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Ratgeber Skateboard: Rauf aufs Brett!

Das Skateboarden, oder auch Skaten, ist eine tolle Freizeitsportart, die nicht nur Spaß macht, sondern auch fit hält. Es schult nicht nur das Gleichgewicht und die Körperbeherrschung, sondern trainiert auch die Ausdauer. Anfangs übt Ihr vielleicht erst einmal, Euch vom Boden abzustoßen, in Fahrt zu kommen und nicht sofort das Gleichgewicht zu verlieren. Doch im Laufe der Zeit eignet Ihr Euch immer neue Tricks an und entwickelt einen persönlichen Fahrstil. Wir möchten Euch die Freizeitsportart Skateboarding näher vorstellen: Im Folgenden zeigen wir Euch, worauf es beim Einkauf des passenden Skateboards ankommt, für welche Altersgruppen dieser Sport geeignet ist und wie Ihr den besten Einstieg findet. Vorerst jedoch soll es erst einmal um das Skateboard an sich gehen.

Woher kommt das Skateboard?

Skateboard heißt zu Deutsch nicht viel mehr als Rollbrett. Es handelt sich tatsächlich um ein relativ einfaches Brett, auch Deck genannt, welches mit zwei Achsen und vier Rollen versehen ist. Die Achsen sind auch unter dem Begriff Trucks bekannt, die Rollen unter dem Begriff Wheels. Wie so viele andere Sportgeräte kommt auch das Skateboard aus den USA. In den 1950er Jahren kamen Surfer in Südwestkalifornien auf die Idee, kleine Rollen unter ihre Surfbretter zu montieren, um so auch auf Beton surfen zu können, sollte der Wellengang mal nicht optimal sein: Der Asphaltsurfer war geboren! In den 1970er Jahren wurden Rollen aus Kunststoff erfunden, die das Fahrgefühl erheblich verbesserten. Die Begeisterung für das Skaten wuchs stetig. Da die Surfer/Skater mit ihren Brettern jedoch nicht auf normalen Straßen fahren durften, mussten sie ausweichen. Sie nutzten beispielsweise leer stehende Swimmingpools, um ihrer Leidenschaft zu frönen. Da die Wände US-amerikanischer Pools zumeist abgerundet ist, konnten die Skater die Wände hochgehen und erfanden so ganz beiläufig die berühmte Halfpipe.

Im Verlauf der Zeit haben Skater nicht nur immer neue Tricks ausgearbeitet. Auch das Skateboard selbst wurde stetig weiterentwickelt. Heute gibt es mittlerweile 13 unterschiedliche Skateboardtypen wie beispielsweise das Allterrainboard, eine Mischung aus Skateboard und Snowboard, das wie der Name schon sagt besonders lange Longboard, welches tatsächlich der Vorgänger des heute beliebten Skateboards ist, das aus drei Segmenten bestehende und somit besonders flexible Snakeboard und das einspurige Waveboard. Wir wollen uns im Folgenden auf das klassische Skateboard konzentrieren, um Euch einen guten Überblick über das Thema zu vermitteln und Euch den Einstieg in das Skateboarding zu erleichtern.

Was ist beim Kauf eines Skateboards wichtig?

Um ein passendes Skateboard auswählen zu können, solltet Ihr Euch zuallererst mit dem grundsätzlichen Aufbau dieses Sportgeräts und den entscheidenden Fachbegriffen vertraut machen.

Deck, Grip und Trucks

Das Deck, also das Brett, besteht grundsätzlich aus Holz, wobei kanadisches Ahornholz für besonders hohe Leistungsfähigkeit sorgt. Eine Mischung aus kanadischem Ahorn und anderen Hölzern ist aber genauso zulässig wie die ausschließliche Verwendung anderer Hölzer. Belegt ist das Brett mit einem Belag, der ähnlich rau wie Sandpapier ist und Grip genannt wird. Die Trucks bezeichnen die Verbindungselemente zwischen Deck und den Wheels genannten Rollen. Je nachdem, wie Ihr die Achse einstellt, erzielt Ihr ein eher hartes oder weiches Fahrverhalten Eures Skateboards.

