Karrierekompass
Der Karriereguide von

Soft Skills im Bewerbungsverfahren

0

Im Bewerbungsverfahren interessieren sich die Personalentscheider auch für Ihre Persönlichkeitseigenschaften und Ihre „weichen“ Fähigkeiten – also für Ihre Soft Skills. Wenn Sie sich als der optimale Kandidat für die angestrebte Position erweisen wollen, müssen Sie die Personaler nicht nur mit Ihren fachlichen Qualifikationen, sondern auch mit Ihren sozialen Kompetenzen überzeugen.

Falls Sie gerade Stellenanzeigen studieren, fällt es Ihnen sicher auf: In den meisten Inseraten finden sich nicht nur Angaben zu den formalen Qualifikationen, Fachkenntnissen und der gewünschten Berufserfahrung geeigneter Bewerber, sondern auch zu den Soft Skills, die das Unternehmen für die ausgeschriebene Position für wichtig hält. Die Personalentscheider suchen dann beispielsweise nach einem Kandidaten, der teamfähig ist und über eine sehr gute Kommunikationsfähigkeit verfügt. Für eine andere Stelle sind hervorragende analytische Kompetenzen wichtig. Viele Arbeitgeber stellen außerdem heraus, dass sie sich von ihren Mitarbeitern Stressresistenz, Belastbarkeit, überdurchschnittliche Motivation und Leistungsbereitschaft wünschen.

In vielen Stellenprofilen machen die sogenannten Soft Skills inzwischen rund 40 Prozent der vorausgesetzten Bewerbereigenschaften aus. Als bloße Floskeln sollten Sie die Angaben sozialer Kompetenzen in einer Stellenausschreibung daher auf keinen Fall betrachten. Wenn Sie es schaffen, Ihren potentiellen Arbeitgeber auch von Ihren Soft Skills zu überzeugen, heben Sie sich damit oft deutlich von Ihren Mitbewerbern ab. Natürlich möchten die Personaler dafür nachvollziehbare Belege Ihrer persönlichen und sozialen Fähigkeiten sehen.

1. Wie werden Soft Skills in der schriftlichen Bewerbung deutlich?

Im Bewerbungsschreiben und im Lebenslauf werden wichtige Soft Skills oft auf indirekte Weise deutlich:

  • Die Formulierung des Anschreibens und die Gestaltung der Bewerbungsunterlagen erlauben Rückschlüsse auf die Motivation, das Engagement und die Sorgfalt des Bewerbers.
  • Gleichzeitig verweist die schriftliche Bewerbung auf Methodenkompetenz: Kennt der Kandidat die aktuellen Bewerbungsstandards? Wendet er sie richtig an? Ist er in der Lage, sich präzise und strukturiert zu präsentieren? Bezieht sich die Bewerbung auf das Unternehmen und die ausgeschriebene Stelle? Folgt sie dabei einem „roten Faden“?
  • Ein Bewerber, der in seinem Anschreiben persönliche Akzente setzt, lässt gute Kommunikationsfähigkeiten und auch Marketingwissen erkennen.

2. Indirekte Hinweise auf Soft Skills im Lebenslauf

Im Lebenslauf finden sich ebenfalls zahlreiche indirekte Hinweise auf die „weichen“ Fähigkeiten. Hochschulabsolventen können hier beispielsweise punkten, wenn ihre Praktika sowie das Thema ihrer Abschlussarbeit eine bewusste Karriereplanung erkennen lassen. Bei gestandenen Professionals interessieren sich die Personaler für die längerfristige berufliche Entwicklung des Bewerbers auch unter dem Aspekt, ob mit den einzelnen Karrierestationen Kompetenzerweiterungen und größere Verantwortung verbunden waren.

Auch bestimmte Hobbys im Lebenslauf – beispielsweise ein intensiv betriebener Mannschaftssport – und soziales Engagement weisen die Personaler auf bestimmte Soft Skills hin, ohne dass Sie diese in Ihren Bewerbungsunterlagen explizit erwähnen. Wichtig ist, dass solche Punkte nur im Lebenslauf erscheinen, wenn sie einen erkennbaren Bezug zur angestrebten Stelle haben.

