Karrierekompass

Das Arbeitszeugnis selbst schreiben – Tipps & Hinweise

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Immer häufiger spielen Vorgesetzte heute den Ball zurück an den Arbeitnehmer, wenn man ein Arbeitszeugnis anfordert. Was sollten Sie dabei beachten, wenn Sie Ihr Arbeitszeugnis selbst schreiben? Wie erstellen Sie ein professionelles Arbeitszeugnis, ohne dass es so aussieht, als hätten Sie es selbst geschrieben? Welche Fehler sollten Sie dabei vermeiden? Was ist absolut tabu? Und lohnt sich überhaupt der Aufwand?

1. Das Arbeitszeugnis selbst schreiben – ein Vorteil für Arbeitnehmer?

Das Schreiben von Arbeitszeugnissen gehört zu den eher unliebsamen Aufgaben von Vorgesetzten. In Deutschland und in der Schweiz haben Angestellte aber einen Rechtsanspruch auf ein qualifiziertes Arbeitszeugnis, das über eine schlichte Beschäftigungsbestätigung hinausgeht und wohlwollend formuliert sein muss. Mittlerweile haben viele Personalverantwortliche einen „Trick“ gefunden, der ihnen die Arbeit zumindest erleichtert und durchaus vorteilhaft für die Angestellten ist – sie ermuntern ihre Mitarbeiter einfach, ihre Arbeitszeugnisse selbst zu verfassen. Als Mitarbeiter haben Sie so die Fäden in der Hand und können die Punkte, die Ihnen besonders wichtig sind, besonders hervorheben. Es wäre nicht das erste Mal, dass Vorgesetzte im Einzelnen gar nicht genau wissen, welche Aufgaben ihre Mitarbeiter im Laufe der Zeit übernommen haben. Um Unzufriedenheit mit dem Arbeitszeugnis zu vermeiden, schreiben Sie Ihr Zeugnis am besten selbst, wenn man es Ihnen anbietet. So können Sie dafür sorgen, dass Ihre Arbeit auch angemessen gewürdigt wird. Klar – am Ende muss Ihr Arbeitgeber unterschreiben, aber wenn Sie ein paar Punkte beachten und sich an die Regeln für das Schreiben von Arbeitszeugnissen halten, wird er keinen Grund haben, es nicht zu tun.

2. Aufbau und Form eines Arbeitszeugnisses

In Deutschland gilt in diesem Bereich die Form- und Formulierungsfreiheit – Sie sollten sich aber trotzdem an ein bewährtes Schema halten, um sich selbst die Arbeit zu erleichtern, die Korrekturschleifen zu reduzieren und um Ihren zukünftigen Vorgesetzten klare und unmissverständliche Informationen geben zu können. Sie können auch einen Arbeitszeugnis-Generator nutzen, wenn Sie keinen Zugriff auf vergleichbare Zeugnisse haben. Nehmen Sie aber nicht gleich den Erstbesten, sondern schauen Sie sich einige Anbieter an und entscheiden Sie sich dann für die passende Kombination aus einfacher Bedienung und sprachlicher Formulierungsqualität. Das Arbeitszeugnis gliedert sich normalerweise in folgende Abschnitte:

Arbeitszeugnis: Einleitung
Hier nennen Sie Ihre Position, Abteilung und den Zeitraum Ihrer Beschäftigung – aber bitte immer in der dritten Form („Herr/Frau Mustermann war vom XX.XX.2016 bis zum XX.XX.2017 bei uns in der Controlling-Abteilung beschäftigt …“).

Angaben zum Unternehmen
Hier steht üblicherweise der Text, der sich bei den meisten Unternehmen auf der „Über uns“-Seite im Internet finden lässt. Nicht zu ausführlich, aber bitte auch keine relevanten Informationen unter den Tisch fallen lassen.

Tätigkeiten und Verantwortungsbereiche, Fachwissen
Beschreiben Sie, was Sie alles gemacht haben – nach Zeitraum und/oder Abteilung und Zuständigkeitsbereich gegliedert.

Leistungsbereitschaft, Arbeitsweise, Arbeitsqualität, Belastbarkeit
Sicherlich der schwerste Abschnitt, da man seine eigenen Fähigkeiten und Qualitäten eher bescheidener bewertet – gerade in Deutschland. Aber bitte auch nicht in Lobpreisungen ausarten, das geht beim Vorgesetzten eh nicht durch und wirkt unprofessionell.

Führungsverhalten (bei leitenden Angestellten)
Hier können Sie sich auch Feedback von Ihren Untergebenen holen – und die positiven Aspekte aufführen. Manchmal kommt man auf diese Weise zu Einsichten und erfährt Details über Eigenschaften, die einem vorher nicht bewusst waren.

