Karrierekompass

Das perfekte Bewerbungsschreiben – Plädoyer in eigener Sache

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Wie fange ich bloß an? Der Bildschirm strotzt vor Leere und ein gnädiger Gedankenblitz bleibt aus. „Schreib den ersten Satz so, dass der Leser auch den zweiten Satz lesen will“, empfahl der amerikanische Schriftsteller William Faulkner. Gerade einen eingängigen Anfang zu finden, ist aber alles andere als einfach. Vor allem, wenn man es besonders gut machen will, wie in einem Bewerbungsschreiben.

Wer kennt sie nicht, die wenig prickelnden Einleitungssätze wie „Hiermit bewerbe ich mich um die Stelle als …“ oder „Sie suchen …, ich bringe genau diese Fähigkeiten mit“. Prima. Wenn nach einem Dutzend Bewerbungen dieses Stils den Personalverantwortlichen die Augen zufallen, kann man es ihnen nicht verdenken. Warum ist es aber überhaupt so schwer, ein Anschreiben zur Bewerbung interessant zu formulieren? Häufig, weil man den Wert eines Bewerbungsanschreibens schlicht unterschätzt. Es wird gerne als Kurzmitteilung genutzt, um die vermeintlich wichtigeren Anlagen, nämlich den Lebenslauf und die Zeugnisse, zu verschicken. Das ist aber falsch. Das Anschreiben ist viel mehr als nur ein „Vorblatt“ für Bewerbungsunterlagen. Es sollte eher als Plädoyer in eigener Sache genutzt werden.

Während der Lebenslauf Zahlen, Daten, Fakten zum beruflichen Werdegang und oft zum privaten Status wiedergibt, schildert das Anschreiben Ihre persönliche Motivation. Wem es gelingt, die passenden Antworten in einen interessanten Kontext zu verpacken, weckt beim Leser Lust auf mehr.

1. Worauf bewerben Sie sich?

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, die Position konkret zu nennen, auf die man sich bewirbt. Es sei denn, man verschickt eine Blindbewerbung. Häufig werden diese Angaben jedoch gar nicht oder nur unklar angegeben. Damit haben die Personalverantwortlichen die Wahl, nachzuforschen, für welche Stelle Sie sich wohl interessieren – oder die Bewerbung direkt auf den Stapel „Ablehnungen“ zu legen, was eher der Fall sein dürfte.

Es ist auch keine gute Idee, die Stellenangabe offen zu lassen und sich pauschal in einem Unternehmen oder einer Abteilung zu bewerben.
Geben Sie unbedingt konkret im Betreff an, für welche Stelle Sie sich bewerben. Wenn eine Job-Nr. genannt ist, diese nicht vergessen:

„Bewerbung um eine Stelle als Mechatroniker mit Schwerpunkt amerikanische Marken. Ausschreibung unter Stellenparadies.de vom 11.02.2016, Job-Nr. 123456-111.“

Wichtig: Verschwenden Sie keinen Platz im Anschreibentext, um zu erwähnen, worauf Sie sich bewerben. Diese Angabe gehört ausschließlich in die Betreffzeile!

2. Was qualifiziert Sie besonders für diesen Job?

Die vielleicht wichtigste aller Fragen. Langweilen Sie den Leser jetzt nicht mit den Standardformulierungen: „Ich bin teamfähig, durchsetzungsstark und engagiert.“ Beschreiben Sie gut nachvollziehbar, weshalb Sie der Richtige für diese Stelle sind. Nicht nur Fakten sind gefragt. Vermeiden Sie bloße Aufzählungen. Jetzt haben Sie die Möglichkeit, ein spannendes Plädoyer in eigener Sache zu halten.