3. Nehmen Sie einmal die Personaler-Perspektive ein!

In Ihrer schriftlichen Bewerbung versuchen Sie am besten, auch im Hinblick auf Ihre Soft Skills die Bewertungskriterien der Personaler mitzudenken. Beispielsweise sind Sie aus deren Perspektive nicht nur kreativ, wenn Sie in einem kreativen Beruf und einer ebensolchen Branche tätig sind. Davon unabhängig bedeutet Kreativität im Job, dass Sie eigene Ideen entwickeln und realisieren können, über Problemlösungskompetenz verfügen und in der Lage sind, mit beruflichen Herausforderungen umzugehen.

4. Arbeiten Sie mit Beispielen!

Wenn Sie bestimmte Soft Skills in Ihrer schriftlichen Bewerbung explizit erwähnen, ist das Anschreiben der richtige Ort dafür. Wichtig ist, dass Sie die von Ihnen betonte Eigenschaft mit konkreten Beispielen belegen. Ein solcher Textabschnitt liest sich dann vielleicht folgendermaßen:

Ich arbeite eigenverantwortlich und entwickle kreative Lösungen für anstehende Probleme. Bei meinem vorigen Arbeitgeber habe ich ein Modell für die Optimierung der Kundenzufriedenheit entwickelt und in die Praxis umgesetzt. Die Arbeit daran hat mir sehr viel Spaß gemacht. Die Zufriedenheit unserer Kunden hat sich durch dieses Projekt um knapp 15 Prozent gesteigert und die langfristige Kundenbindung sogar um 20 Prozent verbessert.

 „Nach meinem Studium war ich drei Jahre als Entwicklungshelfer in XY tätig. Neben praktischem sozialem Engagement waren mir in dieser Zeit auch das Lernen einer weiteren Fremdsprache sowie der Erwerb interkultureller Kompetenzen wichtig. Umso mehr freue ich mich, diese Fähigkeiten künftig für die Ziele Ihres Unternehmens einzusetzen.“

Falls es in Ihrer beruflichen oder privaten Vita wichtige Beispiele für Soft Skills oder spezielle Motivationen für exakt diese Bewerbung gibt, die den Rahmen Ihres Lebenslaufes sprengen würden, bietet es sich an, solche Punkte in einem separaten Motivationsschreiben – der sogenannten „Dritten Seite“ – zu erläutern. Selbstverständlich geht es auch hier darum, konkret zu bleiben.

5. Soft Skills im Vorstellungsgespräch

Wenn Sie eine Einladung zu einem persönlichen Vorstellungsgespräch erhalten, haben Sie die größte Hürde auf dem Weg zum neuen Job mit Erfolg genommen. Im Vorstellungsgespräch spielen Ihr Auftreten, Ihre Persönlichkeit und damit Ihre Soft Skills nun eine besonders exponierte Rolle – die Personalentscheider möchten sich ein ganzheitliches Bild von Ihnen machen.

Zentrale Punkte im Gespräch sind Ihre Motivation für die Bewerbung sowie Ihr Wissen über das Unternehmen und die angestrebte Stelle. Wenn Sie hier gut vorbereitet sind und in diesem Kontext wichtige Themen auch proaktiv zur Sprache bringen, wirken Sie überzeugend und machen echtes Interesse an einer Tätigkeit in dieser Firma deutlich. Mit einigen Fragen im Vorstellungsgespräch möchten die Personaler Sie auch „aus der Reserve“ locken, um Ihr Agieren in kritischen Gesprächssituationen zu bewerten. Wichtig ist, dass Sie gerade dann souverän und authentisch bleiben. Ihre Loyalität werden ebenfalls viele Personalentscheider testen. Negative Äußerungen über den früheren Arbeitgeber, den Chef oder Kollegen sind daher absolut tabu.

6. Assessment Center – der Praxistest für Ihre Soft Skills

Vor allem für Berufsanfänger, angehende Trainees, aber auch für die Besetzung von Positionen im mittleren Management ist es in vielen Unternehmen üblich, aussichtsreiche Kandidaten zu einem Assessment Center einzuladen. Bei diesem Auswahlverfahren geht es darum, Ihre Soft Skills in einer Praxissimulation zu testen. Auf dem Prüfstand stehen hier beispielsweise Ihre Integration ins Team, Kommunikations- und Präsentationsfähigkeiten, Ihre Problemlösungskompetenz sowie Ihre Fähigkeit, anstehende Aufgaben zu priorisieren. Tipps für die Assessment Center-Vorbereitung finden Sie in unserem Beitrag „Entspannt ins Assessment Center“.

Mehr zum Thema erfahren Sie in unserem Beitrag Soft Skills – Warum sie für die Karriere wichtig sind.

Hinterlasse eine Antwort