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Mist gebaut – wie sag‘ ich’s meinem Chef?

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Menschen sind nicht perfekt, Menschen machen Fehler. Auch und gerade im Job. Ist das Kind erst einmal sprichwörtlich in den Brunnen gefallen, stellt sich die Frage: Wie sage ich meinem Chef, dass ich einen Fehler gemacht habe? Aus Angst vor der Reaktion und vor möglichen Konsequenzen zu verheimlichen, dass man Mist gebaut hat, macht die Sache aber nur noch schlimmer. Wie man seinem Chef einen Fehler beichtet, ohne das Vertrauensverhältnis zu gefährden, erfahren Sie in diesem Artikel.

Einmal nicht aufgepasst, schon ging die Geschäfts-E-Mail mit den vertraulichen Daten an den falschen Adressaten raus, wurde die individuell bestellte und angefertigte Premiumware in der falschen Farbe ausgeliefert oder Kaffee über den nagelneuen Hochleistungsrechner am Arbeitsplatz geschüttet. Die Liste der möglichen Fehler und Versehen ließe sich unendlich verlängern. Natürlich sind die allermeisten Fehler vermeidbar, aber sie werden eben trotzdem gemacht. Wer an sich selbst den Anspruch stellt, niemals Fehler zu machen, kommt mit einem ausgewachsenen Fauxpas erst recht nicht klar. Falsch verstandener Perfektionismus führt oft sogar zu vermehrtem Fehleraufkommen.

Lassen Sie uns daher am besten ganz nüchtern vorgehen, Emotionen wie Panik, Angst oder ein verständlicher „Fluchtinstinkt“ helfen nicht weiter. Zuerst einmal sollten Sie sich sicher sein, dass Sie überhaupt einen Fehler gemacht haben. Wenn es aber tatsächlich Ihr Verschulden ist, dann gestehen Sie es sich ein.

1. Das war Mist, ich steh‘ aber dazu.

Zwar gibt es Fehler, die daraus resultieren, dass jemand vor Ihnen in der Kette bereits einen Fehler begangen oder nicht mitgedacht hat. Das heißt aber nicht, dass Sie Ihr Verschulden immer anderen Leuten in die Schuhe schieben können. Überlegen Sie, was Ihr Anteil an der Misere ist und gestehen Sie sich also erst einmal selbst den Fehler ein.

Dann versuchen Sie abzuschätzen, welche Konsequenzen Ihr Fehler haben wird – nicht nur für sich selbst, sondern auch für Ihre Kollegen, Kunden oder Ihre Vorgesetzten. Überlegen Sie sich, wen Sie informieren und bei wem Sie sich entschuldigen müssen.

2. Fehler eingestehen: Zeigen Sie Größe

Vielleicht ziehen Sie in Erwägung, die ganze Angelegenheit einfach unter den Tisch fallen zu lassen. Sie müssten Ihr Gesicht nicht verlieren, Ihr Ruf als zuverlässiger Mitarbeiter würde keinen Schaden erleiden. Ein verständlicher Gedankengang, aber fatal. Denn die Erfahrung zeigt, dass Fehler über kurz oder lang herauskommen. Denn dumme Zufälle begünstigen nicht nur Fehler, sie führen auch zur Aufdeckung von fehlerhaftem Verhalten. Daher bleibt Ihnen eigentlich keine Wahl, als Ihren Fehler selbst zu offenbaren.

Dieses Vorgehen hat den Vorteil, dass Sie die Initiative übernehmen und nicht Gefahr laufen, „aufzufliegen“. Sie können auch die Rahmenbedingungen bestimmen, wie Sie Ihren Fehler zur Sprache bringen. Um Sie zu motivieren, die unangenehme Situation offensiv und schnell hinter sich zu bringen, möchten wir direkt mit einem Missverständnis aufräumen: Wer seine Fehler offen zugibt und die Verantwortung übernimmt, riskiert keine Blamage oder seine Vertrauensposition, sondern unterstreicht vielmehr die eigene Integrität. Fehler sind, wie bereits gesagt, menschlich und auf lange Sicht unvermeidlich. Jeder macht welche. Das sollten Sie sich vor Augen halten. Wer aber unverschämt versucht, sie unter den Teppich zu kehren oder die Verantwortung anderen in die Schuhe schiebt, schadet sich selbst am meisten. Nehmen Sie sich also ein Herz und gehen Sie schnellstmöglich zum Chef, um nicht noch mehr Porzellan zu zerschlagen.

3. Das entscheidende Gespräch mit dem Chef

Unabhängig von den individuellen Umständen müssen Sie sich in den allermeisten Fällen sofort an Ihren direkten Vorgesetzten wenden, um die weiteren Maßnahmen zu initiieren und Ihrer Informationspflicht nachzukommen.

Unsere Empfehlung: Schieben Sie dieses Gespräch nicht auf die lange Bank und reden Sie nicht um den heißen Brei herum. Je klarer und offener Sie Ihren Fehler einräumen und die Verantwortung übernehmen, desto positiver wird Ihr Chef – bei allem verständlichen Ärger – darauf reagieren und mit Ihnen zusammen eine angemessene Lösung suchen.

