Karrierekompass

Der große Jobmessen-Guide: Tipps für Besucher

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Den passenden Job zu finden, ist oft eine große Herausforderung – nicht nur für Berufseinsteiger. Jobmessen erleichtern den Kontakt zwischen Arbeitgebern und Jobsuchenden. Damit der Messebesuch ein Erfolg wird, haben wir die wichtigsten Tipps und Hinweise für Sie zusammengestellt. Lesen Sie, wie Sie sich auf eine Jobmesse oder ein Recruitingevent am besten vorbereiten, wie Sie einen guten Eindruck hinterlassen, welche Fehler Sie unbedingt vermeiden sollten und was nach der Messe zu tun ist.

1. Die Vorbereitung: Selektieren Sie sorgfältig die Messen

Das Angebot an Jobmessen ist riesig, um die 200 werden jährlich veranstaltet. Manche Messen, wie z.B. die „Einstieg“, richten sich speziell an Berufseinsteiger und Absolventen, andere fokussieren sich auf bestimmte Berufsgruppen und Branchen. Darüber hinaus gibt es auch regionale Jobmessen – wie zum Beispiel die „Karrieretage“ – die die richtige Wahl für Sie sind, wenn Sie bei einem renommierten Unternehmen aus der Region arbeiten wollen und nicht umzuziehen möchten.

Sie sollten sich die Messen herauspicken, die für Sie und Ihre Karriereabsichten stimmig sind. Dabei zählt Klasse statt Masse. Lieber zwei passende Messen gezielt und planvoll besucht, als eine unüberlegte Odyssee durch Deutschlands Jobmessenlandschaft.

2. Firmen auswählen und Termine vereinbaren

Wer eine Messe besucht, muss damit rechnen, dass begehrte Arbeitgeber mit vielen potenziellen Bewerbern sprechen und möglicherweise nicht sofort ein Gesprächspartner frei ist, wenn Sie am Stand auftauchen. Daher ist es ratsam, vor dem Messebesuch die Wunschfirmen auszuwählen und bereits vorab um einen festen Gesprächstermin zu bitten. Welche Firmen auf welcher Messe vertreten sind, steht in der Regel im Messeprogramm, das bereits frühzeitig online auf der Webseite der jeweiligen Jobmesse abrufbar ist. Manche Arbeitgeber veröffentlichen auf ihrer eigenen Karriereseite entsprechende Hinweise auf die nächste Jobmesse, bei der sie vertreten sind.

2.1. Anrufen zur Terminvereinbarung

Versuchen Sie am besten telefonisch einen Termin für die angepeilte Messe zu erhalten. Gelingt es Ihnen, bis zu dem richtigen Ansprechpartner durchzudringen, können Sie bereits im Telefonat kurz skizzieren, wer Sie sind und signalisieren, dass Sie großes Interesse an einem gegenseitigen Kennenlernen haben. Ufern Sie aber nicht aus. Heben Sie sich Details für das Gespräch auf der Messe auf. Dennoch können Sie kurz anreißen, welche Erfahrungen Sie mitbringen, die für das Unternehmen spannend sein könnten. Alternativ steht Ihnen noch der Weg per E-Mail offen, um nach einem Termin zu fragen.

2.2. Vormittagstermin vereinbaren

Am besten ist es, wenn Sie vormittags einen Gesprächstermin bekommen. Dann sind die Personaler noch ausgeruht und weniger gestresst. Ihr favorisierter Wunsch-Arbeitgeber sollte dabei ungefähr an dritter Stelle stehen. Dann haben Sie zwei Gespräche lang Zeit, um Ihre Nervosität zu verlieren und ein wenig Routine in der Gesprächsführung zu entwickeln.

2.3. Planen Sie ausreichend Zeit ein

Wenn Sie pro Gespräch etwa 45 Minuten einplanen, sind Sie auf der sicheren Seite. Beachten Sie auch, dass Sie zwischen den Terminen Zeit benötigen, um sich ggf. frisch zu machen und zum nächsten Stand zu laufen – bei großen Messen und weit auseinanderliegenden Ständen kann das unter Umständen einige Zeit in Anspruch nehmen. Am besten prüfen Sie vorher den Messeplan und schauen im Vorfeld, wo sich die Stände der Unternehmen befinden, die Sie ins Auge gefasst haben. So wissen Sie sofort, ob Sie ggf. die Halle wechseln müssen und irren nicht planlos umher.

