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Ratgeber Segelboot

Ihr plant die Anschaffung eines Segelbootes oder möchtet Euch einfach nur über das Segeln informieren? Dann sied Ihr hier genau richtig. In diesem Artikel erfahrt Ihr alles Wissenswerte über Segelboote – von der Definition eines Segelbootes über seine Funktionsweise bis hin zu Detailfragen. Aber fangen wir mal ganz von vorne an…

Was ist überhaupt ein Segelboot?

Bei einem Segelboot handelt es sich um ein Sportboot, das sich durch die Kraft des Windes fortbewegt. Kleine, leichte und sportliche Boote werden Jollen genannt, größere hingegen werden als Segelyacht bezeichnet – insbesondere dann, wenn sie mit einer Kajüte ausgestattet oder länger als zehn Meter sind. Die verschiedenen Segelboote unterscheiden sich jedoch nicht allein durch ihre Größe, sondern auch durch eine Vielzahl anderer Merkmale.

Welche Segelboote gibt es?

Neben den eben bereits erwähnten Jollen und Yachten, lassen sich noch zahlreiche weitere Arten von Segelbooten unterscheiden, zu denen unter anderem Schoner, eine Ketsch und eine Yawl zählen. Um Boote zu kategorisieren, muss man zunächst einmal wissen, welche Teile im Wasser schwimmen (Rumpf), über dem Wasser in den Himmel ragen (Rigg/Takelung) und sich unter Wasser befinden (Rigg/Takelung).

Konkret bedeutet das, dass Segelboote beispielsweise einen, zwei oder drei Rümpfe besitzen können. Boote mit einem Rumpf nennt man Einrumpfboot, während solche mit zwei oder drei Rümpfen Katamaran beziehungsweise Trimaran genannt werden.

Gleiches gilt für die Anzahl der Masten und ihre Position an Deck. Sie sind ein weiteres Merkmal, durch das sich die unterschiedlichen Segelboote differenzieren lassen, beispielsweise zwischen Slup und Kutter. Beide besitzen einen Mast sowie zwei Segel, unterscheiden sich jedoch durch die Position des Mastes an Deck.

Schließlich lassen sich die Segelboottypen noch durch den Anhang unter dem Rumpf unterscheiden. Bei den Anhängen gibt es einen Unterschied zwischen dem Kiel und dem Schwert. Ersteres bezeichnet eine Finne unter dem Segelboot, die auch ein großes Gewicht enthält. Letzteres besteht aus einem flachen Profil und lässt sich absenken oder hoch holen.

Kutter
Kutter und Slup unterscheiden sich durch die Positionierung des Mastes. Bildquelle: © Jaromír Kavan | unsplash.com

Wie funktioniert ein Segelboot?

Beim Segeln wirkt die Kombination zweier Kräfte: der Vortrieb durch Widerstand sowie der Vortrieb durch Auftrieb. Beim Vortrieb durch Widerstand bläst der Wind in die Segel und schiebt das Boot dadurch vorwärts. Hierbei hat man jedoch keinen Einfluss auf die Richtung, denn man wird immer nur dorthin geschoben, wohin der Wind gerade bläst.

Deswegen kommt nun der Vortrieb durch Auftrieb ins Spiel. Das heißt: Je weiter ein Segelboot an den Wind herangeht, desto mehr werden die Segel gewölbt. Die Windströmung geht nun am Segel vorbei und zieht das Boot, ähnlich wie beim Unterdruck an dem Tragflügel eines Flugzeuges. Dies klappt, weil die Luft, die außen am Segel vorbeizieht, einen weiteren Weg zurücklegen muss als die Luft, die innen entlang strömt.

Aus dem geringeren Druck außen und dem stärkeren Druck innen entwickelt sich eine schräg nach vorn weisende Kraft. Anders als bei einem Flugzeug zieht der Auftrieb ein Boot jedoch nicht nach oben, sondern nach vorne.

Warum kann ein Segelboot schneller als der Wind segeln?

