Karrierekompass
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Finger weg von Bewerbungsfloskeln und Blabla im Anschreiben

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„Mit großem Interesse habe ich Ihre Ausschreibung gelesen und bewerbe mich hiermit als …“ – Bewerbungen, die mit diesen Worten beginnen, haben eine gute Chance direkt auf dem Stapel mit den Absagen zu landen. Warum? Weil der Einstieg einfallslos und langweilig ist und damit bestens aufzeigt, warum Bewerbungsfloskeln und Blabla im Bewerbungs-schreiben ein No-Go sind. Welche typischen Phrasen Sie unbedingt vermeiden sollten und wie Sie es besser machen, erfahren Sie in diesem Beitrag.

1. Die schlimmsten Worthülsen und warum sie ein No-Go sind

Wer in seinem Bewerbungsschreiben abgedroschene Floskeln verwendet, die der Personalverantwortliche bereits tausendmal und öfter gelesen hat, der sagt damit aus: Ich bin einfallslos und nichts Besonderes. Einen einfallslosen Mitarbeiter, der sich selbst in die Kategorie 0-8-15 steckt, den möchte kein Unternehmen anstellen.

Auch präsentiert sich ein Bewerber mit einem vor Floskeln strotzenden Bewerbungsschreiben als faul und desinteressiert. Warum? Weil in vielen alten (!) Bewerbungsratgebern genau diese langweiligen Bewerbungsfloskeln in Musterschreiben stehen. Wer sie heute verwendet, sagt damit: Ich kann lesen und abschreiben. Um mir wirklich Gedanken über das Unternehmen oder den Job zu machen, fehlt es mir aber an Lust oder Zeit.

Wer ein Bewerbungsschreiben mit den oben genannten oder ähnlichen Worten beginnt, läuft Gefahr, bereits zu Beginn des Schreibens seine Chance auf den Job zu verspielen. Doch auch im weiteren Verlauf der Bewerbung gibt es noch zahlreiche Floskel-Fettnäpfchen, die es zu umgehen gilt. Die folgende Hitliste der schlimmsten Worthülsen zeigt die größten Fauxpas im Bewerbungsschreiben und auch, wie es besser geht.

1.1. „Sehr geehrte Damen und Herren“ in der Anrede

Die Anrede Sehr geehrte Damen und Herren ist sehr beliebt, wenn in der Stellenanzeige kein Ansprechpartner genannt wird. Sie zeugt aber von mangelndem Interesse. Denn sonst hätten Sie sich doch die Mühe gemacht, herauszufinden, wer für Ihre Bewerbung zuständig ist, oder?

Tipp: Recherchieren Sie Ihren Ansprechpartner und auch die genaue Schreibweise des Namens. Prüfen Sie genau, ob der Ansprechpartner nicht doch in der Stellenanzeige genannt wird – dann ist eine unpersönliche Ansprache im Anschreiben nämlich erst recht tabu. Ist das nicht der Fall, rufen Sie am besten im Unternehmen an und erkundigen sich, an wen Sie Ihre Bewerbung richten dürfen. Wer online recherchiert, läuft bei großen Firmen Gefahr, den falschen Ansprechpartner einzusetzen. Und das ist dann nicht minder peinlich.

1.2. Langweiliger Einstieg

Sätze wie „Hiermit bewerbe ich mich als …“ und „Mit großem Interesse habe ich Ihre Stellenanzeige auf www.musterjob.de gelesen“ haben eine Gemeinsamkeit: Sie langweilen und fallen in die Rubrik der Bewerbungsfloskeln. Damit gehören sie im Bewerbungsschreiben auf die rote Liste.

Mit dem ersten Satz wecken Sie das Interesse des Personalers. Machen Sie neugierig darauf, Ihre Bewerbung zu Ende zu lesen. Seien Sie mutig, trauen Sie sich etwas und überraschen Sie mit Persönlichkeit und Individualität. Wie das funktioniert, lesen Sie in unserem Beitrag zum ersten Satz im Bewerbungsschreiben.

1.3. Bloßes „Wiederkäuen“ der Stellenanzeige

Welche Qualifikationen wünscht sich das Unternehmen von den Bewerbern? Achtung: Es geht nicht darum, dieselben Worte wiederzugeben, die auch in der Stellenanzeige stehen. Die bloße Wiederholung bzw. Aneinanderreihung von gewünschten Qualifikationen ist ein No-Go. Sie können erwähnen, dass Sie der richtige Kandidat bzw. die richtige Kandidatin sind, weil Sie die gewünschte Qualifikation mitbringen. Belegen Sie das aber unbedingt mit Beispielen und stellen Sie nicht nur Behauptungen auf. Wo sind die passenden Anknüpfungspunkte in Ihrem Lebenslauf zu finden? Der Betrieb wünscht sich einen Bewerber mit abgeschlossenem BWL-Studium? Prima, dann erläutern Sie, welche Schwerpunkte Sie gewählt haben – die im Idealfall genau zum Jobprofil passen. Beachten Sie, dass die wichtigsten Anforderungen, die der Bewerber unbedingt erfüllen sollte, in der Regel ganz oben in Stellenanzeigen stehen. Daran sollten Sie im Anschreiben anknüpfen und Ihre Kompetenzen erläutern.

