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Teilzeit arbeiten: Die wichtigsten Infos und Tipps zur Teilzeitarbeit

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Ein Job in Teilzeit bietet Flexibilität – ein gutes Modell, um Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Auch für andere Projekte im Leben schafft die Teilzeitarbeit Freiraum: ein Studium, ein Ehrenamt oder das bewusste Ausüben eines Hobbys. Teilzeitarbeit wird auch gerne als langsamer Übergang zwischen einem Vollzeitjob und der Rente genutzt. Doch in Teilzeit arbeiten heißt auch Kompromissen eingehen – und dabei müssen gesetzliche Regeln eingehalten werden. Erfahren Sie in diesem Artikel, wer in Teilzeit arbeiten kann und welche Vorteile und Nachteile ein Leben mit einer Teilzeitbeschäftigung mit sich bringt.

1. Was versteht man unter Teilzeitarbeit?

Teilzeitarbeit ist deutlich komplexer als es der Begriff zunächst vermuten mag. Während es die einen mit einer Halbtagsstelle gleichsetzen, denken andere (nur) an Mütter, die nach der Elternzeit wieder ins Berufsleben eintreten.

Die Definition von Teilzeitarbeit ist gesetzlich in § 2 Absatz 1 nach Satz 1 des Gesetzes über Teilzeitarbeit und befristete Arbeitsverträge festgeschrieben.
Darin heißt es, dass eine Teilzeitarbeit vorliegt, wenn ein Arbeitnehmer weniger arbeitet als es die reguläre Arbeitszeit eines Vollzeitbeschäftigten des jeweiligen Unternehmens vorsieht.

Beispiel: Arbeitet ein durchschnittlicher Vollzeitbeschäftigter in einem Unternehmen 37 Stunden pro Woche, dann ist das die Basis und bedeutet, dass bereits eine Stunde weniger als Teilzeitarbeit ausgelegt werden kann.

In der Realität gibt es verschiedene Arbeitsmodelle, die sehr vielseitig sind und von den individuellen Regelungen mit dem Arbeitgeber abhängen. So werden auch geringfügige Beschäftigungen und Halbtagsjobs der Teilzeitarbeit zugerechnet.

2. Häufige Teilzeitmodelle im Überblick

2.1. Teilzeit Classic / Klassische Teilzeit

Eine gängige und verbreitete Methode ist es, jeden Tag eine reduzierte Stundenzahl zu arbeiten. Mit dieser Variante können beide Seiten – Arbeitnehmer wie Arbeitgeber – gut planen und es bleibt für den Teilzeitarbeitenden täglich mehr Raum für die Familie und Hobbys. Diese Form der Teilzeitarbeit können Arbeitgeber in der Regel von allen Teilzeitmodellen am einfachsten realisieren. Sie eignet sich für alle Arbeitnehmer.

Beispiel:
Ein Arbeitnehmer arbeitet in Vollzeit an 5 Tagen die Woche jeweils 8 Stunden – also 40 Wochenstunden. In einem Teilzeit Classic-Modell würde er beispielsweise täglich nur noch 6 Stunden (= 30 Wochenstunden) oder 4 Stunden (= 20 Wochenstunden) arbeiten.

2.2. Teilzeit Classic Vario

Das Vario-Konzept bietet eine hohe Flexibilität. Die Wochenarbeitszeit teilt sich auf zwei bis fünf Arbeitstage auf, wobei die tägliche, wöchentliche oder monatliche Anzahl der Arbeitsstunden variabel ist. Arbeitnehmer können mit diesem Modell Teilzeit und Vollzeit miteinander kombinieren.

Beispiel:
Im Vergleich zu einer Vollzeitbeschäftigung mit 40 Wochenstunden an 5 Arbeitstagen, arbeitet der Arbeitnehmer beispielsweise montags nur 6 Stunden, dienstags 4 Stunden und donnerstags 5 Stunden. Mittwochs und freitags sind seine freien Tage. Insgesamt beträgt seine Wochenarbeitszeit in Teilzeit also 15 Stunden. Dieses Modell bietet sich an, wenn in einem Unternehmen an bestimmten Tagen deutlich mehr zu tun ist als an anderen. Der Vorteil für Arbeitnehmer besteht darin, dass die Arbeitszeit variabel auf die Arbeitstage aufgeteilt werden kann und somit auch ganze freie Tage möglich sind.

