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Arbeitgeber hinhalten – So schinden Sie Zeit bei mehreren Jobangeboten

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Jobsuchende bewerben sich in der Regel bei mehreren Firmen. Oft erhalten sie Absagen, doch mit etwas Glück flattern gleich mehrere Einladungen zu Vorstellungsgesprächen ins Haus. Das ist zunächst einmal positiv. Doch was tun, wenn Sie von einem Unternehmen eine Zusage erhalten, obwohl das Vorstellungsgespräch bei Ihrer persönlichen Wunschfirma noch aussteht? Können oder sollten Sie den Arbeitgeber hinhalten und etwas Zeit schinden, bis Sie wissen, woran Sie bei Ihrem Traumunternehmen sind? Verständlich, dass Sie erst einmal abwarten wollen, ob Sie den Job bekommen, der auf Ihrer Prioritätenliste ganz oben steht. Noch komplizierter wird es, wenn Sie gleich mehrere Jobzusagen auf dem Tisch haben. Dieser Beitrag gibt Tipps, wie Sie geschickt Zeit schinden können.

1. Welche Strategie passt zu Ihnen?

Es gibt verschiedene Strategien, wie Sie bei einem neuen Arbeitgeber Zeit gewinnen, um die Entscheidung Ihrer Traumfirma abwarten zu können. Fakt ist: Sie wollen sich ein Hintertürchen offenhalten, falls der Traumjob nicht klappt. Das ist zwar legitim, doch bitte bedenken Sie: Zweite Wahl ist niemand gerne. Es kann durchaus geschehen, dass sich jemand durch Ihre Hinhaltetaktik beleidigt fühlt.

Es kommt folglich darauf an, wie Sie Ihr Verhalten plausibel darstellen, damit Sie es sich mit niemandem verscherzen. Welche Strategie zu Ihnen passt, ist in erster Linie eine Typfrage. Denn wenn Sie authentisch auftreten, haben Sie die besten Chancen, Ihre Bedenkzeit elegant durchzusetzen.

1.1. Die ehrliche Haut: Sagen Sie die Wahrheit

Es gibt einige gute Gründe, die dafür sprechen, mit offenen Karten zu spielen. Wer bei der Wahrheit bleibt, verhält sich im Vorstellungsgespräch fair. Es ist ja keine Schande, sich parallel auf mehrere Stellen zu bewerben. Wenn Sie bereits im Rahmen des Vorstellungsgesprächs die Gelegenheit haben, diesen Fakt anzusprechen, dann brauchen sie auch später nicht damit hinterm Berg halten. Oft fragen Personaler in einem Gespräch auch ganz direkt danach, ob Sie noch andere Bewerbungsgespräche führen. Dann können Sie auf diese Frage wahrheitsgemäß antworten und der Gesprächspartner weiß, woran er ist. Bietet Ihnen die Firma bereits im Gespräch den Job an und verlangt unmittelbar eine Zusage, bitten Sie um Bedenkzeit. Ein paar Tage sind durchaus akzeptabel und verschaffen Ihnen etwas Zeit.

Die Risiken: Manchmal fühlen sich Arbeitgeber vor den Kopf gestoßen, wenn Sie nicht sofort zusagen, sondern erst noch Alternativen abwägen wollen. Das kann eine Absage provozieren. Das Risiko steigt natürlich, je mehr Bewerber es gibt. Denn damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es auch andere geeignte Kandidaten in die Endrunde schaffen. Grundsätzlich ist es völlig legitim, um Bedenkzeit zu bitten. Sagen Sie beispielsweise, Sie würden gerne die Eindrücke, die Sie gewonnen haben, noch einmal Revue passieren lassen und ein paar Tage über das Angebot nachdenken.

1.2. Die Hinhaltetaktik: Schieben Sie wichtige Projekte vor

Eine Alternative ist, dass Sie eine Dienstreise, eine Krankheit oder ein wichtiges privates Ereignis vorschieben, weshalb Sie die Zusage nicht sofort erteilen oder den Vertrag nicht direkt unterzeichnen können. Dadurch gewinnen Sie ebenfalls Zeit und die Möglichkeit, eine endgültige Entscheidung zu treffen.