Segler machen sich zwei Winde zunutze: den wahren Wind und den Fahrtwind. Der wahre Wind ist der meteorologische Wind. Der Fahrtwind bezeichnet den Wind, der durch die Bewegung eines Schiffes erzeugt wird, also der „Gegenwind“. Die Mischung beider Luftströmungen nennt sich der scheinbare Wind.

Als Faustregel gilt: Mehr Wind führt zu mehr Kraft im Segel und somit auch zu einem größeren Tempo. Wenn der Wind direkt von hinten kommt, reduziert sich mit steigender Bootsgeschwindigkeit die Windgeschwindigkeit. Das führt dazu, dass sich der wahre Wind und der Fahrtwind irgendwann komplett aufheben. Kommt nun die zweite Kraft, also der Auftrieb ins Spiel, kann ein Segelboot enorm schnell werden.
Es kann sogar noch höhere Geschwindigkeiten durch den Auftrieb erreichen als mithilfe des Antriebs durch den Rückenwind. Man kann also durchaus sagen, dass ein Segelboot schneller als der Wind segeln kann.

Segel
Ein Segelschiff gewinnt an Geschwindigkeit durch den wahren Wind und den Fahrtwind. Bildquelle: © Kelly Sikkema | unsplash.com

Welche Segelboote sind hochseetauglich?

Bei der Frage, welche Boote hochseetauglich sind, scheiden sich die Geister. Denn eine konkrete Antwort gibt es nicht. Schließlich waren die Segelboote, mit denen bereits die Welt umsegelt wurden, so unterschiedlich wie ihre Eigner selbst. Ein paar Kriterien lassen sich dennoch festlegen.

Ein hochseetaugliches Segelboot sollte mindestens so groß sein, dass man ausreichend viel Nahrung und Wasser für die längsten Etappen ohne Hafen mit sich führen kann. Weil man bei einer Weltumseglung zudem die meiste Zeit an Bord verbringt, sollte Komfort die zentrale Eigenschaft eines Segelbootes sein. Bequemlichkeit beispielsweise durch ein schützendes Deckhaus, lässt sich weitaus höher bewerten als die Segeleigenschaften eines Bootes.

Die ideale Blauwasseryacht hat außerdem möglichst wenig Tiefgang, damit man auch in kleineren Buchten oder beschaulichen Häfen anlegen kann. Sie ist zudem zweckmäßig und zuverlässig ausgestattet. Weiterhin zeichnet sie sich durch eine solide Bauweise aus. Ein hochseetaugliches Segelboot kann aus Aluminium, GfK, Holz, Kunststoff oder Stahl sein.

Welchen Segelschein braucht man?

Wer in Deutschland segeln will, benötigt einen Segelschein. Dabei gibt es eine große Auswahl an Pflichtscheinen und freiwilligen Segelscheinen. Zu den gesetzlich vorgeschriebenen Pflichtscheinen zählen die beiden Sportbootführerscheine. Für die Küste benötigt man den Sportbootführerschein See, für Binnengewässer ist der Sportbootführerschein Binnen erforderlich. Dabei handelt es sich sozusaagen um den Führerschein für Jollen.

Den Sportbootführerschein muss man stets bei sich führen und vorzeigen, falls man beispielsweise von der Polizei kontrolliert wird. Obwohl der Sportbootführerschein See ein reiner Motorbootschein ist, ist er auch für Segler unerlässlich, wenn ihre Segelboote mit einem Hilfsmotor mit mehr als 15 PS ausgestattet sind. In unserem Ratgeber Sportbootführerschein – Kosten Tipps & Infos haben wir alle wichtigen Informationen für Euch zusammengefasst.

Neben dem Sportbootführerschein See benötigt jeder Skipper außerdem den Pyroschein, einen Fachkundenachweis nach Sprengstoffrecht. Dieser ist Pflicht, wenn Fallschirmraketen an Bord sind, und dies ist bei allen Charterbooten an der Küste der Fall.