2.3. Saisonale Teilzeit

Diese Teilzeit-Variante eignet sich für Betriebe mit Saisongeschäft. Wenn in der Hochsaison viele Arbeitskräfte benötigt werden, arbeiten die Angestellten Vollzeit, ansonsten haben sie frei, bleiben aber weiterhin angestellt. So wird saisonale Arbeitslosigkeit in Zeiten von geringer Auslastung vermieden. Auch aufwendige und damit kostspielige Einarbeitungszeiten für neue Mitarbeiter in der nächsten Hauptsaison werden überflüssig. Arbeitnehmer verdienen ganzjährig ein Grundgehalt und sind durchgängig sozialversichert. Beträgt die Zeit der Freistellung von der Arbeit jedoch mehr als 3 Monate, gilt letzteres allerdings nur, wenn eine Wertguthabenvereinbarung unterschrieben wurde.

Beispiel:

Der Arbeitnehmer arbeitet 4 Monate im Jahr Vollzeit mit 40 Wochenstunden an 5 Arbeitstagen. 8 Monate hat er frei im Jahr. Sein monatliches Grundgehalt, dass er das ganze Jahr über erhält, beläuft sich also auf 1/3 des monatlichen Vollzeitgehalts.

2.4. Teilzeit Invest

Sie planen eine mehrmonatige Urlaubsphase, ein Sabbatical oder den vorgezogenen Ruhestand? Wer es sich leisten kann, behält seine wöchentliche Arbeitszeit in Vollzeit bei, wird aber nur Teilzeit bezahlt. Die Differenz zum Vollzeitgehalt wird als Zeit- oder Geldguthaben auf einem Wertguthaben oder Langzeitkonto angespart. Das angesparte Geld wird dann während der Auszeit oder im Vorruhestand ausgezahlt, sodass der Arbeitnehmer in dieser Zeit nicht auf Gehalt verzichten muss.

Beispiel:
Will ein Arbeitnehmer in den vorgezogenen Ruhestand gehen, kann ein Teilzeit Invest-Modell so aussehen: Der Arbeitnehmer arbeitet über einen Zeitraum von 6 Jahren ganz normal in Vollzeit mit 40 Wochenstunden an 5 Arbeitstagen, wobei die vereinbarte Arbeitszeit lediglich 30 Wochenstunden beträgt. Er erhält in der Ansparphase ein entsprechend reduziertes Gehalt, obwohl er tatsächlich 40 Stunden pro Woche leistet. Somit spart er 10 Stunden pro Woche an. Auf den Ansparzeitraum von 6 Jahren gesehen bedeutet das, dass er 2 Jahre früher in den Vorruhestand gehen kann und in dieser Zeit weiterhin sein Gehalt bezieht.

2.5. Teilzeit Jobsharing

Bei diesem Teilzeitmodell teilt sich ein Angestellter mit einem weiteren Arbeitnehmer eigenverantwortlich eine Vollzeitstelle. Der große Vorteil: Sie können gemeinsam auch Vollzeitprojekte übernehmen und der Kundenservice ist weiterhin gewährleistet. Möglich machen das regelmäßige Absprachen, ein Informationsaustausch hat oberste Priorität.

2.6. Teilzeit Home

In diesem Modell arbeiten die Arbeitnehmer von zuhause aus in Teilzeit. Durch diese Form der Teilzeitarbeit können Stunden (die vorab vor allem durch lange Hin- und Rückfahrten entstehen) als Freizeit gewonnen und Fahrtkosten eingespart werden: Interessant für Mütter und Väter. Ob das Modell als Teilzeit Classic oder Teilzeit Classic Vario genutzt wird, ist mit dem Arbeitgeber zu besprechen. Ein paar Arbeitstage im Unternehmen festigen allerdings die Bindung ans Unternehmen und erweisen sich als vorteilhaft für den Zusammenhalt im Team. Diese Form der Teilzeitarbeit erfordert ein hohes Maß an Selbstdisziplin, Eigenverantwortung und Organisation.

Beispiel:
Der Arbeitnehmer arbeitet beispielsweise 34 Stunden pro Woche, die sich auf 2 Arbeitstage mit 8 Stunden und 3 Arbeitstage mit 6 Stunden von zuhause aus aufteilen. Natürlich gibt es viele weitere Varianten und Kombinationen.

