine Zeit auswählen, in der es Eurem Kind gut geht und in dem keine sonstigen Veränderungen anstehen. Wenn Euer Kind gerade neu in die Kita kommt, ein Umzug bevorsteht oder Ihr Euch von Eurem Partner trennt, ist es ratsam, die Schnuller-Entwöhnung noch etwas zu verschieben. Auch die Geburt eines Geschwisterkindes ist kein idealer Zeitpunkt, denn oftmals haben die „Großen“ gerade in dieser Phase den Wunsch, noch einmal klein zu sein (und von Mama ebenso viel Aufmerksamkeit zu bekommen wie das Baby). Bedenkt außerdem, dass der Augenblick auch für Euch günstig sein sollte, denn anfangs kann es zu Einschlafproblemen, Wutanfällen und Quengelei kommen. Da sind starke Nerven gefragt!

Glückliches Kind
Gewöhnt Eurem Kind den Schnuller zu einer Zeit ab, in der es sich gut fühlt. Bildquelle: © StockSnap | pixabay.com

Schnuller-Entwöhnung auf die sanfte Tour

Ein Kind, das ununterbrochen schnullert, wird den Verlust viel schlimmer wahrnehmen als ein Kind, das den Nuckel nur zum Einschlafen bekommt. Deshalb ist es wichtig, frühzeitig gewisse Regeln festzulegen. Zum einen sollte ein Schnuller tagsüber nicht immer in Reichweite sein – sonst werden die Kinder dazu verführt, aus reiner Langeweile zu schnullern. Zum anderen könnt Ihr ab einem gewissen Alter feste Schnuller-Zeiten oder -Orte festlegen. Erklärt Euren Kindern, dass sie den Schnuller beispielsweise nur noch zum Einschlafen bekommen oder als Tröster (nach einem Sturz oder Streit). Nach und nach könnt Ihr so den Gebrauch des Schnullers einschränken. Der Schnuller ist für viele Kinder ein wichtiges Beruhigungsmittel – fällt dieses weg, brauchen sie eine Alternative. Kann Euer Kind zum Beispiel bislang nur mit einem Schnuller einschlafen, solltet Ihr stattdessen eine gemeinsame Kuschelzeit zum abendlichen Ritual machen oder ihm als Einschlafhilfe etwas vorsingen. Zudem entwöhnen sich die Kinder in der Regel leichter, wenn sie im Vorwege auf die baldige Trennung hingewiesen werden. Macht Euren Kindern klar, dass Schnuller nur für kleine Kinder sind und sie schon bald zu groß dafür sein werden.

Das Märchen von der Schnullerfee

Leider kommen nur die wenigsten Kleinkinder von alleine auf die Idee, sich von ihrem treuen Wegbegleiter zu verabschieden. Oftmals sind viel gutes Zureden, Ablenkungsmanöver und Durchhaltevermögen gefragt – und auch die eine oder andere Notlüge. In den letzten Jahren hat sich das Märchen von der Schnullerfee durchgesetzt. Diese sammelt nachts die Schnuller ein, die die Kinder ihr aufs Fensterbrett oder den Nachttisch legen, und tauscht sie gegen ein kleines Geschenk. Die Geschichte um die Schnullerfee hat viele Vorteile, denn erstens lockt das Geschenk, zweitens stellt die Fee eine gewisse Autoritätsperson dar, die die Kinder beeindrucken wollen, und drittens sind die Schnuller dank der Fee für immer weg, sodass das Kind seine Entscheidung, den Schnuller wegzugeben, am nächsten Morgen nicht wieder rückgängig machen kann. Entscheidet Ihr Euch für den „Besuch“ der Schnullerfee, solltet Ihr Eurem Kind schon vorher von der Fee erzählen und so die Neugier wecken. Auch einige Bücher, wie zum Beispiel „Die kleine Schnullerfee“ von Liane Hedlund oder „Ein Bär von der Schnullerfee“ von Bärbel Spathelf, lassen die Schnullerfee real werden und unterstützen das Kind dabei, sich vom heißgeliebten Nuckel zu trennen.

Geschenk
Erzählt Eurem Kind das Märchen von der Schnullerfee, die nachts kommt und den Schnuller gegen ein Geschenk austauscht. Bildquelle: © Pexels | pixabay.com

Den Schnuller verschenken

Eine andere Möglichkeit ist es, dass Euer Kind den Schnuller verschenkt. Bekommt in Eurem Freundes- und Bekanntenkreis demnächst jemand ein Baby? Dann fragt Euer Kind, ob es seinen Schnuller an das Neugeborene verschenken und ihm damit eine Freude machen möchte. Im Gegenzug könnt Ihr Euer Kind natürlich mit einem kleinen Geschenk belohnen.

Radikaler Schnullerentzug als letzte Möglichkeit

Will sich Euer Sprössling partout nicht von seinem Schnuller trennen und weder die Schnullerfee noch ein Neugeborenes damit beglücken, könnt Ihr die Entwöhnung entweder noch etwas aufschieben oder hart durchsetzen. Einige Eltern „vergessen“ die Schnuller absichtlich bei einem Besuch bei den Großeltern, finden die verlegten Schnuller angeblich nicht wieder oder lassen sie beim Abkochen im Kochtopf zu lange im heißen Wasser. Dieser „Radikalentzug“, der vermutlich zu Wutanfällen und Tränen führen wird, ist allerdings ziemlich hart für ein Kind und sollte wirklich nur gemacht werden, wenn die anderen Maßnahmen alle nicht fruchten und Euer Kind alt genug ist. Fragt Euch vorher aber unbedingt, warum Euer Kind so sehr an seinem Schnuller hängt und diesen Trost anscheinend braucht. Vielleicht fehlt ihm Aufmerksamkeit oder es bedrückt ihn etwas? Für welche Maßnahme der Schnuller-Entwöhnung Ihr Euch auch entscheidet: Ist die erste schnullerfreie Nacht erst einmal überstanden, sind die meisten Kinder sehr stolz und die schwierigste Phase der Entwöhnung ist geschafft.

Kind schläft
Nach der ersten schnullerfreien Nacht, ist der härteste Schritt überstanden. Bildquelle: © dagon_ | pixabay.com

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