Das Aufzählen von Seminaren und Weiterbildungen ist übrigens ebenso tabu – solche Angaben gehören in den Lebenslauf. Haben Sie allerdings eine Weiterbildung absolviert, die branchenspezifisch ist und Sie von Ihren Konkurrenten abhebt, widmen Sie dieser Weiterbildung ein bis zwei Sätze im Anschreiben.

1.4. „Teamfähig“, „flexibel“, „motiviert“

Bei der Beschreibung der eigenen Kompetenzen greifen Bewerber gerne auf die folgenden beliebten Worthülsen zurück: „Ich bin teamfähig, motiviert und flexibel“. Was sich für Sie vielleicht ganz positiv liest, langweilt die Personaler, die Sätze wie diese jeden Tag zu Gesicht bekommen. Und seien wir mal ehrlich: Das sind eigentlich Selbstverständlichkeiten, die jedes Unternehmen erwartet. Oder würden Sie sich für Ihr Team einen eigenbrödlerischen, sturen Esel wünschen, der immer seinen Kopf durchsetzen will und nur Dienst nach Vorschrift macht? Wenn Sie dennoch eine der oben genannten Kompetenzen in Ihrer Bewerbung erwähnen wollen, sollten Sie sie auch glaubhaft machen, beispielsweise so: „Meine Teamfähigkeit stelle ich beruflich als Ausbildungsbeauftragte und privat als Sporttrainerin im Verein unter Beweis“.

Weitere Worthülsen-verdächtige Begriffe, die sich immer wieder in Bewerbungsschreiben finden lassen, sind:

  • Dynamisch
  • Proaktiv
  • Innovativ
  • Kreativ
  • Belastbar
  • Ergebnisorientiert
  • Selbstständig
  • Mehrwert

Besser, als sich mit den typischen Phrasen zu begnügen, ist es jedoch, Sie belegen Ihre Qualifikation für die Stelle anhand von konkreten Projekten, die Sie erfolgreich gemeistert haben. Der Schüler, der sich für eine Ausbildung als Bankkaufmann interessiert, kann beispielsweise seine Teilnahme am Börsenspiel erläutern, bei dem Schüler virtuelles Kapital zur Verfügung gestellt bekommen, das sie vervielfachen sollen und so spielerisch die Finanzmärkte kennen lernen. So kann er sein Interesse an der Finanzbranche überzeugend vermitteln. Der ausgelernte Azubi, der seinen Ausbildungsbetrieb verlassen möchte, kann ein interdisziplinäres, abteilungsübergreifendes Projekt nutzen, um sein Organisationsvermögen zu begründen.

2. Phrasendrescherei in Sachen Motivation und Ziele

Wer in seiner Bewerbung nur das Ziel ausweist in einem internationalen Unternehmen arbeiten oder seine Qualifikation in den Dienst des Marktführers stellen zu wollen, verbreitet inhaltsleere Bewerbungsfloskeln und läuft Gefahr, in die Kategorie „Schleimer“ einsortiert zu werden. Erläutern Sie besser, was Sie im Unternehmen erreichen möchten und warum der Job für Sie so reizvoll ist. Hierbei gilt: Je höher der Posten ist, desto konkreter muss die Zukunftsvision ausfallen. Der neue Abteilungsleiter im Marketing kann es sich zum Beispiel zum Ziel setzen, eine Online Marketing Strategie zu entwickeln, die dem Unternehmensziel Sorge trägt, die Kundenbindung nachhaltig zu verbessern und den Umsatz pro Kunde durchschnittlich um 15% zu steigern. Das zeigt: Hier spricht ein Bewerber vor, der sich mit dem Unternehmen eingehend beschäftigt und verstanden hat, wohin die Reise gehen soll.

3. Falsche Bescheidenheit am Schluss

Nicht direkt eine Floskel, aber strategisch auch kein kluger Schachzug. Sätze wie „Ich würde mich freuen, in Ihrem Betrieb tätig werden zu können“ oder „Ich hoffe, meine Bewerbung konnte Sie überzeugen“ haben im Anschreiben nichts verloren. Denken Sie daran: Sie haben viel zu bieten und das Unternehmen hat ein Interesse daran, Sie kennen zu lernen.

Tipp: Schließen Sie Ihr Schreiben zum Job passend. Beispielsweise darf der Vertriebsmitarbeiter gerne selbstbewusst erklären: „Überzeugen Sie sich in einem persönlichen Gespräch von mir und meiner vertrieblichen Kompetenz. Ich freue mich darauf Sie kennenzulernen.“ Auf diese Weise nehmen Sie vorweg, dass Sie fest von einer Einladung zum Bewerbungsgespräch ausgehen. Psychologisch gesehen suggerieren Sie damit unterschwellig, dass es gar nicht zur Debatte steht, Sie nicht kennen zu lernen. Weitere passende Schlussformeln finden Sie in unserem Artikel „Der Schlusssatz im Bewerbungsschreiben“.

Zugegben, eine gute Bewerbung zu schreiben ist zeitaufwendig. Aber am Ende die Mühe wert, wenn Sie Ihrem Traumjob auf diese Weise ein Stückchen näher kommen. Nehmen Sie sich die Zeit, aus einem Standard-Anschreiben eine maßgeschneiderte Bewerbung zu machen, mit der Sie aus der Masse herausstechen.

Noch mehr Tipps rund um das Anschreiben finden Sie in unserem Ratgeber.

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