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Gehaltserhöhung – so verhandeln Sie professionell

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Sie machen Ihre Arbeit gut und erfolgreich. Und nun wollen Sie mehr Geld. Doch natürlich hat Ihr Chef deswegen nicht automatisch Lust, Ihnen auch mehr zu zahlen. Doch wenn Sie ein paar Dinge bedenken, steigern Sie die Erfolgschancen der Gehaltsverhandlung.

1. Bedenken Sie: Eine Verhandlung ist kein lockerer Plausch

Egal, wie gut die Beziehung zu Ihrem Chef über die Jahre gewachsen sein mag: Ein Gehaltsgespräch ist eine wichtige Sache. Das bedeutet, sie wird nicht zwischen Tür und Angel geführt. Machen Sie einen Termin aus. Idealerweise unmittelbar nachdem Sie ein Projekt erfolgreich abgeschlossen, neue Umsätze ermöglicht oder einen anderen wichtigen Erfolg erzielt haben. Auch das jährliche Mitarbeitergespräch ist oft ein guter Anlass um im Nachgang über das Gehalt neu zu verhandeln, da es in der Regel neue Ziele und Verantwortlichkeiten nach sich zieht.

2. Bereiten Sie sich gut vor

Sie brauchen Argumente, um Ihr Anliegen zu untermauern. Und diese Argumente sollten nicht sein, dass Ihr Sohn eine Zahnspange braucht, das Haus abbezahlt werden muss oder Sie ein neues Auto kaufen wollen. Die Argumente müssen aus Ihrer Leistung kommen. Sammeln Sie diese Argumente und bereiten Sie sie vor.

Haben Sie erfolgreich neue Aufgaben übernommen? Haben Sie Fortbildungen besucht und dieses Wissen in die Firma eingebracht? Sind Ihre Verkaufszahlen gestiegen? Bringen Sie mehr Umsatz oder zufriedenere Kunden?

Wann immer Sie können, belegen Sie Ihre Leistung mit Zahlen. Denn Ihr Chef liebt Zahlen. Vor allem, wenn es ums Geld geht.

3. Achten Sie auf den richtigen Zeitpunkt

Kein Witz: Die Uhrzeit spielt ebenso eine Rolle wie das Wetter. Ist Ihr Chef ein Morgenmuffel? Dann sprechen Sie ihn nicht morgens als erstes auf mehr Geld an! Geht er gern pünktlich ins Wochenende? Denn legen Sie das Gespräch bloß nicht auf Freitag nach der Mittagspause!

Mit einem Gespräch am Vormittag machen Sie selten etwas falsch. Gut ist, wenn an jenem Tag die Sonne ins Büro scheint. Denn bei gutem Wetter sind Menschen einfach besser gelaunt.

4. Pokern Sie hoch!

Sie sind von Ihrer Leistung überzeugt und wollen diese auch entsprechend honoriert wissen. Also kommen Sie nicht mit einer Forderung von fünf Prozent mehr Lohn. Denn dann bekommen Sie zwei.

Gerade in Berufen, die nicht jeder ausüben kann, sind auch schon mal erhebliche Gehaltssteigerungen möglich. Ingenieure, IT-Experten oder versierte Verkäufer mit guten Verbindungen sind begehrt.

Wenn Sie eine Spanne für Ihr Gehalt nennen, dann werden Sie das untere Ende bekommen. Wenn Sie also 45.000 Euro verdienen wollen, fordern Sie eher 50.000.

Gerade in größeren Firmen gibt es jedoch oft fest vorgeschriebene Gehaltstabellen, an die Chefs sich halten müssen. Hier ist oft nur ein geringer Spielraum gegeben.

5. Bereiten Sie eine Gesprächsstrategie vor

Fallen Sie nach Möglichkeit nicht gleich mit der Tür ins Haus. Wie wäre es denn, wenn Ihr Chef Ihnen die Argumente selbst liefert? Also bitten Sie Ihn doch um eine Einschätzung Ihrer Leistung. Wenn er dann sagt, dass Ihre Arbeit im vergangenen Jahr immer besser geworden ist, haben Sie schon einen wichtigen Grund für Ihre Forderung.

