Karrierekompass

Wie viel Privates im Büro ist erlaubt? Telefonieren, facebook, Dienstwagen – doch was ist gestattet?

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Beruf und Privates zu trennen, ist nicht immer einfach. Doch was muss der Arbeitgeber mir am Arbeitsplatz erlauben? Was kann er verbieten? Darf ich private Telefongespräche führen oder während der Arbeit auf eBay bieten?

1. Arbeit ist Arbeit, Freizeit ist Freizeit

Vereinfacht gesagt: Mit der Arbeitszeit werden Sie dafür bezahlt, dass Sie Ihre volle Aufmerksamkeit dem Arbeitgeber schenken. Private Aktivitäten können während dieser Zeit schlicht untersagt werden. Das gilt natürlich nicht für Notfälle. Zudem machen viele Unternehmen die Erfahrung, dass sie sich keinen Gefallen tun, wenn Sie die Regeln zu eng ziehen. Wichtig ist auch: Nur, weil etwas erlaubt ist, heißt das nicht, dass es nichts kostet.

2. Darf ich privat telefonieren?

Wenn während der Arbeit das Handy klingelt und die Frau die Einkaufsliste durchgibt oder die Fußballkumpels einen Kicktermin ausmachen wollen, drücken die meisten Arbeitgeber ein Auge zu. Das kann sich natürlich ändern, wenn die Arbeit darunter leidet oder die privaten Gespräche überhandnehmen und sich Kollegen über Sie beschweren. In diesem Fall kann der Arbeitgeber solche Ablenkungen untersagen und gegebenenfalls sogar zu einer Abmahnung greifen. In diesem Fall muss er die einzelnen Fälle jedoch konkret benennen und belegen können. Grundsätzlich sollte man bei Privatgesprächen immer auch Rücksicht auf andere Kollegen nehmen, gegebenenfalls den Raum verlassen und sich für die Störung entschuldigen.

3. Darf ich vom Firmentelefon privat telefonieren?

Auch hier gibt es keine allgemeingültige Regelung, sondern nur das, was die Praxis sagt. Gegen gelegentliche Anrufe werden die meisten Chefs nichts haben. Viele Firmen haben hier jedoch präzise Regelungen, die etwa vorsehen, dass man vor Privatgesprächen vom Bürotelefon eine Tastenkombination eingibt. So werden die Kosten erfasst und dann mit dem Gehalt verrechnet. Das ist auch absolut legitim. Da heute nahezu jeder ein Privathandy hat, ist dies aber kaum noch gängig.

4. Darf ich während der Arbeit auf facebook surfen?

Für den privaten Internetkonsum gilt auch: Ist es nicht verboten, wird es geduldet. Immer mehr Unternehmen legen Social-Media-Leitfäden auf, in denen geregelt wird, wie ihre Mitarbeiter sich etwa in sozialen Netzwerken verhalten sollen, wenn sie sich dort als Mitarbeiter der Firma zu erkennen geben. Bedenken Sie, dass Ihr Chef Sie für Ihre Arbeitszeit bezahlt. Er will also auch Ihre volle Aufmerksamkeit. Oder stellen Sie sich vor, wie Sie sich fühlen würden, wenn es Ihnen privat passiert: Sitzen Sie mit einem Freund im Restaurant, wird es Sie wahrscheinlich nicht stören, wenn er eine SMS beantwortet. Chattet er jedoch die ganze Zeit, werden Sie sicher etwas genervt sein.

5. Darf der Arbeitgeber verbieten, dass ich auf facebook über ihn schreibe?

Jein. Wenn es sich um geschäftsschädigendes Verhalten handelt, kann der Arbeitgeber Ihnen dies natürlich untersagen. Es gibt jedoch Grauzonen. Eine Aussage etwa, dass es im Büro stressig und anstrengend ist, fällt nicht unbedingt in diese Kategorie. Wenn Sie jedoch jeden Tag und nahezu ausschließlich über die stressige Arbeit posten, wird Ihr Chef ein ernstes Wort mit Ihnen reden.

Firmen können auf den Rechnern auch Seiten sperren, wenn Sie nicht wollen, dass diese von den Mitarbeitern besucht werden. Grundsätzlich sollte man immer vorsichtig sein, wenn man sich öffentlich über die eigene Firma äußert. Egal ob auf facebook, in der Kneipe oder im Schwimmbad. Man weiß nie, wer mithört. Und selbst, wenn es rechtlich nicht immer Konsequenzen haben mag, kann es eine gute Geschäftsbeziehung zerstören.

6. Darf ich vom Geschäftskonto Privatmails versenden?

Was den zeitlichen Aufwand privater Mails angeht, geht dasselbe wie für das private Telefonieren oder das Surfen im Internet. Was nicht verboten ist, ist erlaubt. Und wenn Sie den Bogen nicht überspannen, werden die meisten Unternehmen es auch dulden.

7. Darf ich privat mit dem Firmenwagen fahren?

Wenn Ihnen Ihr Arbeitgeber ein Auto zur Verfügung stellt, dann wird er Sie in der Regel auch darüber aufklären, für welche Fahrten Sie es nutzen dürfen. Sollten Sie das Auto privat nutzen, darf Ihr Arbeitgeber etwa ein Fahrtenbuch verlangen und die Kosten für die Privatfahrten mit Ihrem Gehalt verrechnen. Selbstverständlich darf er Ihnen auch untersagen, mit dem Auto zum Supermarkt zu fahren. Besondere Vorsicht gilt bei privaten Fahrten ins Ausland. Hier sollten Sie besser nachfragen, selbst wenn eine private Nutzung erlaubt ist. Denn viele Firmen verzichten aus Kostengründen auf einen umfassenden Versicherungsschutz oder sind selbst eingeschränkt, etwa wenn das Fahrzeug nur geleast ist.

8. Darf ich während der Arbeitszeit zum Arzt gehen?

Ja. Wer regelmäßig tagsüber arbeitet, dem kann man es nicht zumuten, einen Arzttermin außerhalb der regulären Zeiten zu nehmen. Das gilt auch für Routine-Untersuchungen, etwa beim Zahnarzt. Dann kann Ihr Arbeitgeber die Zeit des Arztbesuchs von Ihrem Zeitkonto streichen. Dies gilt aber nicht, wenn sie akut erkrankt sind. Auch kann Ihr Arbeitgeber nicht verlangen, dass Sie etwa bei Teilzeitarbeit nur an dem Tag zum Arzt gehen, an dem Sie nicht im Büro sind.

9. Darf mein Chef mir das Familienfoto auf dem Schreibtisch verbieten?

Ja. Firmen dürfen Regeln aufstellen, wie ein Arbeitsplatz auszusehen hat. Sie dürfen also das Aufstellen von Familienfotos ebenso untersagen wie das Mitbringen eigener Pflanzen, von Büromaterial oder Wandschmuck, etwa Kalendern.

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