Skateboarddeck
Der besondere Belag des Skateboards sorgt für guten Halt. Bildquelle: © The Nigmatic | unspalsh.com

Die Form des Decks

Die Form des Decks ist für Euch ein entscheidendes Kriterium bei der Auswahl des passenden Skateboards, denn unterschiedliche Formen bringen unterschiedliche Merkmale mit. Ein weniger als acht Zoll breites Brett ist besonders wendig und präzise, lässt sich aber immer noch gut kontrollieren. Besonders breite Bretter bieten jedoch auch mehr Stabilität und Sicherheit, was sich gerade für Anfänger als ein Pluspunkt erweist. Mit einem Skateboard, das eine kleine konkave Wölbung aufweist, erzielt Ihr hohe Geschwindigkeiten, wohingegen eine große konkave Wölbung eine einfache Handhabung garantiert. Je kleiner das Skateboard ist, desto besser eignet es sich für Tricks auf der Rampe oder im Skatepark. Für Anfänger und alle, die eher gemütlich auch auf weiteren Strecken unterwegs sind, empfiehlt sich ein größeres Skateboard.

Lager und ABEC

Ebenfalls entscheidend bei der Auswahl sind die Lager, von denen jedes Brett mit insgesamt acht Stück ausgestattet ist, also mit zwei Lagern pro Rolle. Die Laufruhe und Präzision der Lager wird nach dem international gültigen ABEC-Standard kategorisiert, und zwar von 1 bis 9. Die Bezifferung gibt Auskunft darüber, für welchen Fahrer, welchen Fahrstil und welches Terrain das Lager geeignet ist – und natürlich auch über den Preis. So steht ABEC 1 beispielsweise für ein einfaches Lager, das wenig präzise, dafür aber auch besonders günstig ist. ABEC 5 ist das universellste Lager und wird besonders häufig für Skateboards verwendet. Eine größtmögliche Geschwindigkeit beispielsweise bei Bergabfahrten erlaubt nur der ABEC 9. Je nachdem, wie und wo Ihr Skaten möchtet, wählt Ihr also das passende Lager. Für Fahrten auf der Rampe beispielsweise empfiehlt sich ABEC 7, während für Fahrten auf der Straße oder im Skatepark auch ABEC 3 oder 5 ausreichend sind.

Die Rollen

Ebenso wie unterschiedliche Lager gibt es auch unterschiedliche Rollen. Je nach Bedarf sollten sie unterschiedliche Maße, Formen und einen speziellen Härtegrad aufweisen. Letzterer bewegt sich gemeinhin zwischen 92A und 101A. Je niedriger der Härtegrad, also je weicher die Rolle, desto höher ist die Haftung auf unterschiedlichen Bodenbelägen. Für Anfänger eignen sich deshalb eher weichere Rollen. Härtere Rollen bieten zwar weniger Haftung, werden aber gerne von fortgeschrittenen Skatern verwendet. Sie sind nicht nur schnell und widerstandsfähig, sondern erlauben es dem Fahrer, anspruchsvolle Tricks durchzuführen. Was die Größe angeht, erweist sich ein Durchmesser zwischen 52 und 55 Millimetern als optimal für das Skaten in der Stadt oder auch im Skatepark. Wer besonders gerne ausgiebig cruist, sollte Rollen mit einem Durchmesser von mehr als 60 Millimetern wählen, während Fahrten auf der Rampe Rollen mit einem Durchmesser zwischen 55 und 60 Millimetern erfordern. Besonders kleine Rollen mit einem Durchmesser von weniger als 52 Millimetern sind ausschließlich für das Skaten in der City geeignet.

Skateboardtrick
Fortgeschrittene Skatboarder bevorzugen Rollen mit einem höheren Härtegrad. Bildquelle: © Travis Yewell | unspalsh.com

Skateboards: Marken und Preise

Glücklicherweise handelt es sich beim Skateboard um ein verhältnismäßig preiswertes Freizeitsportgerät, sodass Ihr nicht allzu tief in die Tasche greifen müsst, wenn Ihr mit Eurem neuen Hobby beginnt. Für Kinder gibt es solide Boards bereits ab circa 19,99 Euro und Anfänger können zum Ausprobieren auch erst einmal ein günstigeres Board ab etwa 40 Euro wählen.

Zu den besten Marken 2018 hat ExpertenTesten unter anderem Globe Diablo, Apollo, HanssonSports und Hudora gewählt. Als eindeutiger Sieger mit der Top-Note 1,1 konnte sich das Element Team Section 7.5 Skateboard durchsetzen. Dieses Board aus 7-lagigem kanadischem Ahorn überzeugt als bestes Skateboard auf dem Preisniveau (84,93 Euro), einem ABEC 3-Kugellager und Rollen mit einem Durchmesser von 50 Millimetern und einer Härte von 98 A.

