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Sprachkenntnisse im Lebenslauf angeben – so geht’s richtig

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Dank moderner Kommunikationstechnik wird die Welt immer kleiner. Schon in kleineren und mittelständischen Unternehmen können daher Sprachkenntnisse besonders wichtig sein. Daran sollten Sie schon bei der Bewerbung denken. Ihr möglicher neuer Arbeitgeber will aber mehr wissen als eine bloße Auflistung der Sprachen, die Sie zu sprechen im Stande sind. Auch eine Bewertung nach dem Schulnotenprinzip reicht nicht wirklich aus. Hier lesen Sie, wie Sie Ihre Sprachkenntnisse im Lebenslauf richtig angeben.

1. Sprachkenntnisse: Was wird von Ihnen verlangt?

Lesen Sie die Ausschreibung der offenen Stelle sorgfältig durch, welche Kenntnisse hier verlangt werden. Versuchen Sie nicht, etwas vorzugaukeln, was Sie nicht einhalten können. Vielleicht schaffen Sie es noch, das in der Bewerbungsphase zu überstehen, aber wenn Ihnen danach der Job auf die Füße fällt, weil Sie den Anforderungen nicht gewachsen sind, haben Sie mehr verloren als gewonnen.

In manchen Fällen wird explizit darauf hingewiesen, dass etwa ein Muttersprachler gesucht wird. Dann macht es auch wirklich nur Sinn sich zu bewerben, wenn Sie diese Voraussetzung erfüllen.

Oft werden Fremdsprachenkenntnisse in den Ausschreibungen aber auch nur angedeutet, etwa indem darauf hingewiesen wird, dass es sich um ein international aufgestelltes Unternehmen handelt.

2. Sprachkenntnisse: Die fünf Stufen

Eine verbindliche, allgemeingültige Regelung, wie man seine Sprachkenntnisse ausweisen sollte, gibt es nicht. Das Mindeste sollte jedoch ein Fünf-Stufen-System sein.

2.1. Stufe 1: Grundkenntnisse

Das heißt, Sie verfügen über einen Grundwortschatz, kennen die wichtigsten Grammatikregeln und können einem einfachen Gespräch folgen.

2.2. Stufe 2: Gute Sprachkenntnisse

Sie können sich an einem einfachen Gespräch beteiligen, auch Telefongespräche führen und fremdsprachige Texte verstehen, etwa Zeitungsartikel oder einen Vortrag in der fremden Sprache.

2.3. Stufe 3: Fließend

Sie verfügen über sehr gute Sprachkenntnisse, können Gespräche führen und auch an schwierigen Diskussionen teilnehmen. Sie verstehen auch Fachausdrücke aus Ihrem Feld.

2.4. Stufe 4: Verhandlungssicher

Quasi die höchste Stufe, die man für eine angelernte Sprache erreichen kann. Sie sind sicher im Umgang mit der Sprache – auch in geschriebener Form. Sie sprechen fehlerfrei, verfügen über einen umfangreichen Wortschatz auch an Fachvokabular und kennen auch regional geläufige Ausdrücke oder Redewendungen.

2.5. Stufe 5: Muttersprachler

Diesen Ausdruck dürfen Sie wirklich nur dann verwenden, wenn Sie mit der jeweiligen Sprache aufgewachsen sind. Das gilt auch, wenn Sie Sie mehrsprachig erzogen worden sind. Hat Ihr Vater beispielsweise nur Spanisch mit Ihnen geredet und Ihre Mutter Deutsch, dann können Sie Spanisch und Deutsch als Muttersprache angeben. Voraussetzung ist, dass Sie die Sprachen entsprechend perfekt beherrschen – eben so, wie man es von jemandem erwarten würde, der die Sprache von Geburt an gelernt und darin kommuniziert hat.

3. Sprachzertifikate: Was bedeuten sie?

In Fortbildungen erworbene Sprachkenntnisse werden in der Regel über Zertifikate oder Urkunden bescheinigt. Dazu wurde der sogenannte Europäische Referenzrahmen eingeführt, der sechs Stufen in drei Kategorien umfasst.

Diese Kategorien sind:
A1/A2 – Anfänger und grundlegende Kenntnisse
B1/B2 – Fortgeschrittene und selbstständige Sprachverwendung
C1/C2 – Fachkundige und schließlich annähernd muttersprachliche Sprachkenntnisse

4. So bewerten Sie Ihre Sprachkenntnisse

Wenn Sie ein paar Jahre Französisch in der Schule hatten, reicht das in der Regel für A1 oder Grundkenntnisse. Doch nur, wenn Sie auch im Stande sind, Gespräche zu führen, sollten Sie sich höher einstufen. Dass Sie jedem englischsprachigen Film problemlos folgen können, bedeutet nicht automatisch, dass Sie verhandlungssicher Englisch sprechen, kommen doch hier eine ganze Reihe von Fachausdrücken auf Sie zu, die man im täglichen Sprachgebrauch nicht unbedingt aufschnappt. Machen Sie die Probe und simulieren Sie ein Fachgespräch oder eine Gehaltsverhandlung in der Fremdsprache. Nur wenn Sie hier mitziehen und selbst formulieren können, sollten Sie auch die höhere Einstufung wählen.