Die Risiken: Erfahrene Personaler wissen, dass jemand, der einen Job will, erreichbar ist und sich verbindlich verhält. Wer Krankheit, ein großes Projekt oder eine Dienstfahrt vorschiebt, wirkt zudem wenig interessiert. Das könnte dazu führen, dass Sie wieder eine Absage kassieren, noch bevor Sie eine Alternative in der Tasche haben.

1.3. Der Taktiker: Rechtliche Handlungsspielräume ausreizen

Es kann strategisch sinnvoll sein, einen Arbeitsvertrag bei einer Firma Ihrer zweiten Wahl zu unterschreiben, obwohl Sie dort eigentlich nicht arbeiten möchten. Der Grund: Sie schinden am meisten Zeit und brauchen keine drängenden Rückfragen abwimmeln. Ein wenig abgebrüht müssen Sie aber schon sein, wenn Sie vor Arbeitsantritt kündigen oder bereits in der Probezeit Ihrem Arbeitgeber wieder den Rücken kehren wollen, wenn das Angebot Ihres Wunscharbeitgebers vorliegt.

Beachten Sie, dass manche Arbeitgeber eine Vertragsstrafe für den Fall erheben, dass Sie Ihren Arbeitsvertrag kündigen, noch bevor Sie überhaupt Ihren Dienst bei dem Unternehmen angetreten haben. Studieren Sie Ihren Vertrag also sehr genau, bevor Sie ihn unterschreiben.

In der Probezeit können Sie schnell kündigen und stehen kurzfristig dem neuen Arbeitgeber zur Verfügung. Aber denken Sie daran, welche Konsequenzen Ihr Verhalten haben kann.

Die Risiken: Einen Job als Übergangslösung zu nutzen, ist nicht gerade die feine englische Art und der betreffenden Firma gegenüber ziemlich unfair. Wenn sie dahinterkommt, kann Ihr Verhalten heftig auf Sie zurückschlagen. So mancher Arbeitgeber reagiert auf eine taktische Zusage mit späterer Kündigung ebenfalls unfair und bringt Ihren Namen in Verruf. Ist der Arbeitgeber beispielsweise ein aktives Mitglied in branchenspezifischen Netzwerken, könnten Sie durch Ihr Verhalten für verbrannte Erde sorgen. Insbesondere in kleinen Branchen, in der jeder jeden kennt, ist das gefährlich. Die Konsequenzen können weitreichend sein und dazu führen, dass Firmen Sie alleine aufgrund dieser Angelegenheit bei zukünftigen Bewerbungen ablehnen.

2. Fair bleiben, nicht lügen und ein wenig taktieren

Fairness wird von den meisten Arbeitgebern geschätzt. Bedenken Sie eines: Ein Beschäftigungsverhältnis auf Lügen aufzubauen, ist nicht die ideale Basis.
Bewährt hat sich, bei der Wahrheit zu bleiben, ohne allzu viele Details preiszugeben. Sie dürfen durchblicken lassen, dass andere Firmen an Ihnen interessiert sind. Das ist im Grunde positiv und zeigt, dass Sie gefragt sind. Bitten Sie um Bedenkzeit und verlangsamen Sie dadurch den Prozess. Das reicht in vielen Fällen aus, um die Optionen abzuwägen und eine finale Entscheidung zu treffen. Wichtig ist, dass Sie weder überheblich auftreten noch dem Arbeitgeber den Eindruck vermitteln, er sei zweite Wahl.

Offenbaren Sie sich auch Ihrem Wunscharbeitgeber und informieren Sie ihn, dass Ihnen bereits ein anderes Angebot vorliegt und Sie nach Möglichkeit gerne ein kurzfristiges Kennenlernen realisieren würden. Für den Fall, dass das Vorstellungsgespräch beim Wunschunternehmen bereits stattgefunden hat, rufen Sie an und fragen Sie höflich, bis wann Sie mit einer Entscheidung rechnen dürfen. Erklären Sie, dass Sie etwas unter Zugzwang stehen, da der andere Arbeitgeber auf eine finale Zu- oder Absage Ihrerseits wartet. Auch hier sollten Sie Ihre Worte mit Bedacht wählen, sonst klingt Ihre Bitte wie ein billiger Erpressungsversuch.

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