3. Informieren Sie Sich umfassend über Ihre Wunsch-Arbeitgeber

Genauso, wie Sie sich auf ein wichtiges Vorstellungsgespräch vorbereiten, bereiten Sie sich auch auf die Gespräche im Rahmen der Messe vor. Sammeln Sie Informationen, checken Sie die Internetseite und finden Sie heraus, was aktuell beim Wunsch-Arbeitgeber läuft. Vermeiden Sie auf jeden Fall im Vorstellungsgespräch Dinge nachzufragen, die auf der Website veröffentlicht sind, denn damit outen Sie sich als schlecht vorbereitet. Die relevanten Informationen stellen Sie sich am besten in einem kleinen Dossier zusammen. Hier gehören übrigens auch die Fragen hinein, die Sie zum Unternehmen haben und im Vorstellungsgespräch stellen sollten.

Haben Sie alle Infos auf einer Seite zusammengefasst, können Sie sich kurz vor dem Gesprächstermin noch einmal die wesentlichen Aspekte ins Gedächtnis rufen. Damit machen Sie einen sehr gut vorbereiteten Eindruck und punkten von der ersten Minute an.

4. Kleidung: Business-Messen erfordern ein Business-Outfit

Wie sie sich kleiden sollten, ist schnell erzählt: Ziehen Sie sich branchenorientiert an und wählen Sie Kleidung, die Sie im echten Arbeitsleben an Ihrem Arbeitsplatz tragen würden. Richten Sie sich nach branchenüblichen Gepflogenheiten, aber verkleiden Sie sich nicht. Sie müssen sich wohlfühlen, damit Sie natürliches Selbstbewusstsein ausstrahlen. Setzen Sie auf ein gepflegtes Outfit, das unterstreicht die Ernsthaftigkeit Ihrer Absichten.

Doch was tun, wenn Sie sich in verschiedenen Branchen bewerben, in denen unterschiedliche Maßstäbe gelten? Da hilft nur der Zwiebel-Look. Tragen Sie kombinierbare Teile und bringen Sie im Zweifel lieber einen kleinen Rollkoffer mit, in dem Sie alles Wichtige transportieren können. Schließfächer gibt es auf fast jeder Messe, sodass der Koffer dort für die Dauer der Gespräche sicher verwahrt auf Abholung wartet.

Kleidungstipp Männer:
Wählen Sie eine Stoffhose mit Sakko und tragen Sie ein passendes, nicht zu feines Hemd darunter. Je nach Branche ist eine Krawatte angezeigt. Am besten vermeiden Sie ein weißes Hemd und entscheiden sich für eine zur Hose und zum Sakko passende alternative Farbe. Bei Bedarf können Sie das Sakko und die Krawatte ablegen und sich in Hemd und Hose bei weniger formell ausgerichteten Unternehmen vorstellen. Je nach Branche reicht auch eine dunkle Jeans mit Hemd (und ggf. Sakko).

Kleidungstipp Damen:
Ein Hosenanzug mit Blazer wirkt gepflegt und chic und ist bei formellen Gesprächen eine gute Wahl. Ohne Blazer, aber mit einem passenden Accessoire wie einem farbenfrohen Halstuch, einer modischen Kette oder einem Cardigan, wird aus dem Business-Style im Handumdrehen eine legere Variante, die für viele weniger konservative Unternehmen passt.

Übrigens: Ein zweites Paar Schuhe ist empfehlenswert. Eines für die Vorstellungsgespräche und ein paar bequeme Treter für die An- und Abreise.

5. Ich packe meinen Koffer und nehme mit…

Bei der Zusammenstellung Ihrer Unterlagen und Utensilien für die Jobmesse sollten Sie möglichst aufmerksam vorgehen und lieber eine Kopie mehr mitnehmen, als diese im entscheidenden Moment nicht zur Hand zu haben. Bewährt hat sich ein Business-Trolley nebst Reißverschlussmappe, in der Sie die wichtigsten Schreibutensilien und Bewerbungsunterlagen mit sich führen. Parken Sie den Trolley an zentraler Stelle in einem Schließfach und nehmen Sie zu den Gesprächen nur die Dinge mit, die Sie wirklich benötigen. Streifen Sie später aus purem Interesse über die Messe, können Sie das meiste im Schließfach lassen und zum Beispiel nur Ihre Bewerbungsflyer mitnehmen.