Zusätzlich zum Skateboard selbst solltet Ihr Euch die notwendige Schutzausrüstung zulegen. Skatehelme sind ab circa 17,95 Euro erhältlich. Protektoren für die Ellbogen, Knie und Handgelenke bekommt Ihr im Set schon ab etwa 14,95 Euro.

Skateboards für Anfänger und Kinder

Zusammengefasst kann man sagen: Anfänger sollten sich für ein Deck entscheiden, das mindestens 8 Zoll breit ist, aber auch ruhig breiter als 8,25 Zoll sein darf. Ein breites Brett bietet eine ausreichend große Standfläche, Stabilität und höchstmögliche Kontrolle bei der Fahrt. Ebenfalls entscheidend ist ein Lager mit ABEC 3 oder 5 sowie weiche Rollen mit einem mittleren Durchmesser für eine gute Bodenhaftung und ein angenehmes Fahrgefühl auf der Straße und im Skatepark.

Für Kinder gelten ähnliche Kriterien wie für Anfänger. Wichtiger als die Länge des Skateboards, ganz unabhängig vom Alter des Kindes, ist die Breite. Ab vier Jahren können kleine Skater getrost die ersten Versuche auf dem eigenen Brett wagen, sofern es Ihren Bedürfnissen entspricht. Sicherheit bietet wie gesagt ein breites Deck mit soliden Trucks, weichen Rollen und einem Lager mit niedrigem ABEC, sodass die Fahrt nicht allzu rasant ausfällt. Wollt Ihr Eurem Kind eine Freude machen und ihm ein Skateboard schenken, solltet Ihr es bei der Entscheidung mit einbeziehen. Für Kinder ist die Optik nämlich entscheidender als die notwendige Sicherheit. Viele Hersteller bieten eine große Auswahl an bunten Skateboards speziell für Kinder an, sodass bestimmt auch Euer Nachwuchs ein Brett finden wird, das ihm gefällt.

Kind Skateboard
Beim Üben sollten Helm und Schoner natürlich auch nicht fehlen. Bildquelle: © Isiah Bekkers | unspalsh.com

Wo Ihr Skateboard fahren lernen könnt

Habt Ihr Euch ein Brett ausgesucht, geht es ans Eingemachte: Ihr lernt fahren! Vorerst jedoch solltet Ihr Euch darüber informieren, wo das Skateboarden überhaupt erlaubt ist. Für Skateboards gelten in Deutschland nämlich die straßenverkehrsrechtlichen Vorschriften für Fußgänger. Das bedeutet, dass Ihr weder auf Fahrbahnen, noch auf Radwegen fahren dürft. Euch bleibt also nur Gehwege oder speziell ausgewiesene Freizeitgelände wie etwa Skateparks.

Am besten geht Ihr zum Üben also in einen Skatepark in Eurer Nähe. Dort könnt Ihr ganz ungestört probieren, probieren, probieren. Macht Euch die Anwesenheit anderer, erfahrenerer Skater jedoch nervös, könnt Ihr Euch auch erst einmal an ein stilles Plätzchen zurückziehen. Sucht Euch dazu eine freie Fläche, zum Beispiel auf einem leeren Parkplatz. Achtet darauf, dass der Bodenbelag ebenmäßig ist und achtet bitte vor allem auf Eure Sicherheit! Es muss sich auf jeden Fall um eine verkehrsbefreite Zone halten, sodass Ihr nicht Gefahr lauft, von einem Auto angefahren zu werden. Berücksichtigt auch Passanten oder spielende Kinder. Je ruhiger der Ort ist, an dem Ihr übt, desto besser. Zur Sicherheit gehört es übrigens auch, Eure empfindlichen Körperstellen wie Kopf, Ellbogen, Knie und Hände zu schützen. Besorgt Euch also vor der ersten Probefahrt passende Protektoren.

Wie Ihr am besten Skateboard fahren lernt

Bevor es losgeht, müsst Ihr Euch erst einmal orientieren: Wo ist eigentlich vorne und wo hinten an Eurem Skateboard? Der vordere Teil, auch Nose genannt, entscheidet sich nur minimal vom hinteren Tail. Beide Enden sind nach oben gebogen, wobei die Nose etwas länger ist als das Tail.

Habt Ihr die Nose identifiziert, stellt Ihr Euch auf das Brett. Dabei solltet Ihr den Fuß nach vorne setzen, mit dem Ihr den ersten Schritt machen würdet, wenn Ihr das Gleichgewicht verliert. Das könnt Ihr ausprobieren, indem Ihr Euer Körpergewicht im Stand mit geschlossenen Beinen so lange nach vorne verlagert, bis Ihr nicht mehr stehen könnt. Der Fuß, der nun nach vorne tritt, sollte auch vorne auf dem Skateboard stehen. Ist es der linke Fuß, sprechen Skater von Regular. Beim rechten Fuß ist von Goofy die Rede.

