Karrierekompass

Der Schlusssatz im Bewerbungsschreiben – der letzte Eindruck bleibt

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Auch mit einem prägnanten Schlusssatz Ihres Bewerbungsschreibens setzen Sie Akzente. Idealerweise sorgt er dafür, dass Ihr Bewerbungsschreiben bei den Personalentscheidern einen bleibenden Eindruck hinterlässt.

Ein gutes Anschreiben folgt ebenso wie eine spannende Geschichte oder ein Roman einer Dramaturgie und baut folglich einen Spannungsbogen auf. Mit Ihrem Einleitungssatz fesseln Sie die Aufmerksamkeit des Lesers. Danach fällt die Spannung etwas ab, um gegen Ende des Schreibens wieder anzusteigen. Mit dem Schlusssatz Ihres Anschreibens beweisen Sie verbal, dass Sie es ernst mit Ihrer Selbstdarstellung meinen – er unterstreicht Ihre Ausführungen zu Ihrer Motivation und Ihrer Eignung für die Stelle.

Wichtig ist, dass Sie sich auch im letzten Satz des Schreibens als kompetenter, souveräner Bewerber präsentieren. Schließlich sind Sie kein Bittsteller, sondern ein bestens qualifizierter Mitarbeiter, nach dem Ihr potentieller Arbeitgeber dringend sucht. Ein schwaches Ende kann die Wirkung eines an sich guten Textes komplett zunichtemachen.

1. Der letzte Eindruck bleibt

Warum der letzte Eindruck von entscheidender Bedeutung ist, hat die psychologische Forschung untersucht und aus den Ergebnissen ein Modell entwickelt. Bei jeder neuen Begegnung wirken sich drei psychologische Effekte aus. Sie entscheiden darüber, ob sich das Zusammentreffen als Erfolg erweist oder im Fiasko endet. Dieser Ansatz lässt sich auch auf die schriftliche Kommunikation und somit auf die Wirkung eines Bewerbungsschreibens übertragen:

  • Die erste Information in einem Text wirkt prägend. Deshalb kann der Einleitungssatz im Bewerbungsanschreiben darüber entscheiden, ob eine Bewerbung überhaupt gelesen wird oder zu den Akten wandert. Dabei handelt es sich um den sogenannten Primär- oder Primacy-Effekt – die prägende Wirkung des allerersten Eindrucks.  Die wichtigste Aussage eines Bewerbungsanschreibens sollte folglich ganz am Anfang stehen. Optimal ist, wenn Sie mit dem Einleitungssatz Gemeinsamkeiten, Ihre Motivation für die Bewerbung oder Alleinstellungsmerkmale betonen, die deutlich machen, dass Sie ein Bewerber sind, nach denen Ihr Wunscharbeitgeber wirklich sucht:

„Sie suchen einen Projektmitarbeiter, der über fundiertes Praxiswissen, soziale Kompetenz und internationale Erfahrung in Lateinamerika verfügt? Als Wirtschaftsingenieur war ich bereits in mehreren vergleichbaren Projekten tätig. In den vergangenen drei Jahren habe ich erfolgreich am brasilianischen Markteinstieg meines aktuellen Arbeitgebers mitgewirkt. Ihre Stellenausschreibung hat mich daher auch wegen Ihres internationalen Profils sofort begeistert.“

  • Der Halo-Effekt wurde im 19. Jahrhundert durch den US-amerikanischen Psychologen Edward Lee Thorndike erforscht und definiert. Er besteht in einem Wahrnehmungsfehler, der dazu führt, dass einzelne (positive) Eigenschaften die Wahrnehmung einer Person durch andere in einem Ausmaß dominieren, dass sie eine „überstrahlende“ Gesamtwirkung erzeugen. Sein Gegenstück ist der Horn-Effekt, durch den aus einem isolierten negativen Eindruck, einer negativen Eigenschaft oder einer falschen Formulierung ein negatives Gesamtbild entstehen kann. Im Hinblick auf die schriftliche Bewerbung wirkt er sich dahingehend aus, dass ein noch so perfekter Lebenslauf ein schwaches Anschreiben meist nicht kompensieren kann.
  • Der Rezenz- oder Recency-Effekt bewirkt, dass der letzte Eindruck besonders nachhaltig im Gedächtnis bleibt und für die Beurteilung eines direkten oder indirekten – beispielsweise schriftlichen – Kontaktes eine zentrale Rolle spielt. Der Volksmund weiß, dass der erste Eindruck zählt, der letzte jedoch bleibt. In der Wahrnehmung anderer fallen hier außerdem Halo- (oder Horn-) Effekt mit dem Recency-Effekt zusammen. In anderen Worten: Mit dem Schlusssatz Ihres Bewerbungsanschreibens haben Sie in der Hand, ob der gesamte Text und Ihre Selbstpräsentation stark oder unbedeutend wirken.

