Karrierekompass

Abmahnung: Wenn der Chef Ihnen die gelbe Karte zeigt

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Wenn Arbeitnehmer sich daneben benehmen oder ihren Pflichten nicht nachkommen, greifen Chefs zur Abmahnung. Doch nicht jede Abmahnung ist berechtigt. Und doch kann sie unschöne Folgen haben. Was tut man also, wenn man abgemahnt wird?

1. Was ist eine Abmahnung?

Eine Abmahnung ist eine Verwarnung, die der Arbeitgeber an seinen Mitarbeiter ausspricht. Er zeigt ihnen quasi die gelbe Karte. Der Arbeitgeber will damit anzeigen, dass der Mitarbeiter gegen eine vertraglich vereinbarte Regel verstößt. Das kann Pünktlichkeit sein, die Einhaltung der Arbeits- oder Pausenzeiten oder andere Verstöße. Nicht abgemahnt werden können Vorfälle, die Sie nicht selbst verschuldet haben, etwa Fehltage wegen Krankheit.

2. Wie sieht eine Abmahnung aus?

Eine Abmahnung kann theoretisch auch mündlich ausgesprochen werden. Das ist in der Praxis aber kaum der Fall, da diese Form juristisch kaum zu gebrauchen ist. Abmahnungen müssen sich konkret auf ein präzise genanntes Verhalten beziehen. Es reicht also nicht, wenn dort steht, der Arbeitgeber sei permanent unpünktlich oder arbeite schlecht. Details sind wichtig. Auch muss zum Ausdruck kommen, dass es sich bei dem abgemahnten Vorfall um einen Vertragsverstoß handelt, den der Arbeitnehmer abstellen soll.

3. Was ist der Unterschied zu einer Ermahnung?

Manche Arbeitgeber zieren sich, das harte Wort Abmahnung zu verwenden und sprechen lieber von einer Ermahnung. Doch Vorsicht: Rechtlich macht dies keinen großen Unterschied. Wenn Ihr Arbeitgeber Sie schriftlich ermahnt, Ihr Verhalten zu ändern, sollten Sie das genau so ernst nehmen wie eine Abmahnung. Nur weil ein anderes Wort darüber steht, kann es dasselbe bedeuten.

4. Wie viele Abmahnungen braucht es bis zur Kündigung?

Der Allgemeinglaube, dass erst nach der dritten Abmahnung eine Kündigung ausgesprochen werden kann, ist falsch. Eine Abmahnung reicht. Genau wie eine gelbe Karte im Sport. Allerdings muss noch ein Bezug da sein. Wer vor fünf Jahren eine Abmahnung bekommen hat, kann heute nicht mehr aus demselben Grund gekündigt werden. Es liegt ja auf der Hand, dass das Verhalten sich gebessert hat.

5. Warum werden Abmahnungen ausgesprochen?

Abmahnungen geben dem Arbeitgeber ein Stück Rechtssicherheit im Falle einer Kündigung. Denn bei einer außerordentlichen Kündigung reichen Unpünktlichkeit oder kleine Rechtsverstöße, etwa bei Bagatelldiebstählen im Bereich geringer Cent- oder Eurobeträge, nicht aus. Der Mitarbeiter hat eine Chance verdient, sich zu bessern, ehe der Chef ihn vor die Tür setzt. Wurde das Verhalten jedoch abgemahnt, ohne dass sich etwas ändert, kann der Arbeitgeber es als Anlass auch für eine fristlose Kündigung nehmen.

6. Wie sollte man auf eine Abmahnung reagieren?

Sie haben in jedem Fall das Recht, eine Stellungnahme abzugeben. Das sollten Sie besonders dann tun, wenn Sie die Abmahnung als ungerechtfertigt empfinden. In diesem Fall können Sie verlangen, dass der Arbeitgeber die Abmahnung zurück nimmt. Hier hilft es, den Betriebsrat oder im Zweifel sogar einen Anwalt einzuschalten. Zudem sollten Sie Beweise sichern. Können Sie belegen, dass Sie doch pünktlich waren oder dass das Fehlverhalten nicht Ihre Schuld war?

7. Kommt die Abmahnung in die Personalakte?

Bevor der Arbeitgeber die Abmahnung in die Akte geben kann, muss er Sie zu dem Vorfall anhören – und dies natürlich dokumentieren. Für Mitarbeiter im öffentlichen Dienst ist dies schon länger geregelt. Mittlerweile wird dieses Vorgehen auch in anderen Bereichen angewendet. Man sollte also vorsichtig sein, ehe man etwa ein Protokoll oder ein anderes Papier unterzeichnet, das die Abmahnung belegt.

8. Bis wann muss der Chef abmahnen?

Grundsätzlich gibt es keine Frist. Der Arbeitnehmer hat aber ein Interesse daran, einen Vertragsbruch zeitnah abzumahnen. Wer etwa fünf Jahre lang toleriert, dass sein Mitarbeiter die Mittagspause überzieht, dürfte es schwer haben, hier noch eine Abmahnung durchzusetzen. Wenn dies über längere Zeit wissentlich geduldet wird, wird es vertragsgemäß. Juristen sprechen hier von einer Vertragsänderung durch schlüssiges Verhalten.

Ein gutes Beispiel ist die Nutzung von sozialen Netzwerken während der Arbeitszeit. Viele Unternehmen dulden dies und werden erst aktiv, wenn das Verhalten überhand nimmt oder störend wird. Manchen Firmen setzen auch Social-Media-Leitfäden auf, in denen dann auch dokumentiert wird, wie man sich in den Netzwerken verhalten soll. Selbstverständlich braucht es kein Papier, um darauf hinzuweisen, dass man etwa auf Facebook nicht schlecht über die eigene Firma reden sollte. So ein Verhalten ist geschäftsschädigend und kann natürlich abgemahnt werden.

9. Was, wenn der Chef sich nicht an die Regeln hält?

Theoretisch können nicht nur Arbeitnehmer abgemahnt werden, sondern auch Arbeitgeber. Denn auch der hat sich mit dem Arbeitsvertrag auf gewisse Spielregeln verständigt, etwa Arbeitszeiten, Überstunden-Bezahlung oder Urlaubstage. In der Praxis kommt es jedoch äußerst selten vor, dass Arbeitnehmer eine Abmahnung aussprechen. Ratsamer ist es, ein Gespräch mit dem Vorgesetzten zu führen oder sich im Zweifel an den Betriebsrat zu wenden.

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