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Alternative Schulkonzepte – was passt zu unserem Kind?

Schule ist wichtig – da sind sich alle einig. Aber wie schafft man es, dass das Kind nicht nur erfolgreich in der Schule ist, sondern dabei auch noch Spaß hat? Ein zentraler Punkt ist, dass das pädagogische Konzept der Schule zum Charakter und Lernverhalten des einzelnen Kindes passen sollte. Nicht für jeden ist die staatliche Regelschule die perfekte Lösung. Wir stellen Euch die verschiedenen staatlich anerkannten Schulmodelle mit ihren Schwerpunkten und Lernformen vor.

Regelschule

Als Regelschulen gelten die staatlichen, allgemeinbildenden Schulen in Deutschland, also sowohl die Grundschulen (mit einer Dauer von vier bis sechs Jahren) als auch die weiterführenden Schulen. Je nach Bundesland gibt es unterschiedliche Schulformen, wie zum Beispiel Gemeinschaftsschulen in Schleswig-Holstein, Stadtteilschulen in Hamburg, Sekundarschulen in Berlin und Mittelschulen in Bayern. In allen Bundesländern gibt es zudem das Gymnasium mit dem Abitur als höchsten Abschluss.

Das pädagogische Konzept der Regelschulen ist ganz individuell. Die meisten weiterführenden Schulen legen sich – bei Einhaltung der bundeslandabhängigen Lehrpläne – auf bestimmte Schwerpunkte und Profile fest. Viele bieten eine Ganztagsbetreuung an. Die Klassengröße ist deutlich höher als an Privatschulen und liegt bei bis zu 30 Schülern. Großer Pluspunkt ist, dass die Regelschulen keine Schulgebühren verlangen.

Waldorfschule

Die Waldorfschulen, oder auch Rudolf-Steiner-Schulen, sind staatlich anerkannte Ersatzschulen, die allerdings einen privaten Träger haben. Meistens handelt es sich um eingetragene Vereine, in denen man als Schüler bzw. Eltern des Schülers Mitglied sein muss. Das Schulgeld richtet sich nach dem Einkommen der Eltern und liegt im Durchschnitt bei 160 Euro pro Monat.

Im Mittelpunkt der Waldorf-Pädagogik steht eine anthroposophische Lebenseinstellung: Der Mensch wird als ganzheitliches Wesen angesehen und soll Körper, Geist und Seele frei entfalten. Intellektuelle, künstlerische, soziale und praktische Fähigkeiten werden gleichermaßen gefördert. Ganz nach dem Motto „Lernen mit Kopf, Herz und Hand“ steht nicht nur die Vermittlung von Wissen auf dem Lehrplan, sondern auch die Förderung von Phantasie, Kreativität, Geschicklichkeit und Selbstvertrauen. Der Fachunterricht erfolgt jeweils in Epochen – einige Wochen lang konzentriert man sich in diesem Unterricht allein auf ein einzelnes Schulfach, z. B. Mathe, Deutsch, Sachkunde etc. Daneben stehen täglich künstlerische Fächer wie Musik, Kunst, Handwerk, Sport etc. auf dem Stundenplan. Ab dem 1. Schuljahr werden zudem zwei Fremdsprachen unterrichtet.

Kunstfächer
Bei Waldorfschulen wird auch das künstlerische Talent der Kinder gefordert. Bildquelle: © ElissaCapelleVaughn | pixabay.com
Auf der Waldorfschule soll jedes Kind individuell gefördert und beurteilt werden – deshalb gibt es auch keinen Leistungsdruck und somit auch keine Noten. Stattdessen erhalten die Schüler Beurteilungen, in denen nicht nur ihr Lernfortschritt, sondern auch die Entwicklung ihrer Persönlichkeit beschrieben wird. Die Schulzeit beträgt im Normalfall 12 Jahre, bei Bedarf kann nach 13 Jahren aber auch die Abitur-Prüfung gemacht werden.

Montessori-Schule

Die Montessori-Schulen sind ebenfalls staatlich anerkannte Ersatzschulen und befinden sich in privater oder auch städtischer Trägerschaft. Das pädagogische Konzept der Montessori-Schule wurde 1906 von der italienischen Ärztin Maria Montessori begründet. In Deutschland gibt es vor allem Grundschulen, die nach diesem Modell unterrichten, aber auch weiterführende Schulen, die zu allen gängigen Abschlüssen bis hin zum Abitur führen. Da die Montessori-Schulen sich beim Lerninhalt an den staatlichen Lehrplänen orientieren, ist ein Wechsel an eine Regelschule theoretisch jederzeit möglich.