2. Kardinalfehler Konjunktiv

Wenn Sie sich in Ihrem Schlusssatz für den Konjunktiv entscheiden, haben Sie zwar eine sympathische und höfliche Variante gewählt, Ihr Schreiben abzuschließen, sorgen jedoch auch dafür, dass Sie sich kleiner machen als Sie sind. Beispiele hierfür sind Sätze wie:

  • „Über eine Einladung zum Vorstellungsgespräch würde ich mich freuen.“
  • „Für einen persönlichen Vorstellungstermin wäre ich sehr dankbar.“
  • „Sehr gern würde ich Ihnen meine Motivation für die Bewerbung und eine Tätigkeit in Ihrem Unternehmen im Rahmen eines persönlichen Gesprächs erläutern.“

Aus Ihrem Wunsch nach einem persönlichen Vorstellungsgespräch wird durch den Konjunktiv eine vage Möglichkeit. Sie wirken unsicher, was zwangsläufig die Frage aufwirft, ob Sie wirklich der geeignete Bewerber für die offene Stelle sind.

3. „Weibliche“ und „männliche“ Sprache

Zwar tappen in die Konjunktiv-Falle nicht nur Frauen, sondern auch viele Männer – trotzdem lohnt  es sich an dieser Stelle auch,  einmal über „weibliche“ und „männliche“ Formulierungen nachzudenken. Unabhängig von den eigenen Qualifikationen und ambitionierten Karrierezielen neigen viele Frauen dazu, durch die Art und Weise ihrer Kommunikation vor allem einen Konsens herzustellen und ihrem Gegenüber Vorrang einzuräumen. Das Resultat besteht oft in einem solchen Konjunktiv, der die eigene Position tendenziell zurücknimmt und dem Entscheider (und den Mitbewerbern) das Feld klaglos überlässt.

4. Der Schlusssatz: Ihr Call-to-Action für den Personaler

Nicht nur für den Einleitungssatz, sondern auch für den Schlusssatz Ihres Bewerbungsanschreibens ist die Anwendung von Marketing-Methoden hilfreich. Vor allem im Onlinemarketing gibt es kaum eine Werbebotschaft ohne klaren Call-to-Action – der Werbetreibende will, dass der potentielle Kunde die Wahrnehmung des Werbespots in die gewünschte Handlung übersetzt. Hierfür sind klare Aussagen und Signale nötig. Kein Unternehmen fragt danach, ob die Kunden seine Produkte möglicherweise kaufen würden.

Der Schlusssatz des Bewerbungsanschreibens ist Ihr Call-to-Action für den Personaler. Sie wollen ein Vorstellungsgespräch und die Stelle? Also sagen Sie es bitte auch so klar wie möglich:

  • „Auf einen persönlichen Vorstellungstermin freue ich mich.“
  • „Ich freue mich darauf, Sie in einem persönlichen Gespräch von mir und meiner Kompetenz zu überzeugen.“
  • „Ich freue mich auf Ihre Antwort und die Einladung zu einem persönlichen Gespräch.“
  • „Gerne gehe ich in einem persönlichen Gespräch näher auf meine Motivation für die ausgeschriebene Stelle ein.“
  • „Ich freue mich darauf, Ihnen erste Ideen für die Weiterentwicklung Ihres Produktes in einem persönlichen Gespräch zu präsentieren.“
  • „Gerne mache ich mir im Vorfeld Gedanken und unterbreite Ihnen meine Vorschläge zu XY in einem persönlichen Kennenlerngespräch.“
  • „Lassen Sie uns gemeinsam herausfinden, ob wir zueinander passen. Dazu schlage ich ein persönliches Kennenlernen vor.“
  • „Wenn Sie einen engagierten, leistungsstarken und kompetenten Mitarbeiter für Ihr Team suchen, freue ich mich auf eine Einladung zu einem persönlichen Gespräch.“
  • Verbunden mit der immanenten Botschaft, dass Sie sich sicher sind, die Stelle zu bekommen:
    Den Eintrittstermin am … kann ich verbindlich zusagen. Auf ein persönliches Kennenlernen freue ich mich.“

Ob Sie mit Ihrem Schlusssatz insbesondere Ihre Motivation oder Ihre Souveränität betonen wollen oder eine eher kompakte Abschlussformel wählen, bleibt Ihnen überlassen. Danach schließen Sie Ihr Bewerbungsanschreiben mit „freundlichen“ oder mit „besten“ Grüßen ab.

Nicht vergessen: Unterschreiben Sie Ihr Bewerbungsschreiben. Das gilt auch, wenn Sie eine digitale Bewerbung versenden. Scannen Sie Ihre Unterschrift ein und speichern Sie sie ab. So können Sie Ihre Unterschrift beliebig für elektronische Bewerbungen verwenden.

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