Mixen Sie sorgsam ausgewählte persönliche Stärken, fachliches Know-how und Erfahrungen zu einem stimmigen Gesamtbild. Der Leser sollte schon ein wenig das Gefühl haben, Sie zu kennen und sich auf Sie freuen. Dann ist der Schritt zum Vorstellungsgespräch fast getan. Das kann in unserem Beispiel des Mechatronikers so aussehen:

„Schon während meiner Schulzeit interessierte ich mich für amerikanische Kfz-Marken und Modelle. Um diese besser aus erster Hand kennenzulernen, ergänzte ich meine Ausbildung zum Mechatroniker mit einem 12-monatigen Aufenthalt in Detroit. Dort spezialisierte ich mich in einem Autohaus mit angeschlossener Werkstatt auf Chrysler, Buick und Cadillac.“

Mit dieser Beschreibung erhält der Leser gleich eine ganze Reihe an Informationen. Er weiß nun, dass der Bewerber wirklich Erfahrung mit diesen Marken hat, dass er dabei sicher auch seine Sprachkenntnisse optimal verbessert hat und, dass er sehr engagiert ist. So ist mit wenigen Sätzen ein sehr lebendiges Bild entstanden. Sind Sie Berufsanfänger, können Sie inhaltliche Schwerpunkte aus dem Unterricht, Praktika, Nebenjobs und Ihre persönlichen Stärken gut einfließen lassen.

3. Warum reizt Sie dieses Unternehmen?

Eine ganz beliebte Frage, auch in Vorstellungsgesprächen. Sie können jetzt ganz einfach antworten, dass keine andere Stellenanzeige gepasst hätte oder, dass das Unternehmen eben gerade neben Ihrem Haus liege. Beides ganz schlechte Antworten, die sicher wenig überzeugen werden.

Ein potenzieller Arbeitgeber sucht Mitarbeiter, die sich über das Unternehmen informiert und sich Gedanken gemacht haben, ob es zu ihnen passt und umgekehrt. Recherchieren Sie im Internet, hören Sie sich um. Suchen Sie sich dann einen Aspekt dieses Arbeitgebers, der Sie besonders interessiert, z. B. die erstklassige Weiterqualifizierung bis zur Führungsebene der eigenen Mitarbeiter. Das kann sich dann so lesen:

„Ihr Unternehmen ist seit Langem spezialisiert auf amerikanische KFZ-Marken. Gleichzeitig ist es bekannt für seine ausgezeichneten Mitarbeiterprogramme. Da ich meine Erfahrungen auch für eine Weiterqualifizierung zum Meister in diesem Spezialbereich nutzen möchte, bewerbe ich mich bei Ihnen.“

4. Warum bewerben Sie sich gerade jetzt neu?

Eine einfache Frage mit einem durchaus heiklen Hintergrund. Sind Sie Berufsanfänger und stehen in einigen Monaten vor der Aufgabe, Ihre Ausbildung zu starten, ist die Antwort klar. Steht das Ende Ihrer schulischen Laufbahn bereits in zwei Wochen an, ist die Antwort über die späte Bewerbung schon brisanter.

Wer mitten im Berufsleben steht, beschreibt hier, was der Anlass zur Neuorientierung ist. Dazu gehören die Gründe, sich nach 20 Jahren umzuorientieren ebenso wie nach zwei Jahren. Das kann sich dann so lesen:


„Da ich mein Know-how gerne wieder im deutschsprachigen Raum einsetzen möchte, suche ich ein Unternehmen, das ich mit Fachwissen und umfangreichen Sprachkenntnissen bestens unterstützen kann.“

oder:

„Ihr Unternehmen engagiert sich stark in ökologischen Fragen. Da ich einen Arbeitgeber suche, bei dem ich meine beruflichen und ehrenamtlichen Erfahrungen in diesem Themenbereich intensiver einbringen kann, bewerbe ich mich bei Ihnen.“

Wen Ärger aus dem alten Unternehmen vertreibt, kann dies, wenn überhaupt, besser im Vorstellungsgespräch nennen, sollte jedoch nie zu tief in die Details einsteigen. Der potenziell neue Arbeitgeber sollte unterm Strich immer den Eindruck gewinnen, dass Sie sich Ihren Entschluss gut überlegt haben und nicht aus einer Laune heraus bewerben.

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