Beim Sportküstenschiffer-Schein, einem freiwilligen Segelschein, erlernt man schließlich die Kunst des Segelns auf See. Er ist dasselbe wie der Sportbootführerschein Binnen, allerdings für Segelyachten. Darüber hinaus gibt es noch den Sportseeschiffer-Schein(SSS-Schein) und den Sporthochseeschiffer-Schein (SHS-Schein), die jedoch für normale Segler nicht von Bedeutung sind.

Segelschein
Welchen Segelschein Ihr braucht, hängt davon ab wo und mit welchem Schiff Ihr segeln möchtet. Bildquelle: © Bobby Burch | unsplash.com

Welche Segelboote sind führerscheinfrei? Was kostet ein Segelschein?

Fahren ohne Führerschein ist auf deutschen Gewässern mit Booten bis zu 15 Metern Länge und einer Motorisierung mit bis zu 15 PS erlaubt. Dementsprechend sind die meisten Schlauchboote mit Segeln sowie Optimisten oder Kanus mit Treibersegel führerscheinfrei.

Allerdings ist es grundsätzlich schon sinnvoll, einen Segelschein zu machen, insbesondere wenn man öfter ein Segelboot mieten will. Die Preise für einen Segelschein Binnen liegen – inklusive Kurs, Prüfung und Lehrmaterialien – zwischen 500 und 700 Euro. Die Kosten für einen Segelschein See belaufen sich auf 400 bis 600 Euro. Für den Sportküstenschiffer-Schein werden 400 bis 500 Euro fällig.

Was kostet ein Segelboot? Was kostet der Unterhalt?

Kleinere Boote sind preiswerter in ihrer Anschaffung als große, insbesondere dann, wenn man sie gebraucht kauft. Sie sind außerdem günstiger im Unterhalt. Selbst das Bootszubehör ist für ein kleineres Boot günstiger als für ein großes. Kein Wunder: Größere Teile entsprechen natürlich auch größeren Kosten. In unserem Ratgeber Bootszubehör verraten wir, was Ihr an Bord eines Bootes benötigt.

Für die Berechnung des Unterhaltes (Pflege, Liegeplatz, Versicherung und Reparaturen) gibt es eine einfache Faustregel. Diese besagt, dass die Ausgaben für ein Boot rund zehn Prozent des Kaufpreises (Neupreis) betragen. Bei einem Kaufpreis von 10.000 Euro würden sich die Unterhaltskosten demnach auf 1.000 Euro jährlich belaufen.

großes Segelschiff
Der Preis eines Segelschiffes hängt stark von seiner Größe ab. Bildquelle: © Austin Neill | unsplash.com

Welches Segelboot für Anfänger / Familien?

Bevor Ihr einfach los lauft und Euch ein Segelboot kauft, solltet Ihr ein paar Fragen beantworten. Welches Revier wöllt Ihr befahren? See oder Binnen? Wie viel Komfort benötigt Ihr auf Eurem Boot? Möchtet Ihr an Bord übernachten? Wie groß ist Eure Crew? Sollen Kinder mit segeln? Wollt Ihr ausschließlich Tagesausflüge mit deinem Segelboot machen oder längere Törns absolvieren? Bevorzugt Ihr es eher sportlich oder gemütlich? Möchtet Ihr Euer Segelboot neu oder gebraucht kaufen?

Soll sich das Boot zudem für den Straßentransport eignen? Wie ist es um deine körperliche Fitness bestimmt und wie viel Segelerfahrung habt Ihr? Wie wichtig ist Euch Geschwindigkeit? Ihr seht also, es gibt keine klare Empfehlung, welches Boot für Anfänger oder Familien optimal ist. Denn es kommt vielmehr auf deine eigenen Vorstellungen und Bedürfnisse an. Der oben aufgeführte Fragenkatalog kann Euch hoffentlich dabei helfen, dem eigenen Segelboot einen kleinen Schritt näher zu kommen.