Und das sollte in Ihrem Messe-Köfferchen zu finden sein:

  • Kopfschmerztabletten (nach stundenlangem Laufen durch schlecht belüftete Hallen drohen Kopfschmerzen)
  • Deo / Parfum (Vorsicht: weniger ist mehr!), Kaugummi (aber bitte niemals beim Gespräch kauen!), Mundspray, Kamm/Bürste
  • Zusätzlich für die Damen: Puder, Lippenstift, Makeup-Entferner für Mascara-Malheure, Handspiegel, Ersatzstrumpfhose
  • Schuhe zum Wechseln
  • Ggf. Halstuch, Kette, Cardigan bzw. knitterfreies Oberteil für legere Gespräche oder eine Krawatte für außerordentlich formelle Termine
  • Schreibmappe mit Block und Stift
  • Aufgeladenes Smartphone und Ladekabel
  • Kleingeld für Schließfach, Getränke und Snacks
  • Adressierte, individuelle Kurzbewerbung für die vorher ausgewählten Wunsch-Arbeitgeber (1 Seite)
  • Lebenslauf im Farbausdruck mit Foto (1 Seite)
  • Bewerbungsflyer – für spontane Gespräche mit potenziell interessierten Arbeitgebern

Was Sie nicht benötigen sind Briefumschläge. Sie geben die Bewerbungen solo ab. Auch Visitenkarten sind überflüssig. Zum einen stehen Ihre Kontaktdaten auf dem Lebenslauf, zum anderen auf dem Bewerbungsschreiben. Ihr Bewerbungsflyer, der so etwas wie ein kompakter Überblick über Ihre Kernkompetenzen und Ihren bisherigen Werdegang darstellt liefert ebenfalls Ihre Kontaktdaten. Sie fallen mit einem Bewerbungsflyer im positiven Sinne etwas aus dem Rahmen und bleiben im Gedächtnis.

6. Das Bewerbungsgespräch: Höflich, selbstbewusst, aufmerksam

Über Bewerbungsgespräche ist schon viel gesagt worden. Sie finden zum Beispiel in diesen Beiträgen hilfreiche Informationen, die auch auf die Gesprächstermine im Rahmen von Job- und Recruitingmessen anwendbar sind:

Verhalten Sie sich unbedingt höflich zu allen Mitarbeitern am Messestand, ganz gleich, welche Position jemand innehat. Sie können sicher sein, dass man Sie von allen Seiten begutachtet und Ihre Sozialkompetenz anhand Ihres Auftretens einschätzt.

Stellen Sie sich beim Betreten des Standes am Empfangstresen vor oder gehen Sie auf einen Mitarbeiter zu – wenn dieser Sie nicht ohnehin anspricht. Nennen Sie Ihren Namen und den Grund des Besuchs und der Rest läuft dann ähnlich ab, wie in einem Bewerbungsgespräch direkt in der Firma. Höflichkeit, Aufmerksamkeit und ein Schuss Selbstbewusstsein sind gute Zutaten für einen überzeugenden Auftritt, der in positiver Erinnerung bleibt.

7. No-Goes auf Jobmessen

Sie haben viel darüber gelesen, was Sie tun sollten, nun folgt in aller Kürze ein Überblick über die Fehler, die Sie vermeiden sollten:

  • Gesprächspartner duzen – nur, wenn es angeboten wird
  • Ungefragt Visitenkarten verteilen – stattdessen bei Interesse Bewerbungsflyer aushändigen
  • Ungepflegtes Äußeres, unangenehmer Körpergeruch
  • Freizeitkleidung
  • Unpünktlichkeit bei vorher vereinbarten Terminen – fahren Sie frühzeitig los
  • Unhöflichkeit, herablassendes Verhalten z. B. gegenüber Hostessen und Servicekräften
  • Schreibfehler in der Bewerbung und generell unprofessionelle oder unvollständige Unterlagen
  • Block und Stift sowie andere organisatorische Dinge vergessen – das zeigt mangelnde Organisation oder signalisiert Desinteresse
  • Fehlende Vorbereitung auf Gesprächstermine – das drückt ebenfalls Geringschätzung, schlechte Organisation oder pure Unwissenheit aus

