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Wenig Berufserfahrung? 5 Tipps, wie Sie Ihren Lebenslauf aufwerten

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Im ungünstigsten Fall können Berufseinsteiger in einen Teufelskreis geraten. Sie finden keinen Job, weil sie zu wenig Berufserfahrung haben – ohne Job können sie diese jedoch auch nicht erwerben. Womit können Berufsanfänger im Lebenslauf also nun punkten, um die Einstiegschancen ins Berufsleben zu erhöhen?

Der aktuelle Arbeitsmarkt entwickelt sich in mehr als einer Dimension widersprüchlich. Einerseits werfen zumindest in einigen Branchen der demografische Wandel und damit ein wachsender Mangel an Fachkräften ihre Schatten. Junge High Potentials mit technisch-naturwissenschaftlichen oder wirtschaftswissenschaftlichen Qualifikationen und IT-Erfahrung können oft zwischen verschiedenen attraktiven Karriereangeboten wählen. Andererseits stecken viele Unternehmen ihre Anforderungen für eine Festanstellung oder die Aufnahme in ihre Trainee-Programme immer höher.

1. Berufserfahrung – ein zentrales Einstellungskriterium

Neben der „richtigen“ Fachrichtung und guten Noten spielt für die Einstellungsentscheidungen vieler Firmen vor allem nachweisbare praktische Berufserfahrung eine wesentliche Rolle. Hinzu kommt, dass zahlreiche Unternehmen ihren Nachwuchs frühzeitig auf interner Basis fördern. Ein Beispiel hierfür sind die zahlreichen dualen Studiengänge, die eine betriebliche Ausbildung mit einem Fachhochschulstudium kombinieren – hervorragende Übernahmechancen sind für die meisten Absolventen nach einem erfolgreichen Abschluss inklusive. Berufsanfänger ohne praxisbezogenen Hintergrund geraten mit ihren Bewerbungen dagegen schnell in eine Abseitsposition. Im ungünstigsten Fall müssen sie sich nach einer langen Bewerbungsphase mit einem Job weit unterhalb ihrer Qualifikation zufriedengeben.

2. Die Lösung: Eine angepasste Bewerbungsstrategie

Eine solche Abwärtsspirale muss jedoch nicht sein. Mit einer entsprechend angepassten Bewerbungsstrategie kommen auch Bewerber mit unzureichender Berufserfahrung, Geisteswissenschaftler und Absolventen von „Nischenfächern“ zu einem qualifizierten und interessanten Job.

Beispielsweise macht es einen Unterschied, ob ein Unternehmen nach einem Mitarbeiter sucht, der „mindestens drei Jahre Berufserfahrung“ mitbringt oder vertiefte praktische Erfahrungen in einer Stellenausschreibung lediglich als „wünschenswert“ betrachtet. Hier hilft nur, gezielt nach Stellenangeboten zu suchen, die sich ausdrücklich auch an Berufsanfänger und/oder Quereinsteiger wenden.

3. Soft Skills – wichtige Potenziale für den Lebenslauf

Vielen Berufsanfängern kommt außerdem ein wichtiger aktueller Trend auf dem Arbeitsmarkt zugute. Ohne soziale Kompetenzen – die sogenannten Soft Skills  – sind Karrieren heute kaum noch möglich. Allerdings sollten sich auch solche Fähigkeiten anhand konkreter Beispiele belegen lassen. Viele Biografien von Berufsanfängern, die über vergleichsweise wenig praktische Berufserfahrung verfügen, enthalten in dieser Hinsicht wichtige Erfahrungspotenziale. In optimaler Weise dargestellt, können sie eine beträchtliche Aufwertung des Lebenslaufes und somit bessere Bewerbungschancen bewirken.

4. Fünf Tipps, wie Sie Ihren Lebenslauf aufwerten können

4.1. Praktika

Praktika  werden für eine erfolgreiche Bewerbung bei allen Hochschulabsolventen vorausgesetzt. Viele Kandidaten können dabei mit den Namen renommierter Unternehmen, anspruchsvollen Praktikumsaufgaben und einer gezielten Planung ihrer Praktika als Vorbereitung auf den Berufseinstieg punkten.

Manchmal hilft jedoch auch die beste Planung nichts: Ein Praktikumsplatz kann sich inhaltlich als Flop erweisen oder zu grundsätzlichen Veränderungen der beruflichen Orientierung führen. Das Ergebnis besteht zwar in praktischer Erfahrung, die dann jedoch für die Stellensuche nur wenig relevant ist.

In einem solchen Fall ist sinnvoll, die Erfahrungen aus dem Praktikum in einer anderen Richtung zu hinterfragen: Welche Aufgaben habe ich im Praktikum erfüllt, welche Kompetenzen habe ich dabei nicht nur in fachlicher Hinsicht, sondern auch im Hinblick auf meine Soft Skills und meine Persönlichkeit entwickelt?