Zeigen Sie, dass Sie mitdenken und überlegen Sie, wie Sie in Zukunft ähnliche Fehler vermeiden können. So erkennt Ihr Chef, dass Sie sich nicht nur zu Ihrem Fehler bekennen und die volle Verantwortung übernehmen, sondern auch aktiv an der Schadensbegrenzung und Fehler-Prophylaxe mitarbeiten wollen.

4. Sich richtig entschuldigen

Um eine Entschuldigung kommen Sie nicht herum – die Betonung liegt dabei auf EINER Entschuldigung. Vermeiden Sie unterwürfiges Verhalten und entschuldigen Sie sich nicht immer wieder aufs Neue für Ihren Fehler. Nehmen Sie die Angelegenheit aber auch nicht zu locker und speisen Sie die Betroffenen und Ihren Vorgesetzten nicht mit einem lapidaren „‘Tschuldigung“ ab. Zeigen Sie, dass Sie es wirklich ehrlich meinen und sich auch in Zukunft sorgfältig um die Erledigung Ihrer Aufgaben kümmern werden, ohne mit übertriebener Vorsicht den ganzen Betrieb aufzuhalten.

5. Angst vor Strafe

Strafe muss sein. Diesen destruktiven Glaubenssatz schleppen viele Menschen seit ihrer Kindheit mit sich herum. Als Konsequenz vermeiden Sie es, Verantwortung zu übernehmen. Sie fürchten sich vor den Folgen. Aber tatsächlich werden im Arbeitsleben kaum Fehler wirklich bestraft. Das passiert in der Regel nur, wenn es sich um länger andauerndes Fehlverhalten oder um vorsätzliche Taten handelt. Entstehen Vermögens- oder Sachschäden nachweislich aus Versehen, kommen auch oft Versicherungen für den Schaden auf. Sie werden Ihren Job nicht verlieren, nur weil Sie einmal (unabsichtlich) richtigen Bockmist gebaut haben.

Tragen Sie es mit Fassung
Ein Donnerwetter Ihres Chefs mag es geben. Damit müssen Sie – je nach Gemüt Ihres Vorgesetzten und der Tragweite Ihres Fehlers – rechnen. Stellen Sie sich trotzdem selbstbewusst der Situation. Wahrscheinlich kann Ihr Vorgesetzter nicht anders, als Ihnen symbolisch auf die Finger zu klopfen, um den betriebsinternen Regeln und seiner Verantwortung Genüge zu tun. Wenn Sie aber offen und ehrlich Ihren Fauxpas einräumen und nicht versuchen, sich herauszureden oder Ihren Fehler zu vertuschen, wird Ihr Chef zwar nicht begeistert sein, aber Ihnen auch nicht den Kopf abreißen. Selbst wenn Sie eine Abmahnung kassieren, ist das noch kein Weltuntergang.

6. Aus Fehlern lernen

„Man kann jeden Fehler machen. Aber bitte nur einmal.“ Üblicherweise sinkt die Toleranzgrenze merklich, wenn derselbe Fehler von derselben Person ein zweites oder drittes Mal gemacht wird. In solchen Fällen kann zu Recht davon ausgegangen werden, dass sich der betreffende Mitarbeiter nicht wirklich um die Konsequenzen schert, eine ungesunde Einstellung besitzt und über kein ernst zu nehmendes Verantwortungsbewusstsein verfügt. Verständlich, wenn diese Kollegen dann auch unter besonderer Beobachtung der Vorgesetzten stehen und bei wiederholtem Fehlverhalten arbeitsrechtlich belangt werden.

7. Fehlerkultur: Mut zum Risiko

Tatsächlich wird in immer mehr modernen Unternehmen eine Fehlerkultur implementiert, um die Mitarbeiter zu bewegen, auch mal Risiken einzugehen und mutigere Entscheidungen zu treffen. Denn nur wer etwas wagt, macht auch Fehler.

Mitarbeiter, die nur im Autopiloten-Modus unterwegs sind, machen vielleicht weniger Fehler, bringen das Unternehmen aber auch nicht weiter. Und nicht immer müssen Fehler direkt etwas Negatives sein. Vielmehr bieten sie die Chance zur Weiterentwicklung. Diese Fehlerkultur sollte aber auch nicht als Freifahrtschein für unbekümmertes und fahrlässiges Verhalten verstanden werden.

8. Fazit

Fehler machen wir alle – es kommt entscheidend darauf an, wie wir mit ihnen umgehen. Faule Ausreden, Vertuschungsversuche oder das Abschieben der Verantwortung helfen nicht weiter, sondern machen die ganze Sache noch viel schlimmer. Gehen Sie also offensiv mit Ihrer „eingebauten“ menschlichen Fehlbarkeit um, gestehen Sie Fehler direkt und offen ein, rücken Sie Ihre Krone zurecht und arbeiten Sie produktiv weiter!

Tipp: Lesen Sie auch unsere Beiträge zu den Themen Aufschieberitis und Priorisierungstechniken, um Fehler zu vermeiden, die dadurch entstehen, dass Sie Aufgaben auf die lange Bank schieben oder zu viele Dinge gleichzeitig erledigen.

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