Karrierekompass

Zwischenzeugnis anfordern: Anspruch, Begründung, Muster

0

Im Gegensatz zum qualifizierten Arbeitszeugnis haben Arbeitnehmer in Deutschland keinen Anspruch auf die Erstellung eines Zwischenzeugnisses. Wer aber trotzdem eines anfordert, kann verschiedene Gründe dafür haben – die vielleicht auch die Vorgesetzten aufschrecken.

1. Kein Rechtsanspruch

Aufgrund schwammiger Formulierungen trifft man im Internet immer wieder auf missverständliche Aussagen, dabei ist die Rechtsgrundlage eigentlich ganz klar: Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben einen gesetzlichen Anspruch auf die Erstellung eines qualifizierten Arbeitszeugnisses – beim Jobwechsel oder Kündigung aufgrund verschiedener Ursachen. Jedoch liegt die Erstellung eines Zwischenzeugnisses im Ermessen der oder des Vorgesetzten. Daher werden in die Anforderung eines Zwischenzeugnisses auch ungewöhnlich viele Hintergedanken hineininterpretiert, die im schlimmsten Fall auch das Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer erschüttern können.

2. Zwischenzeugnis – wann, wie und warum anfordern

Überlegen Sie sich also sehr gut, ob Sie mit der Anforderung eines Zwischenzeugnisses nicht vielleicht sogar „schlafende Hunde wecken“ oder ob Sie Ihre Vorgesetzten ganz bewusst auf sich aufmerksam machen wollen – dann ist besonderes Fingerspitzengefühl gefragt. Üblicherweise fordert man dieses spezielle Testat aber an, um auf bestimmte Situationen vorbereitet zu sein oder sich einen schriftlichen Beleg der eigenen Leistungen zu besorgen.

Folgende Gründe sprechen für die Anforderung eines Zwischenzeugnisses:

Umstrukturierung des Unternehmens
Sie gehen davon aus, dass Sie demnächst eine andere Position bekleiden oder in eine andere Abteilung versetzt werden. In diesem Fall sollten Sie sich von Ihrem aktuellen Vorgesetzten noch qualifizierte Aussagen über Ihre Fähigkeiten einholen, bevor Sie nicht mehr die Gelegenheit dazu haben.

Wechsel des Vorgesetzten
Sie hatten ein besonders gutes und vertrauensvolles Verhältnis zu einem Vorgesetzten, der aber vor einem Karrieresprung steht und die Abteilung verlassen wird? Dann sollten Sie unbedingt die Gelegenheit nutzen, um ein Zwischenzeugnis anzufragen – und diese Argumentation aber auch offen kommunizieren, um Missverständnissen vorzubeugen.

Elternzeit oder Sabbatical
Beide Gründe bedingen eine längere Abwesenheit – in diesen Fällen gilt es als legitim, dass Sie für alle Fälle um eine Bestätigung Ihrer Betriebszugehörigkeit und Ihrer speziellen Fähigkeiten bitten. Denn auch Ihre Vorgesetzten können noch nicht in die Zukunft schauen.

Qualifizierung/berufsbegleitendes Studium/Weiterbildung
Wenn Sie sich weiterbilden wollen, ein berufsbegleitendes Studium beginnen oder eine andere Art von Qualifizierung anstreben, kann man davon ausgehen, dass Sie Karriere machen wollen. Viele Vorgesetzte haben mittlerweile erkannt, dass nicht alle Arbeitnehmer, die sich fortbilden, ihre Posten übernehmen oder bei einem anderen Unternehmen einfach mehr Geld verdienen möchten. Insofern unterstützen weitsichtige Führungskräfte diese Bemühungen und stellen auch gerne ein Zwischenzeugnis aus.