4.2. Ehrenamtliche Tätigkeiten, Hobbys

Auch ehrenamtliche Tätigkeiten oder Hobbys im Lebenslauf können den Personalern wichtige Erkenntnisse über die Persönlichkeitseigenschaften, die Ziele und die Kompetenzen eines Bewerbers vermitteln. Wer sich als Freiwilliger betätigt, belegt damit auch Leistungsbereitschaft, Empathie und soziales Engagement. Mannschaftssportler sind auf Teamgeist angewiesen, je nach Position im Team entwickeln sie vielleicht auch Führungseigenschaften.

4.3. Längere Auslandsaufenthalte

Durch längere Auslandsaufenthalte stellen Sie unter Beweis, dass Sie offen für Neues und flexibel sind. Auch Ihre Selbstmanagementfähigkeiten und Ihre Stresstoleranz wachsen oft durch einen Aufenthalt im Ausland. Natürlich spielt für eine erfolgreiche Bewerbung auch der Erwerb von Sprachkenntnissen und vertieften Landeskenntnissen eine Rolle.

Das Spektrum der Möglichkeiten ist hier weit gefasst. In vielen Studiengängen ist ein Auslandssemester heute Standard. Work & Travel Programme, ein soziales Auslandsjahr oder ein temporärer Job in der Entwicklungshilfe dienen vielen künftigen Berufsanfängern als Orientierungsauszeit nach dem Abi oder dem Bachelor-Studium und stellen definitv keine Lücke im Lebenslauf dar. Oft war ein Au-pair-Job die erste Station der persönlichen Reise um die Welt und ins Erwachsenenleben.

4.4. Nebenjobs

Für die meisten Studierenden gehören Nebenjobs zum Alltag. Ob die dabei gewonnen praktischen Erfahrungen für die Stellensuche relevant sind, hängt von der Art der Arbeit ab.

Auch in Bezug auf Ihre Soft Skills können solche Nebentätigkeiten von Bedeutung sein. Immerhin mussten Sie sich dabei – zum Teil in häufig wechselnde – Teams integrieren und Leistungsanforderungen erfüllen. Ohne gute Selbstorganisation und Zeitmanagement ist die Verbindung von Job und Studium auf Dauer nicht zu schaffen.

Zudem hat das  Internet zahlreiche neue Arbeits- und Karrieremöglichkeiten geschaffen. Gehören Sie derzeit auch zu den digitalen Freiberuflern oder Unternehmern? Konkret: Bloggen, texten oder programmieren Sie? Sind Sie im Nebenberuf als Webdesigner oder Content Manager tätig? Betreiben Sie erfolgreich einen Onlineshop? In der Online-Welt benötigen Sie technische Fähigkeiten, kommunikative Kompetenzen und oft auch ausgeprägtes unternehmerisches Denken.

4.5. Weiterbildungen in- und außerhalb des Studiums

Natürlich gehören auch Weiterbildungen und Spezialisierungen, die Sie in- und außerhalb des Studiums erworben haben, in Ihren Lebenslauf. Neben zusätzlichen fachlichen Qualifikationen kommen hier auch Leistungswille, ein gesunder Ehrgeiz, persönliches Engagement und Zielstrebigkeit/der Wunsch nach einer langfristigen Karriereplanung als Pluspunkte zum Tragen.

5. Für Ihre Bewerbung ist der „rote Faden“ wichtig

Allerdings macht es wenig Sinn, solche Fähigkeiten und Kompetenzen nach dem Gießkannenprinzip in Ihre Bewerbungsunterlagen zu integrieren. Ohne einen klar erkennbaren „roten Faden“ – also den Bezug zur jeweils angestrebten Stelle – kommen Sie damit nicht allzu weit.

Formal haben Sie bei der Darstellung spezieller Erfahrungen und Kompetenzen in Ihrer Bewerbungsmappe zwei verschiedene Möglichkeiten: Sofern dafür kein umfangreicherer Erklärungsbedarf besteht, gehören sie in den normalen Lebenslauf. Dabei gilt es, Fehler zu vermeiden, um nicht direkt aussortiert zu werden.

Anderenfalls bietet sich die Integration eines separaten Motivationsschreibens – der sogenannten „Dritten Seite“ – an. Sie sollte nicht mehr als eine A4-Seite umfassen und solche Fakten als Begründung Ihrer Motivation für die Bewerbung und Ihrer Eignung für die ausgeschriebene Stelle in sehr gestraffter Form enthalten.

Im Vorstellungsgespräch müssen Sie natürlich darauf vorbereitet sein, dass zu den einzelnen Punkten Ihres Lebenslaufes oder der „Dritten Seite“ ausführlichere Fragen kommen.

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