Gleiches gilt übrigens auch für das Segelrevier. Welches Segelboot Ihr für Ostsee, Nordsee, Mittelmeer, Weltumseglung, Hochsee oder diverse Flüsse benötigt, lässt sich ebenfalls nicht pauschal sagen. Am besten tauscht Ihr Euch bei diesem Thema mit Experten aus. Es gibt zahlreiche Foren, in den denen Euch erfahrene Segler mit guten Tipps für den Bootskauf zur Seite stehen und Euch ihre eigenen Erfahrungswerte weitergeben können.

Auch die Fragen, welcher Motor, Außenborder oder Anker sowie welche Batterie und Lichter für ein Segelboot am besten geeignet sind, lassen sich hier nicht pauschal beantworten. Denn da es eine Vielzahl an Bootarten gibt, sollte sich ein Neuling auch hierbei am besten beraten lassen. Eine allgemeine Empfehlung gibt es nicht, denn es kommt immer auf den individuellen Anwendungsbereich an.

Welche Versicherung braucht man für ein Segelboot? Was kostet eine Versicherung?

Besitzer von Segelbooten können sich mit einer Bootshaftpflichtversicherung gegen Schäden absichern, die sie mit ihrem Gefährt an Dritten verursachen. Die Versicherung schließt dabei sowohl Sach- als auch Personenschäden mit ein. Darüber hinaus lassen sich Segelboote auch mit einer Bootskaskoversicherung versichern. Diese kommt für Schäden am eigenen Schiff und an dem Zubehör auf.

Wenn man sich im Urlaub ein Boot ausleiht, ist unter Umständen auch eine sogenannte Skipperhaftpflicht sinnvoll. Diese schützt den Skipper vor Ansprüchen Dritter, wenn durch sein Fehlverhaltens entweder das Boot oder die Crewmitglieder zu Schaden kommen. In Deutschland ist die Bootshaftpflicht zur Zeit noch keine gesetzliche Pflichtversicherung, während sie in einigen EU-Ländern bei Wasserfahrzeugen zwingend vorgeschrieben ist.

Für die Berechnung der Versicherungstarife werden zahlreiche Faktoren berücksichtigt wie beispielsweise die Art des Wasserfahrzeugs oder das Fahrtgebiet. Anbieter für Bootsversicherungen gibt es zahlreiche und es lohnt sich, die verschiedenen Tarife zu vergleichen.

Schiffwrack
In Deutschland ist die Bootshaftpflicht zur Zeit noch keine gesetzliche Pflichtversicherung. Bildquelle: © WEB AGENCY | unsplash.com

Welche Schuhe trägt man auf einem Segelboot?

Die richtige Schuhauswahl spielt bei Segeln eine entscheidende Rolle. Wichtig ist, dass die Sohle der Schuhe, die man an Bord eines Segelbootes trägt, rutschfest ist. Segelschuhe müssen ihrem Träger außerdem einen guten Halt bieten. Darüber hinaus sollte das Schuhwerk atmungsaktiv und wasserdicht sein. Wichtig ist zudem, dass die Bordschuhe eine helle und abriebfeste Sohle besitzen, sonst kann sich der Skipper über dunkle Abriebspuren an Deck freuen.

Kann ein Segelboot kentern? Wann kentert ein Segelboot?

Wenn ein Boot umkippt und daraus resultierend auf der Seit schwimmt, spricht man vom Kentern. Ein Segelboot kann beispielsweise dann kentern, wenn seine Stabilität kleiner ist als eine von außen gegen sie wirkende Kraft. Alternativ kann auch eine Schwerpunktveränderung, zum Beispiel durch eindringendes Wasser, zum Kentern eines Segelbootes führen.

Es ist nicht vorgesehen, dass große Schiffe oder Boote kentern. Denn dies kann sowohl für das Schiff als auch für die Besatzung ausgesprochen gefährlich sein. Kleinere Segelboote kentern hingegen relativ häufig. Daher zählt das Verlassen und Aufrichten des Segelbootes nach einer Kenterung zum Basiswissen eines jeden Wassersportlers.

Segelschiff kentert
Bei kleineren Booten ist es wichtig zu wissen wie man reagieren soll, wenn das Boot kentert. Bildquelle: © Alin Meceanu | unsplash.com

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