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Kündigung vor Arbeitsantritt: Das sollten Arbeitnehmer wissen

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„Chef, ich hab’s mir anders überlegt. Ich komm doch nicht.“ – Zwischen der Unterzeichnung des Arbeitsvertrages und dem ersten Tag im neuen Job können Wochen, sogar Monate liegen. Das heißt auch: In dieser Zeit kann viel passieren. Sie können es sich anders überlegen, etwa weil Sie ein besseres Angebot bekommen haben oder weil Sie etwas Negatives über die neue Firma gehört haben. Und auch der Arbeitgeber kann sich noch umentscheiden. Aber ist eine Kündigung vor dem ersten Arbeitstag auch erlaubt? Was dürfen Arbeitnehmer und Arbeitgeber? Und wie steht es um den guten Ruf?

1. Kann man vor Beginn des Arbeitsvertrags kündigen?

Wie verhält es sich rechtlich für Arbeitnehmer, wenn sie noch vor dem Arbeitsantritt wieder das Weite suchen? Vor dem Arbeitsbeginn gilt eine Kündigungsfrist von zwei Wochen, wenn im Vertrag nichts Anderes vereinbart wurde. Kündigen Sie also eine Woche, bevor Sie die Stelle antreten, müssen Sie damit rechnen, noch für eine Woche Ihren Dienst anzutreten.

1.1. Wie sieht es moralisch aus?

Ob Sie es mit Ihrem Gewissen vereinbaren können, zu Ihrem Wort nicht zu stehen, ist die eine Sache. Die andere ist, dass es ein schlechtes Licht auf Sie wirft. Wie gesagt: Der Auswahlprozess für eine Stelle ist aufwändig. Wenn sich ein Unternehmen auf einen Bewerber festgelegt hat, dann geht dem ein mehrwöchiges Verfahren voraus, das viele Ressourcen verschlingt. Wenn Sie dann nach der Unterzeichnung absagen, dürfte diese Tür für immer zu sein. Und Sie sollten auch damit rechnen, dass sich das rumspricht. Sie brauchen also wirklich einen guten Grund, um Ihr Wort zu brechen.

1.2. Wie erkläre ich es meinem Arbeitgeber?

Wenn Sie sich trotz aller Hindernisse entschieden haben, Ihren neuen Job noch vor dem ersten Arbeitstag zu verlassen, brauchen Sie gute Gründe. Es sollte also nicht nur sein, dass Sie im anderen Job ein paar hundert Euro mehr verdienen.

Je eher Sie Ihre Entscheidung verkünden, desto besser ist es. Je näher der Start in der Firma rückt, desto unangenehmer wird es für Sie. Egal wie gut Ihre Gründe sind, egal wie demütig und entschuldigend Sie Ihre Entscheidung verkaufen – mit Verständnis und Begeisterung sollten Sie erstmal nicht rechnen. Lassen Sie Ihren Gegenüber seine Enttäuschung zum Ausdruck bringen. Wenn Sie spüren, dass die Emotionen dann zu aufgeheizt sind, ist es die bessere Wahl, das Gespräch zeitig zu beenden. Sie fahren besser, wenn Sie zunächst ein wenig Gras über die Sache wachsen lassen. Vielleicht können Sie ja später noch mal in einer E-Mail oder einem Brief Ihr Bedauern zum Ausdruck bringen und sich für Ihr Vorgehen entschuldigen. Dass kann Ihren Aktienkurs wieder ein wenig verbessern. Dass Sie in dem Unternehmen, bei dem Sie vorzeitig gekündigt haben, noch mal eine Chance bekommen, ist jedoch äußerst unwahrscheinlich.

Hat der Arbeitgeber sich vertraglich dagegen abgesichert, dass Sie ihn im Regen stehen lassen, können Sie sich jedoch nicht so einfach aus der Affäre ziehen. Und das tun viele.

2. Wie sich Firmen gegen vorzeitige Kündigungen schützen

Sie legen eine Vertragsstrafe fest, für den Fall, dass der Mitarbeiter seinen Job nicht antritt, obschon er einen Arbeitsvertrag unterschrieben hat. Solche Strafen sind in der Regel mehrere tausend Euro hoch. Meist beträgt die Vertragsstrafe ein Bruttomonatsgehalt. Viele Firmen legen hier aber noch eins drauf. Und so kann schon bei einer einfachen Tätigkeit eine Vertragsstrafe von 5.000 Euro oder mehr festgelegt werden.

Außerdem gibt es die Möglichkeit einer Kündigungsbeschränkung. Diese würde festlegen, dass man frühestens am ersten Arbeitstag kündigen darf. So verhindern Firmen, dass Ihnen Bewerber weglaufen, weil Sie nach der Unterschrift noch ein besseres Angebot bekommen haben.

3. Wenn der Arbeitgeber kündigt…

Wenn Sie faktisch noch nicht in der Firma beschäftigt sind, haben Sie auch noch keinen Kündigungsschutz. Die rechtlichen Regelungen greifen erst, wenn man mindestens sechs Monate in einem Unternehmen ist, also meist mit dem Ablauf der Probezeit. Somit gilt die allgemeine Kündigungsfrist von zwei Wochen. Für den Arbeitgeber ist es also relativ einfach, sich noch vor Ihrem ersten Arbeitstag von Ihnen zu trennen.

Teilt Ihnen Ihr neuer Arbeitgeber erst eine Woche vorher mit, dass man Sie doch nicht beschäftigen will, so ist er noch verpflichtet, Sie eine Woche lang zu bezahlen. Egal, ob er Sie während dieser Zeit zur Arbeit bittet oder ob er Sie freistellt.

In der Praxis kommt es jedoch äußerst selten vor, dass Firmen sich von einem Mitarbeiter trennen, den sie gerade erst eingestellt haben. Denn einen neuen Mitarbeiter zu finden, kann ebenfalls Monate dauern.

In unserem Ratgeber finden Sie weitere Informationen und Verhaltenstipps im Kündigungsfall.

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