Stellt also den richtigen Fuß vorne auf das Brett und stoßt Euch mit dem anderen Fuß kontrolliert vom Boden ab. Wenn Ihr Euch sicher fühlt, könnt Ihr auch den hinteren Fuß aufs Brett setzen. Wichtig ist, dass Ihr die Schultern immer parallel zum Brett haltet. Nur der Kopf zeigt nach vorne in die Richtung, in die Ihr fahren möchtet. So haltet Ihr die Balance und stürzt nicht gleich beim ersten Versuch vom Brett.

Lenken könnt Ihr Euer Skateboard, indem Ihr – mit beiden Beinen auf dem Brett – das Gewicht nach hinten auf das Tail verlagert und das Brett mit dem vorderen Fuß in die gewünschte Richtung zieht. Das Bremsen ist ebenfalls recht leicht durchzuführen: Entweder Ihr verlangsamt die Fahrt, bis Ihr den hinteren Fuß auf den Bodenbelag setzen könnt, um so zum Halten zu kommen, oder aber Ihr verlagert Euer Gewicht ganz nach hinten und drückt das Tail mit dem hinteren Fuß nach unten auf dem Boden. Diese Bremstechnik ist auch schon Euer erster Trick: Wenn Ihr das Tail auf den Boden presst und so die Nose nach oben reißt, wird das auch Pop genannt!

Skateboard bremsen
Das Bremsen sollte der erste „Trick“ sein den Ihr lernt. Bildquelle: © The Nigmatic | unspalsh.com

Skateboard Tricks für Anfänger

Fühlt Ihr Euch allmählich sicher auf Eurem Skateboard, könnt Ihr Euch auch schon an den ersten Tricks versuchen. Das Springen mag Euch vielleicht zu gewagt vorkommen, im Grunde genommen ist es jedoch nur eine Übungssache. Probiert es zunächst mit einem Ollie. Dieser Trick, 1976 erfunden vom Skater Alan „Ollie“ Gelfand, bildet die Basis für alle weiteren Kunststücke.

Nehmt zunächst Fahrt auf und lasst beide Füße auf dem Brett. Dabei sollte der vordere Fuß zwischen der Boardmitte und der vorderen Achse stehen, der hintere Fuß mit dem Ballen mittig auf dem Tail. Nun geht Ihr in die Hocke und drückt das Tail schnell Richtung Boden. Sobald das Board den Boden berührt, knickt Ihr den vorderen Fuß leicht ab und zieht die Schuhaußenseite über das Grip bis hin zur Nose – so reißt Ihr das Brett in die Luft, während beide Füße Kontakt mit dem Grip halten. Bei der Landung gilt es, die Füße über den Achsen zu halten. So haltet Ihr die Balance am besten und schont zudem Euer Deck. Geht außerdem in die Hocke, um den Aufprall abzufedern und das Gleichgewicht besser zu halten. Klingt kompliziert? Probiert es einfach so lange aus, bis es klappt und freut Euch über Euren ersten Skatetrick!

Neben dem Ollie gibt es natürlich viele weitere Tricks, die Ihr nach und nach meistern könnt. Zu den gängigen Tricks gehören beispielsweise Sprünge, bei denen Ihr Euch gleichzeitig dreht, genannt Flips und Shove-ist. Bei Slides und Grinds rutscht Ihr mit dem Deck über einen Gegenstand, wie etwa eine Bordsteinkante oder ein Geländer. Grab Tricks kommen dann zum Einsatz, wenn Ihr Euer Brett während eines Sprungs mit den Händen berührt und selbstverständlich könnt Ihr all diese Tricks auch zu ausgeklügelten Kombinationen kombinieren. Sobald Ihr die Basistricks beherrscht, könnt Ihr Euch auch der Herausforderung stellen und viele weitere Manöver wie etwa die Vert-Tricks in der Halfpipe oder Freestyle-Tricks auf dem Boden meistern.

Letztlich benötigt Ihr einfach nur ein wenig Geduld und viel Ausdauer, denn wie so oft gilt auch in Fall des Skateboardens: Übung macht den Meister! Wir wünschen Euch auf jeden Fall viel Spaß beim Skaten!

Skateboard Slide
Mit viel Übung könnt Ihr später auch noch schwierigere Tricks erlernen. Bildquelle: © Alyssa Kibiloski | unspalsh.com

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