Stellen Sie sich auf eine Argumentation ein. Spielen Sie das Gespräch vorher durch. Was wollen Sie verlangen? Was wird Ihr Chef antworten?

Gehen Sie nicht ohne eine feste Abmachung aus dem Raum. Wenn Ihr Chef sagt, dass er die Gehaltserhöhung nicht alleine entscheiden darf, dann machen Sie einen neuen Termin aus, an dem das Thema abschließend besprochen werden soll.<!p>

6. Sprechen Sie den Richtigen an

Der Ansprechpartner für eine Gehaltserhöhung ist immer der direkte Vorgesetzte. Wenn Sie gleich zum Geschäftsführer rennen und Ihren Abteilungsleiter übergehen, dann wird dieser sich vor den Kopf gestoßen fühlen, wenn er später nach Ihrer Leistung gefragt wird.

Wenn Sie über mehrere Instanzen gehen müssen, dann gewinnen Sie Ihren direkten Vorgesetzten für sich. Aber nicht, indem Sie sich mit anderen Mitarbeitern vergleichen. Ihr Erfolg allein sollte überzeugen.

7. Was tun, wenn der Chef „Nein“ sagt?

Überlegen Sie sich die Konsequenzen, die ein Nein zu Ihrer Forderung mit sich bringt. Mit einer Kündigung sollten Sie nur drohen, wenn Sie wirklich bereit sind, das Unternehmen zu verlassen. Kurioserweise werden Männer hier ernster genommen als Frauen. Doch erfolgsversprechender ist es ohnehin, die Gründe Ihres Chefs zu hinterfragen.

Die schlechte wirtschaftliche Lage ist Schuld? Sie haben doch gerade dargelegt, dass das Unternehmen durch Ihren Einsatz mehr Geld verdient hat.

Wenn einer mehr bekommt, wollen alle mehr? Verweisen Sie auf die vertragliche Schweigepflicht und versichern Sie, dass Sie das Thema diskret behandeln werden.

Ihre Leistung reicht nicht aus? Auch hier: Es ist immer gut, wenn Sie mit einem erfolgreichen wichtigen Projekt oder einem großen neuen Kunden in der Tasche kommen. Je mehr Zahlen und Fakten Sie haben, die Ihre Leistung belegen, desto mehr Chancen haben Sie auf eine Gehaltserhöhung.

8. Nein, bitte, sagen Sie das nicht!

Vermischen Sie nie Ihre privaten Bedürfnisse und Ihre berufliche Leistung. Ihren Chef interessiert nicht, ob der Kindergarten die Gebühren erhöht hat oder Sie eine Nachzahlung an die Stadtwerke leisten müssen. Er will wissen, was Sie für die Firma tun und wie es sich für ihn rechnet.

Alle anderen kriegen auch mehr? Dann haben Sie von Anfang an schlecht verhandelt. Rechtfertigen Sie Ihre Forderung bitte damit, dass Ihre Leistung gestiegen ist und mehr Lohn verdient.

Sie sind seit 10 Jahren in der Firma und machen seither einen guten Job? Mag sein. Das sagt aber nichts über eine Leistungssteigerung aus, die die Grundlage für mehr Geld ist. Jedenfalls aus der Perspektive Ihres Chefs.

9. Und wenn gar nichts geht?

Jetzt haben Sie alles versucht. Ihr Chef bleibt hart. Was dann? Wie gesagt: Drohen Sie nur mit einer Kündigung, wenn Sie wirklich bereit sind zu gehen.

Aber kann Ihr Chef vielleicht sonst noch was für Sie tun?

Hatte er Ihnen nicht einen Firmenwagen in Aussicht gestellt oder versprochen, Sie auf eine Fortbildung zu schicken? Können Sie vielleicht wichtige Projekte übernehmen, die Ihren Wert für die Firma belegen? Dann könnten Sie so neue Argumente für mehr Gehalt sammeln.

Auf keinen Fall sollten Sie Ihrem Chef ein Ultimatum stellen. Wenn Sie sich wie ein Erpresser aufführen, geraten Sie perspektivisch schnell aufs Abstellgleis.

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