5. So beschreiben Sie Ihre Sprachkenntnisse im Lebenslauf

In der Regel ist es sinnvoll, Ihre Sprachkenntnisse detaillierter anzugeben, insbesondere dann, wenn sie für die Position, auf die Sie sich bewerben, relevant sind. Etwa indem Sie praktische Erfahrungen hervorheben oder betonen, dass Sie eine Sprache nicht nur verstehen und sprechen, sondern auch schreiben können.

Wenn Sie also in Korrespondenz mit den Kollegen in Amsterdam geübt sind, dann schreiben Sie: „Niederländisch fließend in Wort und Schrift“.

Je präziser Sie Ihr Sprachniveau beschreiben, desto leichter machen Sie es Ihrem Gegenüber, einen Eindruck von Ihren Fähigkeiten zu erlangen. Lassen Sie es nicht unerwähnt, wenn Sie über besondere Erfahrungen mit einer Sprache verfügen. Haben Sie zwei Jahre in Brasilien gelebt und so Ihr Portugiesisch auf ein neues Niveau gehoben? Dann schreiben Sie dazu, dass Sie Ihre Spracherfahrungen während eines zweijährigen Auslandsaufenthalts intensiviert haben, z. B. so: „Portugiesisch fließend durch 2-jährigen Auslandsaufenthalt in Brasilien“.

Haben Sie während des Studiums ein oder mehrere Semester im Ausland verbracht? Dann heben Sie das an dieser Stelle noch einmal hervor. Waren Sie für Ihren bisherigen oder einen früheren Arbeitgeber eine Zeit lang im Ausland tätig und haben so praktische Erfahrungen gesammelt? Das ist immer wertvoller als Sprachen, die Sie nur von der Schulbank aus kennengelernt haben. Also vergessen Sie nicht, diese direkten Erlebnisse in Ihrem Lebenslauf hervorzuheben.

Wenn möglich: Legen Sie Bescheinigungen, Zertifikate oder andere Belege vor, die Ihre Sprachkenntnis untermauern und objektiv nachvollziehbar machen.

6. So belegen Sie das Niveau Ihrer Sprachkenntnisse

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich die eigenen Sprachkenntnisse bescheinigen zu lassen. Wer zum Beispiel als Deutscher an einer US-amerikanischen Universität studieren will, muss vorher nachweisen, dass er der Sprache folgen kann und dazu ein TOEFL-Zertifikat vorlegen. Die Abkürzung steht für Test of English as a Foreign Language. Ähnliche Prüfungen gibt es für Französisch (DELF und DALF) oder Spanisch (DELE). Auch Ausländer können über das sogenannte Sprachdiplom nachweisen, dass sie die deutsche Sprache beherrschen.

7. Seien Sie auf einen Test vorbereitet

Wenn der Arbeitgeber ausländische Sprachkenntnisse verlangt und Sie angeben, diese auch zu besitzen, so sollten Sie damit rechnen, dass man sie auf die Probe stellt. So ist es gut möglich, dass ein Teil des Vorstellungsgesprächs in der Fremdsprache geführt wird. Nicht nur, wenn man verhandlungssichere Kenntnisse von Ihnen verlangt. Es kann auch passieren, wenn Sie nur einfache Konversationen führenn sollen oder wenn Sie angegeben haben, Kenntnisse in einer besonders exotischen Sprache zu haben. Stellen Sie sich darauf ein – je nach angegebenem Sprachlevel – leichte Fragen, etwa nach dem letzten Urlaubsaufenthalt, bis komplexe Gespräche in der anderen Sprache zu führen. Rechnen Sie auch mit einer Aufforderung wie zum Beispiel: „Sie haben Basiskenntnisse in Chinesisch angegeben, sagen Sie mal was auf Mandarin.“ Wenn Sie jetzt hochgepokert haben, weil Sie vor 5 Jahren mal einen Volkshochschulkurs in Chinesisch belegt haben und nun nicht mal mehr ein paar einfache Sätze herausbringen, stehen Sie schlecht dar.

8. Es wird gerne übertrieben – auf beiden Seiten

Sprachkenntnisse lassen sich nicht mit Ja oder Nein belegen, wie etwa bei einem Führerschein oder einer Berufsausbildung. So ist die Abgrenzung zwischen den einzelnen Stufen fließend. Das führt oft dazu, dass Bewerber ihre Fähigkeiten höher einschätzen, als es in der Realität angemessen wäre. Hier sollten Sie aufpassen, dass Sie sich nicht in ein Wespennetz setzen.

Genau so oft kommt es aber vor, dass Firmen übertreiben und Kenntnisse fordern, die in der Realität vielleicht gar keine Rolle spielen. Hier lohnt es sich, im Gespräch auch mal nachzufragen, welche Bedeutung diese Qualifikation im täglichen Geschäft haben wird. Oft stellt sich dann heraus, dass das Thema überbewertet wird.

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