Bewerbung bei einem anderen Unternehmen
Neben diesen aus Arbeitgebersicht nachvollziehbaren bzw. unproblematischen Motiven können Sie aber auch einfach nur versuchen, ein gutes Zwischenzeugnis für eine erfolgsversprechende Bewerbung bei einem anderen Unternehmen zu erhalten. Denn selbstverständlich können Sie sich frei entscheiden, woanders Ihr Glück zu versuchen. Nur müssen Sie dann aber auch davon ausgehen, dass Ihre Vorgesetzten zu Recht misstrauisch werden und Ihre Bitte zurückweisen – denn dazu verpflichtet sind sie nicht! Bevor Sie mit fadenscheinigen Gründen und Ausflüchten Ihre Position verschlechtern, sollten Sie sich vorher eine schlüssige Argumentation zurechtlegen. Erfahrungsgemäß sind folgende Gründe relativ unverdächtig:

  • Status Quo
    Sie arbeiten schon ziemlich lange bei Ihrem momentanen Arbeitgeber und möchten einfach mal ein Status-Update in schriftlicher Form erhalten, da Sie bisher überhaupt noch keine Beurteilung oder Bestätigung Ihrer Tätigkeit vorliegen haben. Als Faustregel hat sich eingebürgert, dass man ungefähr alle drei Jahre ein Zwischenzeugnis anfragen kann, ohne in Kündigungsverdacht zu geraten.
  • Interne Neuorientierung
    Viele Unternehmen ermutigen ihre Angestellten sogar, in regelmäßigen Abständen intern neue Erfahrungen zu machen und den beruflichen Horizont zu erweitern. Trifft das auch auf Ihr Unternehmen zu, haben Sie bereits eine gute Argumentation zur Hand.

3. Was tun bei Kündigungsverdacht

Konnten Sie die erwähnten Argumente noch nicht berücksichtigen oder wurden Ihre Vorgesetzten von sich aus skeptisch, ist Diplomatie und Schadensbegrenzung angesagt. Planen Sie unwiderruflich, den Arbeitgeber zu wechseln, haben aber noch keine konkreten Optionen, können Sie dieses Vorhaben einfach abstreiten, Ihre Loyalität unterstreichen und unter Beweis stellen. Wenn Sie noch unentschlossen sind, können Sie auch die Karten auf den Tisch legen und das offene Gespräch mit Ihren direkten und höheren Vorgesetzten suchen. Denn eine Kündigung hat immer gute Gründe, die nicht selten auf einer schlechten Stimmung unter den Kollegen, einem gespannten Verhältnis mit den Führungsverantwortlichen oder demotivierenden Arbeitsbedingungen beruhen. Hier sollte der Arbeitgeber berechtigtes Interesse zeigen, diese Hindernisse auszuräumen.

Eine eher schwache Argumentationsstrategie liegt darin, die Anforderung des Zwischenzeugnisses als Signal zu verkaufen, Ihren Marktwert bei Ihren Vorgesetzten zu ergründen. Nicht wenige „Führungskräfte“ entsprechen der Bitte, ohne die Chance zu nutzen, den Dialog zu suchen.

4. Musterschreiben

Wenn Sie ein Zwischenzeugnis anfordern möchten, müssen Sie wahrlich keinen Roman schreiben, folgende Zeilen genügen:

Betreff: Bitte um ein Zwischenzeugnis

Sehr geehrte/r Herr/Frau XXXXX,

zur Information über meinen momentanen Leistungsstand bitte ich um die Ausstellung eines qualifizierten Zwischenzeugnisses.

Vielen Dank und freundliche Grüße

XXXX

Der Aufbau des Zwischenzeugnisses lehnt sich größtenteils an der Struktur des qualifizierten Arbeitszeugnisses an, nur die Verabschiedungsformel fehlt aus verständlichen Gründen.

Fazit
Da Sie keinen Rechtsanspruch auf die Erstellung eines Zwischenzeugnisses haben, sollten Sie diplomatisch und vorsichtig vorgehen sowie besondere Rücksicht auf das aktuelle Verhältnis zu Ihren Vorgesetzten nehmen. Setzen Sie das Zwischenzeugnis lieber nicht als Druckmittel oder „Wink mit dem Zaunpfahl“ ein, dieses Ansinnen könnte nach hinten losgehen und Ihren Arbeitsplatz gefährden.

Hinterlasse eine Antwort