8. Nachbereitung: Das sollten Sie im Anschluss an die Messe erledigen

Die Messe ist noch nicht vorbei, wenn der Tag zu Ende geht. Eine gute Nachbereitung ist empfehlenswert, um Ihren Wunsch-Arbeitgebern nachhaltig positiv im Gedächtnis zu bleiben.

8.1. Für die Gespräche bedanken

Innerhalb von 48 Stunden nach der Messe sollten Sie sich bei Ihren Gesprächspartnern für das angenehme Gespräch bedanken und Ihren Wunsch bekräftigen, gerne für das Unternehmen arbeiten zu wollen. Achtung: Bitte nur per E-Mail Kontakt aufnehmen, niemals telefonisch. Im Nachgang kann ein Anruf sehr aufdringlich wirken. Ausnahme: Sie sind auf der Messe so verblieben, dass Sie sich telefonisch bei dem potenziellen Arbeitgeber melden.

8.2. Vernetzung über Xing / LinkedIn

Haben Sie ein Profil in beruflichen Netzwerken wie zum Beispiel Xing oder LinkedIn, suchen Sie Ihre Gesprächspartner und schicken Sie eine kurze Anfrage, ob Sie diese zu Ihren Kontakten hinzufügen dürfen (bitte entscheiden Sie sich aber für ein Netzwerk). Je nachdem wie Sie das Interesse des Unternehmens an Ihnen einschätzen, können Sie neben der E-Mail, in der Sie sich für das informative, freundliche Kennenlernen bedanken, auch noch eine Kontaktanfrage über Business-Netzwerke schicken.

8.3. Messe-Post des Unternehmens auf facebook kommentieren

Falls Ihr Wunscharbeitgeber zum Beispiel auf seiner facebook-Seite die Teilnahme an der Messe gepostet hat, dürfen Sie dort Kommentare hinterlassen. Damit dokumentieren Sie Ihr Interesse und verstärken Ihr Engagement.

9. Checkliste für Ihren Messebesuch

Zum Abschluss fassen wir noch einmal die wichtigsten Punkte für Sie in unserer Jobmessen-Checkliste zusammen:

  • Identifizieren Sie Ihre Wunscharbeitgeber und wählen Sie Messen gezielt aus.
  • Informieren Sie sich umfassend über Ihre favorisierten Unternehmen und erstellen Sie ein kleines Dossier.
  • Vereinbaren Sie vorab Gesprächstermine auf der Messe.
  • Erstellen Sie individuelle Kurzbewerbungen und nehmen Sie eine ausreichende Anzahl von Lebensläufen sowie Bewerbungsflyer mit. Achten Sie auf ein hochwertiges Druckbild.
  • Am besten speichern Sie Ihre Unterlagen auch als PDF auf einem USB-Stick. So können Sie danach fragen, in welcher Form Sie Ihre Dokumente am besten abgeben sollen. Achten Sie darauf, dass keine weiteren Dateien auf dem USB-Stick enthalten sind außer Ihren Bewerbungsunterlagen.
  • Packen Sie Ihren Messe-Koffer oder Ihre Tasche mit allen erforderlichen Utensilien.
  • Kleiden Sie sich angemessen.
  • Planen Sie ausreichend Zeit für die Anreise und für den Standwechsel ein.
  • Gehen Sie mit einer positiven Einstellung an die Sache heran: Freuen Sie sich auf die Gespräche und verhalten Sie sich höflich, selbstbewusst und aufmerksam.

10. Die nächsten Jobmessen

Karrieretag Aachen – 19.04.2018
Karrieretag Koblenz – 14.06.2018
Karrieretag Düsseldorf – 20.09.2018
Karrieretag Bonn – 11.10.2018
Karrieretag Stuttgart – 20.10.2018
Karrieretag Köln – 08.11.2018

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