3. Teilzeitarbeit: Grundlagen aus dem Arbeitsrecht

Wir haben Ihnen die wichtigsten Aspekte der Gesetzeslage zur Teilzeitarbeit zusammengefasst:

  • Teilzeitbeschäftigte haben dieselben arbeitsrechtlichen Ansprüche wie Vollzeitbeschäftigte.
  • In Betrieben mit mindestens 15 Arbeitnehmern hat jeder Angestellte nach mindestens sechsmonatiger Beschäftigung einen Anspruch auf eine Reduzierung der Arbeitszeit auf eine festgelegte Verteilung der Arbeitszeit auf die Woche – vorausgesetzt, dass dem keine betrieblichen Gründe entgegenstehen.
  • Laut des Gesetzes über Teilzeitarbeit und befristete Arbeitsverträge besteht ein Anspruch auf Teilzeitarbeit lediglich für ein unbefristetes Arbeitsverhältnis.
  • Schwerbehinderte Menschen haben dann einen Anspruch auf eine Teilzeitbeschäftigung, wenn die verringerte Arbeitszeit wegen der Intensität der Behinderung notwendig ist.
  • Weitere Informationen finden Sie in den jeweiligen Gesetzestexten.

4. Vorteile von Teilzeitarbeit

Wer eine Teilzeitstelle hat, hat zwar einerseits weniger Geld zur Verfügung, andererseits aber auch mehr Zeit für andere Dinge im Leben: Dies kann eine Selbstständigkeit oder freiberufliche Tätigkeit sein, ein Studium, die Familie, ein Ehrenamt, Leistungssport oder das Ausüben von Hobbys, die einen glücklich machen. Wer es sich leisten kann und mit weniger Geld auskommt, für den muss Teilzeitarbeit nichts Schlechtes sein. Vielmehr ist es eine Möglichkeit, genug Freiraum in seinem Leben für andere Projekte zu haben.

In bestimmten Lebensphasen kann Teilzeitarbeit besonders attraktiv sein: Wer schon 30 Jahre oder mehr gearbeitet hat, wird sich freuen, wenn er die Altersteilzeit als Übergangsphase zwischen einem Vollzeitjob und der Rente nutzen kann. Der Übergang ist hier nicht so drastisch und es wird weiterhin in die Rentenkasse eingezahlt.

Auch für Mütter und Väter ist Teilzeitarbeit eine gute Möglichkeit, nach einer Elternzeit wieder in das Berufsleben zurückzukehren. Die Arbeitstage füllen nicht den gesamten Tag, sodass genug Zeit für Familie und Haushalt bleibt.

5. Nachteile von Teilzeitarbeit

Jetzt ist weniger Geld in der Tasche, als mit einer Vollzeitbeschäftigung, das ist klar. Außerdem wird anteilig weniger in die Rentenkasse eingezahlt und, je nach Modell der Teilzeitarbeit, genießt man weniger Urlaubstage. Näheres dazu weiter unten.

Wenn Sie Karriere machen möchten, sollten Sie nicht dem Irrglauben verfallen, dass ein Teilzeitjob ein guter Einstieg in den Beruf sei. Denn wie bereits erwähnt, kann ein Teilzeitjob nicht einfach zu einem Vollzeitjob aufgestockt werden.

Wenn Sie sich nach einem oder mehreren Teilzeitjobs bei einem anderen Unternehmen auf eine Vollzeitstelle bewerben wollen, werden Sie immer gut argumentieren müssen, warum Sie zuvor in Teilzeit gearbeitet haben. Bei Arbeitgebern, die der Teilzeitarbeit gegenüber weniger aufgeschlossen sind, könnte der Verdacht aufkommen, Sie wären ein „Freizeitmaximierer“, der nur auf seine Work-Life-Balance bedacht ist und wenig Interesse für die Belange der Firma zeigt – zumindest, falls Sie keinen anderen stichhaltigen Grund präsentieren können. Das gilt natürlich nicht für alle Arbeitgeber, aber dennoch sollten Sie wissen, welchen Bedenken Sie möglicherweise begegnen werden.

6. Sie überlegen in Teilzeit zu arbeiten? Diese 3 Fragen helfen bei der Entscheidung

Falls Sie mit dem Gedanken spielen in Teilzeit zu arbeiten, sollten Sie sich folgende Fragen im Vorfeld beantworten:

  • Wie viel Geld benötigen Sie zum Leben? Schreiben Sie Ihre laufenden Kosten auf und berücksichtigen Sie dabei unregelmäßige Ausgaben wie Geschenke, Urlaube oder unerwartete Kosten wie Reparaturen oder Tierarztbesuche.
  • Fertigen Sie eine Liste an, was Ihnen im Leben wichtig ist. Gehen Sie in einem weiteren Schritt diese Liste durch und überprüfen Sie, inwiefern Sie die Ihnen wichtigen Aspekte bereits in Ihrem Leben integriert haben und fragen Sie sich, woran die Umsetzung bisher womöglich scheiterte: Zu wenig Geld oder zu wenig Freizeit?
  • Wie berechnet sich das Teilzeitgehalt? Wenn Sie unsicher sind, wie groß der finanzielle Unterschied zwischen Vollzeit und Teilzeit bei Ihrem jetzigen Arbeitgeber aussähe: mit Hilfe dieses Teilzeitrechners des Bundesministeriums für Arbeit berechnen Sie ihr Teilzeitgehalt: www.bmas.de/static/Teilzeit-Netto-Rechner/index.html

7. Wechsel von Vollzeit in Teilzeit: Was gibt es zu beachten?

Sie haben bereits diese Bedingungen für Teilzeitarbeit kennengelernt:

  • Das Unternehmen, in dem Sie arbeiten, beschäftigt mehr als 15 Angestellte und
  • Sie sind seit mindestens einem halben Jahr dort angestellt.

Zu berücksichtigen gibt es noch weitere Faktoren:

  • Sie müssen den Antrag auf Teilzeit mindestens drei Monate vor dem anvisierten Beginn der Teilzeitarbeit stellen. Ist der Antrag eingereicht, müssen Sie sich unter Umständen gedulden, denn der Arbeitgeber kann bis einem Monat vor Ihrem Wunschtermin widersprechen.
  • Es ist wichtig, dass Sie sich gut überlegen, wie viel Sie zukünftig arbeiten möchten: Genügt Ihnen der Wechsel von Vollzeit auf Dreiviertel bereits oder wollen Sie direkt auf eine halbe Stelle reduzieren? Bei einer halben Stelle sticht der finanzielle Verlust deutlich ins Auge, allerdings spürt man hier auch die gewonnene Zeit. Berücksichtigen Sie, dass eine erneute Reduzierung erst zwei Jahre nach dem ersten Antrag auf Teilzeitarbeit erfolgen kann. Zunächst ausprobieren, wie es sich mit einer Dreiviertelstelle anfühlt um dann gegebenenfalls weiter zu kürzen, ist also nicht möglich.
  • Was die Verteilung der Stunden bei Teilzeitarbeit anbelangt, sind Sie auf die Gunst Ihres Chefs angewiesen. Überlegen Sie sich daher verschiedene Modelle, die für Sie in Frage kommen, damit Sie gemeinsam eine Lösung finden können. Nicht jedes Unternehmen hat die Möglichkeit, Sie nur an bestimmten Wochentagen oder zu bestimmten Uhrzeiten einzuteilen.
  • Bedenken Sie, dass sich Ihr Anspruch auf Urlaubstage in Teilzeit ändern kann. Arbeiten Sie weiterhin von Montag bis Freitag, aber jeden Tag nur ein paar Stunden, verändert sich nichts. Wer jedoch nur noch 2,5 Tage die Woche arbeitet, erhält auch nur noch halb so viele Urlaubstage. Problematisch wird es, wenn die Arbeitstage flexibel sind. Gerade was Feiertage anbelangt, kann es hier schnell zu Diskussionen kommen, welche bezahlt werden oder nicht. Auch hier ist eine gründliche Absprache vor Beginn des neuen Beschäftigungsverhältnisses unabdingbar.

8. Kein Recht auf Rückkehr in die Vollzeit

Ein Wechsel von Teilzeit auf Vollzeit ist nur in den seltensten Fällen möglich! Wer einen wohlwollenden Arbeitgeber hat und von Beginn an weiß, dass er nur einen bestimmten Zeitraum über Teilzeit arbeiten möchte, kann versuchen dies von vornherein in den neuen Vertrag mit aufnehmen zu lassen. Es handelt sich dann um eine befristete Teilzeitstelle. Es gibt aber keinen rechtlichen Anspruch auf Rückkehr in Vollzeit – außer bei der Elternzeit. Wer sich für eine temporäre Teilzeitbeschäftigung entscheidet und wieder mehr Stunden im selben Betrieb arbeiten möchte, hat die besten Chancen, wenn er sich auf neue oder freie Stellen im Unternehmen bewirbt. Hier muss die Person, laut Gesetzeslage, vorrangig berücksichtigt werden. Für Beamte und Beschäftigte des öffentlichen Dienstes sehen die Regelungen etwas anders aus, sie haben etwas mehr Rechte und Möglichkeiten.

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