Karrierekompass

Alternativen zum Arbeitszeugnis – Wenn der Standard nicht reicht

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In Deutschland und der Schweiz haben Arbeitnehmer nicht nur Anspruch auf eine rudimentäre Beschäftigungsbescheinigung, sondern auf ein „qualifiziertes Arbeitszeugnis“. Die Aussagekraft dieses Testats ist aber nicht unumstritten, wer Wert auf Individualität legt, sollte auch Alternativen in Betracht ziehen.

1. Arbeitszeugnis – vom Mindestanspruch zur Massenware

Sicherlich darf der gesetzliche Anspruch auf ein qualifiziertes Arbeitszeugnis als echte Errungenschaft für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gewertet werden. Jenseits der historischen Hintergründe gibt es aber einige ganz praktische Gründe, die den Wert des Arbeitszeugnisses im beruflichen Alltag heutzutage wieder deutlich schmälern. Denn diese Beurteilung muss einerseits zwar der Wahrheit entsprechen, soll andererseits aber auch einen wohlwollenden Grundton aufweisen – wenn sich der oder die Angestellte nicht wirklich etwas Gravierendes hat zu Schulden kommen lassen, müssen die Formulierungen mindestens der Schulnote „Gut“ entsprechen. Vor diesem Hintergrund lassen sich Personaler natürlich alle Arbeitszeugnisse Ihrer Karriere vorlegen – wissen aber auch um die mangelnde Aussagekraft dieser Dokumente.

Nicht selten haben die HR-Abteilungen großer Unternehmen bereits die Erstellung und Formulierung der Arbeitszeugnisse so automatisiert, dass alle Mitarbeiter einer Abteilung vollkommen identische Zeugnisse erhalten – wenn sie nicht wirklich stark über oder unter dem Durchschnitt liegen.

Wollen Sie Ihre Arbeitszeugnisse als Beweis Ihrer besonderen Eignung für eine spezielle Position einsetzen oder sich für größere Aufgaben ins Spiel bringen, sollten Sie schon überzeugendere und aufmerksamkeitsstärkere Beweise beibringen. Nachfolgend haben wir einige Alternativen zusammengetragen, die jenseits der Standard-Formulierungen viel besser Ihre individuellen Fähigkeiten und Erfahrungen verdeutlichen können:

2. Echte Alternativen zum Arbeitszeugnis

2.1. Detaillierte Tätigkeits- und Verantwortungsbereichsbescheinigungen

Ein besseres Bild über Ihre tatsächlichen Zuständigkeiten, Arbeitsschwerpunkte und Qualifikationen ergibt sich für Personaler und Führungsverantwortliche mit einer ausführlichen Bescheinigung und Beschreibung Ihrer bisherigen Positionen. Diese Dokumentation macht zwar ein wenig mehr Arbeit als ein normales Arbeitszeugnis, aber verantwortungsvolle und faire Vorgesetzte lassen sich immer öfter zu dieser Gefälligkeit bewegen – Sie haben nämlich keinen rechtlichen Anspruch auf dieses Dokument!

2.2. Individuelle und ehrliche Beurteilung

Wenn Sie überzeugt davon sind, dass Ihr bisheriger Vorgesetzter Sie offen und ehrlich einschätzen kann, sollten Sie nach einer solchen Beurteilung fragen. Diese Form ist besonders geeignet, echte Transparenz in den Bewerbungsprozess zu bringen – vorausgesetzt, Sie können wirklich die Erwartungen erfüllen, die Sie wecken. Achten Sie aber auch darauf, dass Sie nicht zu sehr gelobt werden – einige Vorgesetzte meinen es manchmal zu gut und vergessen dabei, dass gerade auch das Einflechten von kleineren Schwächen sich sehr positiv auf die Authentizität auswirkt.

2.3. Empfehlungen und Referenzen

Perfekt geeignet für Personen, die im Vertrieb tätig sind und ständig mit Kunden zu tun haben, sind schriftliche Referenzen und Empfehlungsschreiben. Bisher eher im oberen Management oder auf der Vorstandsetage angesiedelt, verbreiten sich Referenzen mittlerweile auch im mittleren Management und im Fachkräfte-Bereich. Um eine glaubwürdige Kontinuität zu erzielen, sollten Sie sich angewöhnen, Ihre Kunden nach einer gewissen Zeit um eine Referenz zu bitten – nicht selten wechseln Kunden und Zuständigkeiten und es ergibt sich einfach keine passende Gelegenheit mehr, vertrauensvoll nach einer Empfehlung zu fragen.

2.4. Beurteilungen von Mitarbeitern

Drehen Sie doch mal den Spieß um und lassen Sie sich von Ihren Untergebenen beurteilen. Oder nutzen Sie vom Unternehmen initiierte Bewertungen von Vorgesetzten, um Ihre Führungsqualitäten zu unterstreichen – natürlich nach Rücksprache mit und Freigabe durch die Geschäftsleitung. Je höher die gewünschte Position angesiedelt ist, desto wichtiger werden echte Leadership Skills. Haben Sie bisher einen fairen, wertschätzenden und motivationsbasierten Führungsstil gepflegt, werden Ihnen Ihre Mitarbeiter gerne diese Qualitäten bescheinigen.

2.5. Testimonials – direkte und autorisierte Kundenzitate

Dieser aus dem Amerikanischen eingebürgerte Begriff beschreibt im Grunde auch nur eine persönliche Referenz eines Kunden, Mitarbeiters, Vorgesetzten oder Zulieferers. Wichtig ist die unverfälschte und vom Zitatgeber autorisierte Wiedergabe der tatsächlichen Formulierung. Sie können bei Bedarf die Rechtschreibung korrigieren, aber niemals den direkten Wortlaut verfälschen. Eine andere Vorgehensweise ist ein Formulierungsvorschlag von Ihnen, den die betreffende Person aber natürlich auch vollumfänglich freigeben muss. Informieren Sie die jeweiligen Testimonials aber auch über die Möglichkeit, dass sich eventuell auch jemand bei ihnen melden, die Authentizität überprüfen und weitere Informationen einholen könnte.

3. Fazit

Nach der allgemeinen Standardisierung und Automatisierung der „qualifizierten Arbeitszeugnisse“ sollten Sie auf eine der oben aufgeführten Optionen zurückgreifen, wenn Sie wirklich aus der Masse der Mitbewerber hervorstechen wollen oder Qualitäten aufweisen, die im Rahmen eines normalen Arbeitszeugnisses nicht ausreichend zur Geltung kommen. Achten Sie aber unbedingt darauf, dass die ausgewählten Referenzgeber oder Beurteiler Ihnen schon wohlwollend gegenüberstehen und Sie auch wirklich aussagekräftig einschätzen können. Andernfalls wirken gerade nichtsagende, fachlich falsch ausgewählte, zu positive oder zu negative Beurteilungen, Referenzen, Bescheinigungen oder Testimonials eher als Bumerang und fallen negativ auf Sie zurück. Aber Sie gehen kein Risiko ein, wenn Sie nach einem der aufgeführten Dokumente fragen – denn in den Papierkorb können Sie unpassende oder unnütze Beurteilungen immer noch wandern lassen. Im Gegensatz zum Arbeitszeugnis können Sie den Einsatz dieser Testate selbst und frei steuern.

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