Der große Unterschied liegt in der Art des Lernens und der Wissensvermittlung. Getreu dem Motto „Hilf mir, es selbst zu tun“ stehen im Mittelpunkt die Selbstbestimmung und das eigenständige spielerische Lernen des Schülers sowie der zentrale Gedanke, dass jedes Kind einen natürlichen Wissensdurst hat und freiwillig lernen möchte. Ein wichtiger Bestandteil ist deshalb die Freiarbeit, in der die Schüler selber entscheiden, womit, mit wem, wie oft und wie lange sie sich mit einem bestimmten Arbeitsmaterial und Arbeitsschwerpunkt beschäftigen. Da man versucht, sich an der Entwicklung des Kindes und seinen aktuellen Interessen zu orientieren, wird oftmals in altersgemischten Gruppen unterrichtet. Jedes Kind darf ohne Leistungsdruck in seinem eigenen Lerntempo lernen – deshalb gibt es auch keine Noten, sondern nur einen Leistungsbericht, der den Entwicklungs- und Lernfortschritt dokumentiert.

spielerisches Lernen
Bei Montessori-Schulen steht spielerisches Lernen im Vordergrund. Bildquelle: © Mike Fox | pixabay.com
An Montessori-Schulen wird in der Regel ein großes Engagement von Seiten der Eltern begrüßt. Das monatliche Schulgeld (bei den privat geführten Schulen) richtet sich nach dem Einkommen der Eltern und beträgt etwa 200 Euro pro Monat.

Freinet-Schule

Starre Lehrpläne, Frontalunterricht und Notendruck wird man an den Freinet-Schulen, die nach dem Franzosen Célestin Freinet benannt sind, nicht finden. Stattdessen machen Individualität, ein demokratisch abgestimmter Tagesablauf, Teamwork und die Selbstbestimmung der Schüler dieses pädagogische Konzept aus. Die Klassenräume sind in verschiedene Arbeitsbereiche und Ateliers unterteilt, in denen die Kinder selbstbestimmt und spielerisch lernen. Dies erfolgt oftmals in altersgemischten Gruppen. Statt Noten und Zeugnissen gibt es Wochen- und Jahresbilanzen. Ein besonderes Merkmal ist die Rolle des Lehrers. Dieser hat vor allem eine motivierende Funktion, denn die Schüler steuern ihren sehr praxisorientierten Unterricht selber, überlegen sich selber Lerninhalte etc. Dabei gibt es grundsätzlich allerdings eine Unterteilung in die herkömmlichen Fächer.

In Deutschland gibt es vor allem Kindergärten und Grundschulen, die nach diesem Modell arbeiten, aber es existieren auch weiterführende Schulen, an denen es auch möglich ist, sämtliche staatliche Schulabschlüsse zu absolvieren. Vor allem die Freinet-Grundschulen befinden sich oftmals in staatlicher Trägerschaft und kosten somit kein Schulgeld. Die privat geführten Freinet-Schulen verlangen eine Schulgebühr, die – je nach Schule und Einkommen der Eltern – zwischen 100 und 350 Euro beträgt.

Teamwork
Bei der Freinet-Schule wird das Thema Teamwork ganz groß geschrieben. Bildquelle: © Anna Samoylova | unspalsh.com

Internationale Schule

Die Internationale Schule ist keine Ersatz-, sondern eine sogenannte Ergänzungsschule. Eigentlich wurde diese (meist privat geführte) Schulform für Kinder aus Diplomatenfamilien gegründet, die jeweils nur für ein paar Jahre in dem Land oder der Stadt leben und dann weiterziehen. Mittlerweile ist dieses Schulmodell aber auch bei Familien beliebt, die ihre Kinder zweisprachig aufziehen möchten. Denn die Schulsprache an Internationalen Schulen ist meistens Englisch; einige unterrichten auch bilingual. In vielen Internationalen Schulen sind Grundschule und weiterführende Schule unter einem Dach untergebracht – so entsteht ein sehr familiäres Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern. Zudem sind die Klassen oft sehr klein, so dass auf jeden einzelnen Schüler besonders gut eingegangen werden kann.

Es ist allerdings gar nicht so einfach, an einer Internationalen Schule aufgenommen zu werden. Jeder Einzelfall muss von der Schulbehörde überprüft werden. Internationale Schulen haben den Ruf, sehr elitär zu sein, denn das Schulgeld ist mit 500 bis 1.500 Euro pro Monat extrem hoch – das können sich nur die wenigsten Familien leisten. Beliebt ist die Schule vor allem deshalb, weil sie sich an internationalen Bildungszielen orientiert und als Abschluss das International Baccalaureate anbietet – ein Schulabschluss, der in vielen Ländern auf der ganzen Welt anerkannt wird und zum Hochschulzugang berechtigt.

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