Gesamturteil
Fassen Sie alle vorherigen Punkte kurz zusammen.

Hinweise zum Austritt
Nicht unwichtig! Hier schauen die Personaler sehr genau hin, um kein wichtiges Detail außer Acht zu lassen. Sie sollten sich diesbezüglich gut über die Gepflogenheiten bei der Zeugniserstellung informieren.

Schreiben Sie etwa „Das Arbeitsverhältnis von Frau Mustermann endet zum 31.3.2017“, so bedeutet dies, dass Ihnen gekündigt wurde. Besser ist es, Sie schreiben „Frau Mustermann verlässt das Unternehmen zum 31.03.2017 auf eigenen Wunsch. Wir bedauern Ihren Weggang und wünschen ihr für ihre weitere berufliche Laufbahn alles Gute.“

Verabschieden Sie sich höflich, aber nicht zu überschwänglich. Hier ist auch kein Platz für Melancholie. Weiterhin haben Sie in diesem Abschnitt auch die Möglichkeit, ein oder zwei individuell formulierte Zeilen unterzubringen, damit sich das Arbeitszeugnis von der Masse der Mitbewerber besser abhebt.

3. Typische Fehler und Fettnäpfchen, die Sie vermeiden sollten

Über- oder Untertreibungen
Bitte nicht sich selbst in den Himmel loben oder echte Alleinstellungsmerkmale unerwähnt lassen. Versuchen Sie, sich nüchtern und präzise zu beschreiben, holen Sie sich Input von Kollegen, Vorgesetzten und Untergebenen, die Ihnen wohlgesonnen sind. Googeln Sie Ihre Tätigkeiten und Jobbezeichnungen, um neutrale Formulierungen zu finden.

Zu kurz oder zu lang
Nicht zu ausführlich, aber auch nicht zu kurz sollten die einzelnen Punkte abgearbeitet werden. Es handelt sich um ein qualifiziertes Arbeitszeugnis, nicht um einen Roman und auch nicht um eine reine Aufzählung von Zeiträumen und Tätigkeiten. Insofern sollte Ihr Arbeitszeugnis nicht weniger als eine DIN A4-Seite umfassen (mit einer normalen 12-Punkt-Schrift verfasst), bei längerer Betriebszugehörigkeit können dann auch 2 bis maximal 2,5 Seiten zusammenkommen. Alles was darunter liegt und darüber hinaus geht, kann bei Personalern zu Irritationen und Nachfragen führen.

Scheinbar positive Floskeln mit negativem „Nachgeschmack“
Vielleicht haben Sie auch schon von den „geheimen Codes“ in Arbeitszeugnissen gehört – die dank des Internets überhaupt nicht mehr so geheim sind und schnell gefunden werden können. In der Regel kann man die entsprechenden Formulierungen mit etwas gesundem Menschenverstand schnell entschlüsseln. Daher sollten Sie sich im Vorfeld genau über die in der Zeugnissprache verwendeten Formulierungen informieren, um nicht ungewollt das genaue Gegenteil vom beabsichtigten Inhalt zu schreiben.

Bespiel:
„Herr/Frau Mustermann verfügte über Know-how und ausgeprägtes Selbstbewusstsein“ bedeutet in Wirklichkeit: „Er/Sie kannte sich zwar einigermaßen in seinem Fachgebiet aus, überschätzte seine Fähigkeiten aber deutlich!“

4. Warnung und Fazit

Erliegen Sie nicht der Versuchung, Ihr eigenständig, aufwendig und wohlwollend formuliertes Arbeitszeugnis ohne die finale Freigabe und Unterschrift des zuständigen Vorgesetzten zu verwenden – oder womöglich zu fälschen. Ein Arbeitszeugnis muss der Wahrheit entsprechen! Mit einem gefälschten oder frei erfundenen Testat mögen Sie vielleicht einen kurzfristigen Erfolg oder Vorsprung erzielen – langfristig aber setzten Sie Ihre Karriere und Existenz aufs Spiel.

Das selbstformulierte Arbeitszeugnis bietet klare Vorteile, wenn Sie ein paar Dinge beachten. Sie müssen in der Regel auch nicht Wochen und Monate auf dieses wertvolle Dokument warten, wenn Sie sich selbst an die Arbeit machen. Nutzen Sie gerne die Vorteile von Generatoren, prüfen Sie aber unbedingt verschiedene Anbieter, bevor Sie sich für eine Arbeitszeugnis-Formulierungshilfe entscheiden und bemühen Sie sich, Ihrem Zeugnis einen individuellen Touch zu verleihen, wo es möglich ist.

Mehr zum Arbeitszeugnis erfahren Sie in unserem Ratgeber.

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